Berlin - Neue Freiheiten für Immobilienkäufer und Häuslebauer: Wer sich eigene vier Wände zulegt, kann jetzt auf flexiblere Finanzierungsmöglichkeiten setzen. Die ersten Baufinanzierer bieten neuerdings fest verzinste Darlehen an, die auf eine Vorfälligkeitsentschädigung verzichten. Aus solchen Verträgen kann ein Bauherr aussteigen, ohne zum Teil vier- bis fünfstellige Summen als Ablöse an die Bank zahlen zu müssen.
«Grundsätzlich war so ein Produkt auf dem deutschen Markt überfällig», meint Jörg Sahr, Finanzierungsexperte von Stiftung Warentest. Ein Anfang sei nun gemacht. Die Kreditwirtschaft habe sich jahrzehntelang gegen ein Aufweichen der Vorfälligkeitsentschädigung gewehrt.
Bislang steckten Immobilienbesitzer in ihren einmal abgeschlossenen Baukrediten auf viele Jahre fest. Ob eine Scheidung anstand, ein Umzug, Verkauf oder einfach nur der Wunsch nach einer billigeren Alternative im Zinstief: Eine Vertragsauflösung vor Ablauf von zehn Jahren musste immer teuer erkauft werden. Ein vorzeitiger Ausstieg war bisher nur bei variablen Darlehen möglich. Die neuartigen Kreditprodukte eröffnen erstmals die Chance auf eine erheblich günstigere Umschuldung. «Durchaus zu begrüßen, aber immer im Einzelfall betrachten», sagt Helga Bender vom Verband deutscher Hypothekenbanken.
Die Kündigungsfreiheit gibt es allerdings nicht umsonst. Je nach Anbieter fällt der Preis für die Ablöseoption unterschiedlich hoch aus. Die auf den ersten Blick günstigste Variante offeriert ein Münchner Online-Baufinanzierer: Gegen eine Einmalzahlung von 500 Euro kann sich der Kreditnehmer dabei absichern. Der Fixpreis ist unabhängig von der Kredithöhe.
Der große Haken daran: Die Absicherung greift nur, wenn ein Immobilienverkauf wegen eines beruflichen Umzugs nötig wird. Ein Notausstieg wegen Scheidung ist nicht abgedeckt. Außerdem gilt das Angebot nur für Arbeitnehmer, nicht für Selbstständige. Dafür lassen sich zusätzliche Risiken wie der Tod des Kreditnehmers, eine Erwerbsunfähigkeit oder lange Arbeitslosigkeit auf Wunsch noch extra oder separat absichern, und zwar gegen eine Einmalzahlung von 300 Euro.
Teurer, gegen einen Zinsaufschlag von derzeit etwa 0,45 Prozentpunkten auf den Festzins, kommt das Angebot eines Versicherers und Baufinanzierers aus Hannover zu stehen, wie Sahr erläutert. Dafür bekommt jeder Kreditnehmer das Recht, umzuschulden, wann immer er will.
Neue Modelle mit klassischen Kreditangeboten vergleichen
Der Verbraucherschützer rät Interessenten dazu, höchstens Verträge mit zehnjähriger Laufzeit ins Visier zu nehmen. Nach zehn Jahren dürfen Bauherrn ohnehin ohne Vorfälligkeitszahlung kündigen.
Darüber hinaus ist eine Münchner Hypothekenbank mit einem Festzinsangebot auf dem Markt, das eine Art Kündigungsoption «light» einschließt. Dabei kann der Häuslebauer ab dem dritten Vertragsjahr jährliche Sondertilgungen ab 10.000 Euro aufwärts leisten - bis zur vollständigen Ablöse. Wer eine größere Erbschaft erwartet, käme also beispielsweise auf einen Schlag ohne Vorfälligkeit aus dem Baukredit wieder raus. Als Aufschlag werden 0,2 Prozentpunkte auf den Effektivzinssatz verlangt.
«Immer auf die Gesamtkosten achten, die Zinssätze für normale Annuitätenkredite vergleichen und gut überlegen, ob die Kündigungsoption die Ausgabe wert sein könnte», rät Bender. Grundsätzlich sollte folgendes bedacht werden: Das Recht auf vorzeitigen Ausstieg nutzt vor allem dann, wenn die Zinsen sinken. Oder zumindest stagnieren, wie Sahr betont. Derzeit sind die Zinsen nach wie vor historisch niedrig. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Trend nach oben geht, ist im Moment hoch.
(AP)
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