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Erholung am Arbeitsmarkt bringt kaum Vollzeitstellen

Aber deutliches Plus bei Teilzeit und Ein-Euro-Jobs

Brigitte Caspary
AP
28.12.2006

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Nürnberg – Die Arbeitsmarktbilanz 2006 ist trügerisch: Auch wenn die Zahl der Arbeitslosen in diesem Jahr von über fünf auf zuletzt unter vier Millionen gesunken ist, haben weitaus weniger Menschen eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitstelle gefunden, als es die Zahlen vermuten lassen. „Die treibende Kraft des Beschäftigungsaufbaus war die Zunahme der Teilzeitstellen einschließlich geringfügiger Beschäftigung und Ein-Euro-Jobs“, lautet die nüchterne Bilanz des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Tatsächlich nahmen die sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse im Jahresschnitt zwar um etwa 120.000 auf 26,36 Millionen zu. Diese Entwicklung ist jedoch ausschließlich auf ein Plus bei den Teilzeitstellen zurückzuführen. Laut IAB stiegen diese um 160.000 auf 4,6 Millionen, während die Zahl der Vollzeitjobs um 40.000 auf 21,76 Millionen sank.

Da sich dieser Rückgang jedoch bis zur Jahresmitte kontinuierlich abschwächte und zuletzt bei Null lag, geht das IAB davon aus, dass seither wieder Vollzeitstellen geschaffen wurden. „Das ist äußerst nahe liegend“, erklärt IAB-Forscher Hans-Uwe Bach im AP-Gespräch. Genaue Zahlen liegen aber noch nicht vor.

Der gleiche Trend wie bei den sozialversicherungspflichtigen Jobs ist bei den Arbeitsverhältnissen insgesamt zu sehen: Auch hier stieg zwar die Zahl der Arbeitnehmer im Jahresvergleich deutlich an (plus 221.000). Das Wachstum resultiert aber ebenfalls aus einem kräftigen Anstieg bei den Teilzeitstellen inklusive Ein-Euro- und Minijobs (plus 301.000), während die Vollzeitstellen erneut abnahmen (minus 80.000). 2004 hatte der Rückgang allerdings noch mehr als eine halbe Million betragen, 2005 noch 464.000.

„Die Schaffung von Teilzeitstellen ist ein typischer Prozess, wenn eine Volkswirtschaft in einem Strukturwandel steckt“, erklärt Volkswirt Alexander Koch von der HypoVereinsbank. Damit der Aufschwung nachhaltig sei, müssten allmählich die Vollzeitstellen wieder zunehmen. „Wir erwarten, dass wir 2007 eine weitere Verbesserung am Arbeitsmarkt sehen“, zeigt sich Koch zuversichtlich.

Mit dem Einkommen aus einer Teilzeitstelle dürfte es aber oft schwer sein, über die Runden zu kommen. Dafür spricht, dass die Zahl der Nebenjobs steigt: Gingen 2004 im Jahresdurchschnitt 1,86 Millionen Menschen einer Nebentätigkeit nach, waren es 2005 bereits 1,96 und 2006 schon 2,09 Millionen. Ist diese Entwicklung ein Indiz dafür, dass ein Arbeitseinkommen allein nicht mehr zum Leben reicht? „Man kann das herauslesen“, sagt IAB-Forscher Bach vorsichtig. Zu beweisen sei es aber nicht.

Ungewöhnlich viele offene Stellen

In welchen Bereichen 2006 überhaupt sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen wurden, geht aus einer weiteren IAB-Datenreihe des IAB bis September hervor. Demnach gehören Zeitarbeitsfirmen zu den Jobmotoren des Jahres. „Es ist durchaus rational, dass sich Betriebe zunächst nicht binden wollen, sondern auf flexible Formen der Beschäftigung setzen“, erklärt IAB-Forscher Eugen Spitznagel. Zu unsicher sei die derzeitige Konjunktur, als dass sich Unternehmen auf feste Stellen einließen.

Manche taten es dennoch: So kletterte die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in der Energie- und Wasserversorgung um 2,8 Prozent, im Verkehrswesen und der Nachrichtenübermittlung um 2,9 Prozent, sowie in geringerem Umfang im Gastgewerbe, im Handel, im Bereich Erziehung und Unterricht, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der Sparte „sonstige Dienstleistungen“. Im Baugewerbe kam der Stellenabbau – vor allem wegen des ungewöhnlich guten Wetters – zum Stillstand, im verarbeitenden Gewerbe schwächte er sich deutlich ab.

Vor dem Hintergrund der nach wie vor hohen Arbeitslosigkeit gibt den Volkswirten eine Entwicklung besondere Rätsel auf: Die Zahl der offenen Stellen ist mit mehr als 800.000 so hoch wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. „Das wird mir allmählich unheimlich“, sagt HypoVereinsbank-Volkswirt Andreas Rees und führt zwei Erklärungen an: „Entweder stimmen die Ansprüche der Unternehmen mit denen der Arbeitssuchenden nicht überein, oder die Arbeitnehmer sind nicht mobil genug“. Doch noch ein dritter Grund kommt in Frage. „Die Arbeitsagenturen lassen oft ewig lang Stellenangebote im Internet stehen, die schon längst besetzt sind“, kritisiert Kollege Koch. Das könnte die Zahlen durchaus verzerren.

(AP)

 

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