München - Die deutsche Bevölkerung schrumpft nach einer neuen Studie schneller als erwartet. Der Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, Reiner Klingholz, sagte dem «Focus» als Mitautor einer Untersuchung zur demographischen Entwicklung, in nur zwei Jahren sei die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau um 0,7 auf 1,36 Prozent gesunken. «Dieser Rückgang mag gering erscheinen, er ist aber, wenn er sich so über Jahre fortsetzt, dramatisch», sagte er. Die Studie soll am Mittwoch offiziell vorgestellt werden.
Gleichzeitig seien weniger Ausländer eingewandert: Im Jahr 2002 seien es noch 220.000 gewesen und 2005 nur noch 90.000.
Nach Angaben von Klingholz wollen die Frauen generell weniger Kinder haben. Die Zahl der gewünschten Kinder sei durchschnittlich von zwei auf 1,6 pro Frau gesunken. Die Wirtschaftslage verunsichere die Deutschen, erklärte der Experte. «Und die Lebenserfahrung mit Kindern geht verloren», befürchtet Klingholz.
In anderen Ländern kämen deutlich mehr Kinder auf die Welt, wenn die Unterschiede zwischen Frauen und Männern bei der Bezahlung und der Arbeitslosenquote gering seien wie in Frankreich und Skandinavien. «Wenig Kinder gibt es in den Ländern, in denen die jungen Männer sehr lange zu Hause wohnen bleiben.» Länger als die Deutschen blieben nur noch Griechen, Italiener und Spanier im «Hotel Mama».
Als Folge des Bevölkerungsrückgangs öffne sich auch «die Schere zwischen Gewinner- und Verlierer-Regionen» weiter, sagte Klingholz. «Verlierer-Städte» wie Hoyerswerda, Hof in Nordbayern oder die Städte im Ruhrgebiet könnten nicht planen, weil sie nicht wüssten, wann der Tiefpunkt erreicht sei. In Magdeburg beispielsweise sei «das völlig überdimensionierte Fernwärmenetz» nur zur Hälfte ausgelastet. Auch der Wasserverbrauch sei dort seit der Wende um die Hälfte zurückgegangen.
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