Riems - Weltweit erstmals ist das Vogelgrippe-Virus bei einem Steinmarder nachgewiesen worden: Wie das Friedrich-Loeffler-Institut am Donnerstag mitteilte, war das Tier am 2. März auf der Insel Rügen noch lebend gefunden worden, nach Feststellen der Infektion aber getötet worden. Der Marder ist nach drei Katzen das vierte Säugetier, das sich infiziert hat. Er stammt ebenfalls aus dem Teil Rügens, in dem die meisten toten Vögel gefunden wurden. Die Einschätzung der Gefährdungssituation habe sich dadurch aber nicht geändert, teilte das Institut mit.
Bemerkenswert sei allerdings, dass sich das Spektrum der von H5N1 infizierten Säugetierarten damit ausgeweitete habe. Weltweit war den Angaben zufolge bisher keine Infektion bei Mardern mit H5N1 beschrieben worden.
Bei den infizierten Wildvögeln in Mecklenburg-Vorpommern ist es dagegen nach Angaben des Krisenstabes bei den zuletzt gemeldeten 151 geblieben, von denen allein 138 von Rügen stammen. Alle Tests bei Nutztieren verliefen negativ. Untersucht wurden bisher 4.082 Proben von Wildvögeln und Nutzgeflügel sowie 96 Proben von Säugetieren.
»Der Nachweis einer H5N1-Infektion bei einer zweiten Säugetiergruppe ist nicht überraschend. Katzen und Marder haben ein vergleichbares Beutespektrum«, sagte der Agrarminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus: »Der Fall bestätigt uns in unserem konsequenten Handeln, alle Ausbreitungswege des Virus zu untersuchen.«
Der Magdeburger Mikrobiologe Ulrich Arnold sieht trotz des Fundes »keine neue Situation für Deutschland«. Auch die Lage für Hundebesitzer sei unverändert, sagte der Experte vom Universitäts-Institut für Medizinische Mikrobiologie. Marderartige Tiere, zu denen auch der Iltis und der Hermelin zählen, seien im Gegensatz zu Hunden Allesfresser. Bei der derzeitigen Witterung machten sie sich auch über Aas, also über tote oder halb tote Vögel, her.
Allerdings rechnen Experten mit weiteren befallenen Tierarten. Die Vogelgrippe sei auch auf Ratten, Mäuse, Frettchen, Wild- und Hausschweine übertragbar, sagte Erwin Reisinger, Direktor der Abteilung Tropenmedizin der Universität Rostock. Derartige Fälle seien in Südostasien bereits aufgetreten oder experimentell nachgewiesen worden. Die Gefahr für den Menschen habe sich damit nicht weiter erhöht.
Wegen der Vogelgrippe meidet laut einer Umfrage mittlerweile fast die Hälfte der Bundesbürger den Kontakt zu Wildvögeln wie Enten oder Tauben. Trotzdem sagten 47 Prozent, dass ihnen die Vogelgrippe keine Sorgen bereite.
Zwtl: Bodensee-Anrainer einigen sich auf Vorsorgeprogramm
Die für den Seuchenschutz zuständigen Fachminister aus Bayern, Baden-Württemberg, Vorarlberg und den Schweizer Kantonen einigten sich derweil bei der Internationalen Bodenseekonferenz in Singen auf ein Fünf-Punkte-Programm zur Bekämpfung der Vogelgrippe rund um Mitteleuropas größten Binnensee.
Unter anderem ist eine einheitliche Handhabung der Aufstallpflicht vorgesehen, ebenso das Verbot von Geflügelschauen und -märkten und Vogelbörsen während der Aufstallpflicht. In der Frage des Frei-Laufen-Lassens von Katzen und Hunden wird an die Eigenverantwortung der Katzen- und Hundehalter appelliert, jedweden Kontakt mit Wasservögeln zu vermeiden.
Nachdem am Mittwoch in Wasserburg der Verdacht des Ausbruchs der Geflügelpest bei einem Wildvogel amtlich nachgewiesen wurde, legte das Veterinäramt des Landratsamtes Bodenseekreis für Teile der unmittelbar angrenzenden Gemeinde Kressbronn einen Sperrbezirk fest.
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