Magnetschwebebahn Transrapid verunglückt im Emsland. Transrapid-Technik im Kreuzfeuer. Aktuelles über den Unfall der deutschen Magnetschwebebahn.
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Ermittler haben Leitstelle im Visier

Spurensicherung nach dem Transrapid-Unglück im Emsland - Treffen von Politik und Industrie am Sonntag in Berlin - Tiefensee spricht mit Angehörigen

Imke Zimmermann
AP
23.09.2006

Ein Stopschild steht unter der Trasse auf der das Wrack einer Transrapid-Schwebebahn steht. (AP Photo/Joerg Sarbach)

Lathen - Nach dem schweren Transrapid-Unglück im Emsland haben die Ermittler die Leitstelle der Teststrecke im Visier. Nur von ihr aus kann die Magnetschwebebahn gestartet werden, wie der Sprecher der Osnabrücker Staatsanwaltschaft, Alexander Retemeyer, am Samstag sagte. Vorher müssten sich die Mitarbeiter vergewissern, dass der Reinigungswagen die Strecke verlassen hat. Bei dem Unglück am Freitag war der Transrapid in diesen Wagen gerast; 23 Menschen starben. In Berlin wollten Vertreter aus Politik und Wirtschaft am Sonntag beraten, welche Folgen das Unglück für die Zukunft des Transrapids hat.

Derzeit werde von menschlichem Versagen ausgegangen, sagte Retemeyer in Lathen. Die Ermittlungen würden bislang nicht gegen einen konkreten Schuldigen geführt. Schwerpunkt sei die Leitstelle, die mit höchstwahrscheinlich zwei Mitarbeitern besetzt gewesen sei. Warum sie den Transrapid losgeschickt hätten, obwohl der Werkstattwagen noch nicht von der vier bis fünf Meter hohen Strecke auf den Hof heruntergefahren sei, müsse jetzt geklärt werden.

Leitstelle, Transrapid und Werkstattwagen verständigten sich über Funkverkehr, erklärte er. Dieser werde aufgezeichnet, die Aufnahme sei beschlagnahmt worden und müsse jetzt ausgewertet werden. Die polizeiliche Spurensicherung an der Unglücksstelle wurde bis zum frühen Abend abgeschlossen.

Die Aufräumarbeiten sollen noch Tage dauern. Bis Samstagnachmittag waren alle 23 Opfer identifiziert, wie Polizeisprecher Ewald Temmen sagte. Bei einem ökumenischen Gottesdienst soll am Mittwoch der Toten gedacht werden. Die Angehörigen hatten bereits am Samstagabend Gelegenheit, bei einer Trauerfeier auf dem Gelände der Versuchsstrecke von ihren Lieben Abschied zu nehmen.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee reiste nach Lathen und sprach dort mit Familien der Opfer. «Wenn man mit den Angehörigen zusammen sitzt und sich ein wenig mit ihnen unterhält, kann man ein wenig ahnen, welch ein Schlag sie getroffen hat», sagte der SPD-Politiker. Unter den Toten sind zwei US-Amerikaner; auch zwei Auszubildende starben. An Bord des Transrapids befanden sich unter anderem RWE-Mitarbeiter aus Nordhorn, drei Zugführer des Transrapid-Betreibers IABG sowie Angestellte eines Pflegedienstes aus Papenburg. Unter den zehn Überlebenden, die den Unfall verletzt überstanden, sollen die beiden IABG-Mitarbeiter aus dem Servicefahrzeug sein.

Chinesische Führung spricht Beileid aus

Am Sonntag wollen sich Tiefensee, Vertreter der IAGB und des Konsortiums Thyssen-Krupp sowie der bayrische Verkehrsminister Erwin Huber in Berlin zu einer Lagebesprechung treffen. Tiefensee kündigte eine Prüfung an, ob die Sicherheitsvorkehrungen vor Ort ausreichend waren und ob sie zu 100 Prozent befolgt worden. «Dann wird man weiter prüfen müssen, ob diese Erkenntnisse Auswirkungen auf die Technologie haben», sagte er. Er warnte aber vor voreiligen Schlussfolgerungen.

Der niedersächsische Verkehrsminister Walter Hirche sagte, das Unglück lasse keine Rückschlüsse auf die Technologie zu. Der Unfall erschwere zwar die Diskussion über den Einsatz der Magnetschwebebahn, sagte der FDP-Politiker im rbb-Inforadio. Doch er glaube nicht, dass der Transrapid ein Ladenhüter werde.

Der Transrapid-Chefplaner aus Schanghai, Commander Wu, machte sich vor Ort ein Bild von der Lage. IABG-Geschäftsführer Rudolf Schwarz sagte, dort werde überlegt, die bestehende Transrapid-Strecke zu verlängern. Vor dem Hintergrund hätten es die Industrien als sinnvoll empfunden, dass sich Wu direkt über den Unfall sachkundig mache.

In Schanghai fährt auf einer 30 Kilometer langen Strecke weltweit der einzige kommerziell betriebene Transrapid. Der chinesische Staatspräsident Hu Jintao und Ministerpräsident Wen Jiabao sprachen Deutschland ihr Beileid zum Unglück im Emsland aus.

 

(AP)

 

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