Minsk - Nach dem friedlichen Protest tausender Oppositionsanhänger sind weißrussische Bereitschaftspolizisten am Samstag gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen. Sie sperrten eine Straße ab und prügelten mit Schlagstöcken auf die Menschen ein. Dutzende wurden festgenommen, darunter der Oppositionspolitiker Alexander Kosulin. Mindestens zwei Personen wurden verletzt. Zuvor hatten mehr als 10.000 Menschen den siebten Tag in Folge gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Alexander Lukaschenko demonstriert.
Die Bereitschaftspolizisten schlugen mit Schlagstöcken gegen ihre Schutzschilde, drängte die Menge zurück und prügelten auf mehrere Demonstranten ein. Die Gruppe schrie den Polizisten «Faschisten» entgegen. Die beiden offenbar Schwerverletzten wurden in einem Rettungswagen weggebracht. Vier Explosionen waren zu hören. Die etwa 1.000 Demonstranten waren nach dem Abschluss der Hauptkundgebung auf dem Weg zu einem Gefängnis, in dem Oppositionsanhänger inhaftiert sind.
Oppositionsführer Alexander Milinkewitsch sagte der Nachrichtenagentur AP, auch sein Sprecher Pawel Mascheika sei am Samstag festgenommen worden. Eine Meldung der russischen Nachrichtenagentur Interfax, wonach er selbst festgenommen worden sei, wies Milinkewitsch zurück.
Bereits am Morgen sperrten Sondereinsatzkräfte den zentralen Oktober-Platz ab und drängten hunderte Menschen auf die Hauptstraße. In der Nähe wurden vier Fahrzeuge für den Transport von Festgenommenen geparkt. Am Freitag hatte die Polizei auf dem Platz gewaltsam ein Zeltlager von mehreren hundert Oppositionsanhängern geräumt und hunderte Menschen festgenommen.
Die Menge auf der Hauptstraße schwoll in kurzer Zeit auf 3.000 Demonstranten an, 7.000 weitere versammelten sich um Milinkewitsch in einem nahe gelegenen Park. Viele hielten Blumen und rot-weiße Fahnen in den Händen. Eine dritte Gruppe Demonstranten traf sich in einer Straße etwa zwei Kilometer vom Oktober-Platz entfernt, wie Augenzeugen berichteten. Sie wurden von Sicherheitskräften am Weitergehen gehindert.
«Je mehr Unterdrückung die Behörden ausüben, desto näher bringen sie sich ihrem eigenen Ende», rief Milinkewitsch und kündigte die Gründung einer «Bewegung für die Befreiung von Weißrussland» an. Der Politiker dankte den Demonstranten für ihre Unterstützung, räumte aber ein, dass sie zu wenige seien, um Lukaschenkos Regierung zu stürzen.
«Wir können stolz sein auf das, was wir bereits getan haben: Die Angst ist besiegt», sagte er. Wären Hunderttausende auf die Straße gegangen, «würden die Behörden aus dem Land flüchten». Mit den Protestaktionen «fangen wir an, gegen Diktatur zu arbeiten, und diese Arbeit wird früher oder später Früchte tragen», erklärte Milinkewitsch. Er hat sich für Neuwahlen ausgesprochen, bei denen der seit zwölf Jahren regierende Lukaschenko nicht antreten soll.
Die Menge löste sich am Nachmittag wieder auf, nachdem Milinkewitsch zu einer weiteren Kundgebung am (morgigen) Sonntag aufgerufen hatte. Viele Demonstranten machten sich aber auf den Weg zu dem Gefängnis, in das am Freitag zahlreiche Oppositionsanhänger gebracht worden waren.
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