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Riesige Explosion machte Helgoland für Jahre unbewohnbar

Vor 60 Jahren fand die größte nichtnukleare Sprengung der Geschichte statt – Briten zünden 6.700 Tonnen Munition

Gregor Haake
AP
13.04.2007

Das Archivbild aus dem Jahr 1947 zeigt das verwüstete Unterland der Insel Helgoland. (AP Photo)
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Helgoland – Die gigantische Explosion erschütterte die kleine Insel zutiefst. Aber Helgoland trotzte der Kraft von 6.700 Tonnen Sprengstoff und Munition. Vor 60 Jahren, am 18. April 1947, lösten englische Besatzer beim Versuch, die militärischen Anlagen und Bunkersysteme auf der Hochseeinsel dem Erdboden gleichzumachen, die – laut Experten – größte nichtnukleare Explosion der Geschichte aus. Ohnehin schon von Bombenangriffen weitestgehend zerstört, lag Helgoland anschließend in Schutt und Asche. Teile des markanten roten Sandsteins stürzten ins Meer.

Dennoch wurde die Insel nicht komplett von der Landkarte gefegt. Allerdings dauerte es nach der Explosion bis zum März 1952, bis die Insel wieder besiedelt werden konnte. Heute gehören die verbliebenen Reste der Bunker zu einem Museum, das von rund 10.000 Urlaubern im Jahr besucht wird.

„Es muss gigantisch gewesen sein“, sagt der Leiter der historischen Bunkeranlagen auf Helgoland, Jörg Andres. Die Erschütterungen seien noch auf dem Festland, etwa im 70 Kilometer entfernten Cuxhaven zu spüren gewesen. Der Rauchpilz sei neun Kilometer in die Höhe gestiegen. „So etwas hatte es noch nicht gegeben“, berichtet der Forscher.

Von einem Schiff aus neun Kilometern Entfernung wurde Punkt 13.00 Uhr die Sprengung mit einem Fernzünder ausgelöst. „Zuerst ein paar Böllerschüsse, damit die Vögel verschwinden. Und dann kam es zum Big Bang“, sagt Andres. Als sich der Staub verzogen hatte, staunten die Besatzer nicht schlecht: Helgoland war weitgehend stehen geblieben.

Dabei kam dem roten Felsen seine besondere Beschaffenheit zu Gute. Der poröse Sandstein ließ die gewaltige Druckwelle entweichen. „Wenn die Insel aus Granit bestanden hätte, wären die Auswirkungen weitaus größer gewesen“, betont Andres. Er bezweifelt allerdings, dass es den Engländern um die komplette Vernichtung ging: „Vermutlich wollten sie nur die militärischen Anlagen zerstören.“

Das nicht ohne Grund: Die strategisch günstige Lage war auch schon im Ersten Weltkrieg von den Militärs erkannt worden. Schon damals hatte man damit begonnen, Kriegsgerät auf das nur knapp einen Quadratkilometer große Eiland zu schaffen. Im Zweiten Weltkrieg ließ Adolf Hitler Helgoland zu einer Festung ausbauen. Ein U-Boot-Bunter, zahlreiche Geschütze und Hafenanlagen für die Kriegsmarine entstanden. Mit dem Projekt „Hummerschere“, einer riesigen Anlage aus Molen, Deichen und Sandaufspülungen, sollte ab 1938 ein riesiger eisfreier Seehafen entstehen. Doch die Pläne wurden wegen des beginnenden Krieges nie zu Ende gebracht.

„Für die Briten war nach Ende des Zweiten Weltkrieges klar, dass von Helgoland nie wieder eine militärische Bedrohung ausgehen sollte“, sagt Andres. Darum hätten sie sich zu diesem weit reichenden Schritt entschieden.

Monatelange Planung)

Alles wurde genauestens geplant, rund 3.000 Einwohner evakuiert. In wochenlangen Vorbereitungen schafften die Briten Sprengstoff und alte Munition auf die Insel und füllten damit die Bunkeranlagen. Wissenschaftler begleiteten die Sprengung von Schiffen und Flugzeugen: „Das war auch für die Experten interessant. Schließlich hatte man ja keine Erfahrungen mit solch gigantischen Detonationen“, betont Experte Andres.

60 Jahre nach dem „Big Bang“ ist kaum noch etwas von der einstigen militärischen Ausrichtung der Insel zu sehen. Heute ist Deutschlands einzige Hochseeinsel ein Touristenparadies mit Hotels, weißen Stränden und Seehunden. Helgoland gehört zu Schleswig-Holstein und lockt pro Jahr fast 500.000 Besucher an. Für die etwa 1.500 Helgoländer ist der Jahrestag der Sprengung ein Gedenktag, den viele mit einem Gottesdienst in aller Stille begehen – im noch zugänglichen Teil des alten Zivilschutzbunkers tief unter der Erde. (AP)

 

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