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Krach um Hauptbahnhof zur Eröffnung

Architekt spricht von Intoleranz und Verunstaltung - Allein Ausbau und Rohbau haben 600 Millionen gekostet

AP
26.05.2006

Lichtdurchflutet der neue Hauptbahnhof in Berlin (Foto: Andreas Rentz/Getty Images)

Berlin - Auch am Eröffnungstag des neuen Berliner Hauptbahnhofs ist der Streit zwischen dem Architekten und der Bahn AG weiter gegangen. Während Bahnchef Hartmut Mehdorn am Freitag die Kürzungen und Änderungen am Konzept verteidigte, warf ihm der Architekt Meinhard von Gerkan Intoleranz und Verunstaltung des Gebäudes vor. Zugleich nannte der Kölner Baukonzern Strabag zum ersten Mal eine Teilsumme von 600 Millionen Euro für Roh- und Ausbau des gläsernen Baus im Regierungsviertel.

In dieser Summe sind Verkehrsanlagen wie Schienen, Fahrstrom, Leit- und Sicherungstechniken nicht enthalten. Strabag sprach von «einem der größten Bauprojekte ihrer Firmengeschichte». Die Bahn AG nannte offiziell keine Summe. Sie verwies lediglich darauf, dass die gesamte Erneuerung des Berliner Bahnnetzes, zu der auch der Hauptbahnhof mit dem darunter liegenden Tunnel gehört, nach der Vereinigung rund zehn Milliarden Euro gekostet habe. Eine Gesamtsumme für den Bahnhof von 800 Millionen Euro war bisher nicht dementiert worden. Inoffiziell hieß es am Freitag, die Milliardengrenze könne durchaus überschritten worden sein.

Mehdorn zeigte sich erleichtert über die pünktliche Fertigstellung des neuen Hauptbahnhofs. Er sprach von einem «neuen Tor von und nach Berlin». Er sei sehr zufrieden mit dem Bau: «Die Dimensionen stimmen.» Kritik an dem verkürzten Dach über den Ost-West-Gleisen wies der Bahnchef zurück. «Da wird niemand im Regen stehen.» Das Glasdach war aus finanziellen Gründen um 80 auf 321 Meter Länge gekürzt worden. Die Bahn liegt mit dem Architekten Meinhard von Gerkan auch im Streit, weil Mehdorn die eigentlich für die Zwischenebene vorgesehene Gewölbedecke durch Lochplatten hatte ersetzen lassen. «Der Hauptbahnhof ist ein Bahnhof, keine Kathedrale», sagte Mehdorn. Die Kritik von Anwohnern und Ladeninhabern in der Gegend um den Bahnhof Zoo, in dem nun nur noch Regionalverkehr hält, nannte Mehdorn ein «Luxusproblem».

Angeblich höhere Kosten und Zeitverlust

Von Gerkan erklärte, die Verkürzung des Glasdaches und die Gestaltung der Decken seien «Makel», die beseitigt werden müssten. Motiv für «die Verunstaltung» sei offenkundig persönliche Macht-Profilierung gewesen, mutmaßte er. Mehdorns Entscheidungen hätten zu höheren Kosten und Zeitverlust geführt. Von Gerkan drückte die Hoffnung aus, dass «der Makel, der da entstanden ist, der letztlich auch unserer Regierung anhaftet, beseitigt wird».

Der Architekt beschwerte sich auch, dass er keine Rede auf der Feier halten könne. «Man stelle sich vor: Es wird die Neuerscheinung eines Buchs in einem Verlag gefeiert, und der Autor darf dazu nichts sagen!» Ihm sei erklärt worden, dass ein «enges Zeitfenster von zwei Stunden es nicht erlaubt, dass der Architekt fünf Minuten redet». Das bestätigte die Bahn auf Anfrage.

Der Bahnhof wird am (heutigen) Freitagabend mit einem Festakt und einer Lichtshow feierlich von Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissar Günther Verheugen eingeweiht. Am (morgigen) Samstag gibt es ein großes Fest in Berlin, und ab Sonntag ist er in den dann gültigen bundesweiten Fahrplan einbezogen.

http://www.db.de/

http://www.gmp-architekten.de

(Quellen: Mehdorn im ZDF-Morgenmagazin, von Gerkan im Deutschlandradio Kultur)

 

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