Berlin - Aus Protest gegen den kommerziellen Anbau genmanipulierter Pflanzen haben Umweltschützer zwei Maisfelder in Brandenburg teilweise zerstört. Nach eigenen Angaben rissen sie am Sonntag auf etwa 800 Quadratmetern eines 22 Hektar großen Feldes im Dorf Badingen nördlich von Berlin Pflanzen mit verändertem Erbgut aus. Die Polizei nahm einer Sprecherin der Demonstranten zufolge dort etwa 60 Personen vorübergehend fest. Auch nahe Strausberg bei Berlin seien 800 Quadratmeter eines Genmaisfeldes zerstört worden, hieß es.
Die Umweltschützer befürchten, dass sich durch Pollenflug und Bienenbestäubung unkontrolliert genmanipuliertes Erbgut verbreitet. Landwirte, die auf Gentechnik verzichten wollten, würden wegen der möglichen Verunreinigung ihrer Felder von angrenzenden Gen-Äckern in ihrer Existenz gefährdet, sagte Anja Becker von der Initiative «Gendreck weg». Zudem seien die Auswirkungen der Erbgutveränderungen auf Umwelt und Gesundheit noch völlig ungeklärt, hieß es auf einer Podiumsdiskussion am Samstagabend.
Etwa 170 Personen versuchten am Sonntagvormittag, auf das Genmaisfeld in Badingen zu gelangen. Nur etwa 20 Protestierende erreichten den Acker mit dem so genannten BT-Mais MON810 des US-amerikanischen Agrarkonzerns Monsanto. Dessen Erbgut wurde so verändert, dass die Pflanzen ein Eiweiß gegen den Schädling Maiszünzler bilden. Während die 20 Aktivisten auf etwa 800 Quadratmetern Pflanzen ausrissen, trafen sich in Badingen etwa 150 Menschen zu einem Gottesdienst mit anschließender Kundgebung. Diese sei friedlich verlaufen, sagte Polizeisprecher Martin Werner. Zu den Festnahmen konnte er zunächst keine genauen Angaben machen.
In Strausberg zerstörten am frühen Morgen Mitglieder des Orchesters «Lebenslaute» ebenfalls auf etwa 800 Quadratmetern Genmais. Anschließend hätten sie dort die «Bauernkantate» von Johann Sebastian Bach aufgeführt, erklärte Becker. Das Feld war im vergangenen Jahr bereits Ziel von Protesten gewesen.
Die Umweltschützer fürchten, dass mit dem Einsatz von genmanipulierten Pflanzen langfristig die Artenvielfalt zurück geht und die Abhängigkeit der Bauern von den Saatgutherstellern steigt. Die Demonstranten kritisierten, die Gentechnikindustrie versuche unumkehrbare Fakten zu schaffen.
Nach Angaben von Greenpeace ist in Deutschland dieses Jahr auf 1.041 Hektar BT-Mais angebaut worden, vor allem in Brandenburg. Noch zu Jahresbeginn waren 1.887 Hektar angemeldet worden, Proteste hatten den Angaben zufolge jedoch einen Teil des Anbaus verhindert. Im Jahr 2005 waren es nur 345 Hektar. Die Umweltschutzorganisationen BUND und Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hatten den Protest begrüßt, sich aber von der geplanten Feldzerstörung distanziert.
(AP)



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