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Entdeckung des «tropischen Stonehenge» gefeiert

Steinkreis im brasilianischen Regenwald im Visier der Forscher

Stan Lehman
AP
06.07.2006

Eine Gruppe Granitblöcke auf einen Hügel in Ampa, Brasilien, am 10 Mai, 2006. Eine Aufstellung von 127 Blöcken aus Granit auf dem höchstem Punkt eines grasigen Hügels könnte, laut Angaben von Archäologen, die gefunden Spuren von Süd-Amerikas ältestem astronomischen Observatoriums sein. (AP Foto/GOVERNO DE AMAPA, Gilmar Nascimento)

Sao Paulo - Brasilianische Zeitungen sprechen schon von der Entdeckung des «tropischen Stonehenge». 127 kreisförmig angeordnete Granitblöcke auf einer Hügelkuppe im Amazonas-Regenwald haben Medien und Forscher gleichermaßen in ihren Bann gezogen: Die Steine gelten als mögliche Überreste eines Jahrtausende alten astronomischen Observatoriums, so wie der berühmte Steinkreis im südenglischen Stonehenge.

Die Archäologen wurden im vergangenen Jahr auf die Blöcke bei Calcoene im Staat Amapa aufmerksam, die teilweise rund drei Meter hoch sind und in einem Kreis mit einem Durchmesser von etwa 30 Metern aufgebaut sind. Inzwischen fanden die Forscher heraus: Wenn am 21. Dezember - dem kürzesten Tag des Jahres - die Sonne über dem Monument im äußersten Norden Brasiliens und damit nördlich des Äquators steht, dann wirft einer der Blöcke keinen Schatten. So kann die Wintersonnwende abgelesen werden. Dies sei der Grund, warum man annehme, dass es sich bei dem Bauwerk um eine astronomische Einrichtung handelte, erklärt Mariana Petry Cabral vom Wissenschaftlichen und Technischen Forschungsinstitut von Amapa.

Anthropologen wissen seit langem, dass die Ureinwohner der Region eifrige Beobachter der Sonne und der Sterne waren. Für Cabral verrät der Steinkreis aber noch mehr über die früheren Amazonas-Bewohner: «Die Umsetzung dieses Wissens in ein Bauwerk, die Übersetzung von kurzzeitigen Erscheinungen in etwas Anschauliches könnte aufzeigen, dass es eine größere Bevölkerung mit einer eher komplexen Gesellschaftsstruktur gab.»

Sterne und Konstellationen anderer Himmelskörper spielten eine große Rolle in der Mythologie der präkolumbianischen amazonischen Kulturen, erklärt Richard Callaghan von der Universität von Calgary in Kanada, der selbst nicht an den archäologischen Arbeiten in Brasilien beteiligt ist. «Es ist also nicht erstaunlich, wenn auch ein Observatorium existiert hat.»

Radiokarbon-Datierung steht noch aus

Als Erbauer des Monuments werden die Vorfahren der Palikur-Indianer vermutet. Die Steinblöcke wurden bisher noch keiner Radiokarbon-Datierung unterzogen, daher lässt sich über ihr Alter noch keine genauen Angaben machen. Tonreste und Scherben, die in der Nähe der präkolumbianischen Ausgrabungsstätte gefunden wurden, deuten aber darauf hin, dass der Ort vor 2.000 Jahren von Menschen bevölkert war.

Von den früheren Bewohnern des Amazonasbeckens ist viel weniger erhalten als von den Kulturen der Azteken, Maya und Inka. Sie errichteten keine großen Städte und Siedlungszentren aus Stein, sondern lebten in Hütten und verwendeten vorzugsweise Lehm für ihre Bauten. Im August, nach dem Ende der Regenzeit, werden brasilianische Archäologen ihre Untersuchungen am «tropischen Stonehenge» fortsetzen.

Erst im Mai dieses Jahres wurde nördlich der peruanischen Hauptstadt Lima das wohl älteste astronomische Observatorium Amerikas entdeckt. Riesige Steinreliefs, die möglicherweise bis zu 4.200 Jahre alt sind, sind dort ebenfalls auf eine ausgeklügelte Weise angeordnet, so dass das Spiel von Sonne und Schatten die Sonnwende im Dezember registriert.

 

(AP)

 

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