Stuttgart – Ärzte sind doppelt so stark suizidgefährdet wie der Rest der Bevölkerung. Bei Ärztinnen ist das Selbsttötungsrisiko sogar um das Vierfache erhöht, wie der Psychiater Bernhardt Mäulen aus Villingen-Schwenningen in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift“ berichtet. Hauptgründe sind nach seinen Erkenntnissen Leistungsdruck, starre Hierarchien, lange Arbeitszeiten, mangelnde Wertschätzung und geringes Einkommen. All dies mündet laut Mäulen in Depressionen, Suchterkrankungen und Partnerkonflikten.
Den unverwüstlichen Hausarzt früherer Zeiten gebe es längst nicht mehr, sagt Mäulen. Wegen der langen Dienste krisele es häufiger in der Ehe. Bei den Abhängigkeiten stünden Alkohol und Beruhigungsmittel im Vordergrund. Süchtige Ärzte seien aber eine Gefahr für Gesundheit und Leben der Patienten, weshalb auch der Diplom-Psychologe Harald Jurkat von der Universität Gießen dringenden Handlungsbedarf sieht. Nach einer Studie Jurkats machen sich die Ärzte das Leben oft gegenseitig schwer: Starre Hierarchien und zu viel bürokratische Schreibarbeit verhinderten, dass sich die Ärzte in ausgeglichener Verfassung ihren Patienten zuwenden könnten. Der Experte schlägt vor, daher die Arbeitszeiten der Ärzte zu verringern und die Einkommen zu steigern. (AP)
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