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Polizei in Mecklenburg-‌Vorpommern vor ihrem größten Einsatz

Sonderstab „Kavala“ will allen Risiken vorbeugen – Ab Januar wird ein Zaun um den Tagungsort errichtet

Lutz Jordan
AP
27.12.2006

Rostock – Schon ein halbes Jahr vor dem G-8-Gipfel vom 6. bis 8. Juni im feinen Ostseebad Heiligendamm feilen Polizeispezialisten in einem Sonderstab an dem aufwendigen Sicherheitskonzept. Es gehe um eine „beispiellose sicherheitspolitische Herausforderung“, sagt der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke. Ist es doch der erste Gipfel nach dem 11. September 2001 in Deutschland und daher vom Gefährdungsgrad und den bislang veranschlagten Kosten von 92 Millionen Euro mit keinem Vorgänger vergleichbar.

Das Gewaltpotenzial beim Treffen der mächtigsten Regierungschefs der Welt ist nicht vorhersehbar, wie Ziercke einräumt. Bekannt ist allerdings, dass umfangreiche und vernetzte Vorbereitungen von G-8-Gegnern weltweit angelaufen sind. Gerechnet wird mit Aktionen von bis zu 100.000 Globalisierungskritikern. Gewalt und Terror seien da nicht ausgeschlossen, erklären Sicherheitsexperten. Mit zielgerichteter Prävention, hohem Fahndungsdruck und internationaler Zusammenarbeit soll dem begegnet werden. Schon jetzt sieht Ziercke Deutschland im weltweiten Gefahrenraum zunehmend als Anschlagsziel und wertet die verhinderten Kofferbombenattentate von Koblenz und Dortmund als konkrete Beweise dafür.

„Die für die Sicherheit des G-8-Gipfels zuständige Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern steht vor dem größten Einsatz ihrer Geschichte“, erklärt der Schweriner Innenminister Lorenz Caffier. Er macht keinen Hehl daraus, dass diese Aufgabe nicht ohne umfangreiche Hilfe von Bund und Ländern zu erfüllen ist und auch finanziell „nicht zum Nulltarif bewältigt werden kann“. Gegenwärtig wird, analog zum Besuch von US-Präsident George W. Bush im zurückliegenden Sommer, wieder mit einem Sicherheitsaufgebot von mindestens 12.500 Polizisten gerechnet.

Bereits im September vergangenen Jahres begann in der Polizeidirektion Rostock die Einrichtung der Besonderen Aufbauorganisation (BAO) zum G-8-Gipfel. Der Leitende Polizeidirektor Knut Abramowski gab ihr den griechischen Namen Kavala für „Weiße Stadt am Meer“, wie Heiligendamm auch genannt wird. Der Sonderstab hatte Anfang Dezember bereits einen Personalbestand von 126 Mitarbeitern. Seit Dezember entstehen weitere Einsatzabschnitte, die sich der Verkehrs-, Luft- und Seesicherheit in und um Heiligendamm sowie dem zu erwartenden Versammlungs- und Demonstrationsgeschehen im Umfeld widmen.

Ausgehend von den guten Erfahrungen bei der Fußball-WM sollen unter anderem gewaltbereite Globalisierungskritiker des In- und Auslands schon bei Reiseantritt zum Gipfel gestoppt werden. Auch der Einsatz szenekundiger Sicherheitsbeamter aus den jeweiligen Ländern ist geplant. „Von den Gipfelgegnern angekündigte Straßensperrungen und Blockaden um Heiligendamm und den Flughafen Rostock-Laage werden wir nicht dulden“, kündigt Abramowski an.

Luxusbad wird Hochsicherheitszone

Zu näheren taktischen Aspekten des Sicherheitseinsatzes hüllt sich die Polizei in Schweigen. Innenminister Caffier bat um Verständnis, dass in der Öffentlichkeit keine sicherheitsrelevanten Einzelheiten publik gemacht werden. Einsatzchef Abramowski kündigte lediglich an, dass Bevölkerung und Touristen in und um Heiligendamm Einschränkungen hinnehmen müssen. So wird das Gebiet des Luxusbades in eine äußere und eine innere Sicherheitszone eingeteilt. Auch seeseitig wird ein Sperrgebiet von bislang nicht bekannter Größe eingerichtet.

Die innere Sicherheitszone umfasst die G-8-Tagungstätte, das heißt die Gebäude des Kempinski Grand Hotels mit dem dazugehörigen Gelände. Dort ist das Bundeskriminalamtes zuständig. Das Betreten ist nur Gipfelteilnehmern und ihren Mitarbeitern sowie technischem und Service-Personal gestattet.

Die äußere Sicherheitszone umfasst die gesamte Ortschaft Heiligendamm. Sie wird begrenzt von einem 13 Kilometer langen Sicherheitszaun mit Warnsignaltechnik und Stacheldraht.

Über zwei Kontrollstellen können Zugangsberechtigte wie Ortsansässige, Grundstückseigentümer, Dienstleister oder angemeldete Besucher die äußere Sicherheitszone betreten und verlassen. Innerhalb des Zaunes ist kein öffentlicher Nahverkehr zugelassen. Der Bau des mit 12,5 Millionen Euro veranschlagten Zaunes soll Anfang Januar beginnen.

 

(AP)

 

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