Dortmund - Demenzkranke können ihre Situation am besten selbst einschätzen. Darauf haben Wissenschaftler des Dortmunder Universitätsinstituts für Gerontologie hingewiesen. Sie entwickelten einen Fragebogen, der auch Menschen mit eingeschränkter geistiger Leistungsfähigkeit Aussagen über die eigene Lebensqualität ermöglichen soll. Die Antworten könnten helfen, das Leben der Patienten angenehmer zu gestalten. Eine Demenz sei kein Grund, die Betroffenen nicht danach zu fragen, wie es ihnen gehe oder wie zufrieden sie mit ihrem Leben seien, betont der Gerontologe Eckart Schnabel.
Vor allem bei einer Heimunterbringung würden Fragen nach der Lebensqualität meist vom Pflegepersonal oder von Angehörigen beurteilt. Diese schätzten die Lage aber oft anders ein als die Betroffenen. Die Forscher stellten mit Unterstützung des Bundesforschungsministeriums nun einen Katalog aus 37 Fragen zusammen, die so formuliert sind, dass sie auch bei Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit beantwortet werden können. Gefragt werden die Patienten beispielsweise, ob sie sich das Heim selbst ausgesucht haben, ob es ihnen in den Räumlichkeiten gefällt, ob sie sich von ihren Mitbewohnern gestört fühlen oder wie wichtig ihnen ein eigenes Zimmer ist.
Die Beantwortung des Fragebogens dauert nach Angaben der Wissenschaftler rund 30 Minuten. «Bei diesem relativ geringen Aufwand sollte es dem Pflegepersonal möglich sein, jeden demenzkranken Bewohner eines Heims etwa alle sechs bis acht Monate zu befragen», sagt Schnabel. Anhand der Antworten könne dann überlegt werden, wie die Betroffenen angemessener betreut werden könnten. «Wir müssen wegkommen von einer rein technischen Betrachtung der Pflege, die sich darauf beschränkt, ob jemand genug trinkt oder seine Medikamente korrekt einnimmt», betont der Gerontologe.
Grenzen des neuen Verfahrens, das jetzt in größeren Stichproben überprüft und weiterentwickelt werden soll, sieht Schnabel allerdings bei Menschen mit schwerer Demenz. Wenn jemand komplett auf fremde Hilfe angewiesen sei und auch einfache Formulierungen nicht mehr verstehe, müsse man auf die Urteile Dritter zurückgreifen, sagt Schnabel. Aber auch für diese Patienten gebe es schon Ansätze, die Lebensqualität zuverlässiger zu beurteilen, etwa durch gezielte Beobachtung des Verhaltens und der Mimik.
In Deutschland leiden derzeit mehr als eine Million Menschen an einer solchen Hirnstörung - viele von ihnen an der bekanntesten, der Alzheimer-Krankheit. Experten erwarten in den nächsten 30 Jahren einen drastischen Anstieg der Demenz-Fälle auf bis zu 2,2 Millionen.
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