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Chinua Achebe erhält den Man Booker Prize

Nigerianischer Schriftsteller für sein Lebenswerk gewürdigt

Thomas Wagner
AP
13.06.2007

Der nigerianische Autor Chinua Achebe. (AP Archivfoto/Axel Seidemann)

London – Der Man Booker Prize, eine der wichtigsten Auszeichnungen für englischsprachige Literatur, geht in diesem Jahr an den nigerianischen Schriftsteller Chinua Achebe. Der 76-Jährige sei mit seinem Werk zum „Vater der modernen afrikanischen Literatur als wesentlichem Teil der Weltliteratur“ geworden, erklärte Jury-Mitglied Nadine Gordimer am Mittwoch in London. Der alle zwei Jahre vergebene Preis ist mit 60.000 Pfund (90.000 Euro) dotiert.

Achebe, der 2002 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt, ist vor allem bekannt für seinen 1958 erschienenen Roman „Things Fall Apart“ (zu Deutsch: „Okonkwo oder Das Alte stürzt“). Das Buch wurde in gut 50 Sprachen übersetzt und weltweit mehr als zehn Millionen Mal verkauft. Es schildert die Geschichte des nigerianischen Stammesfürsten Okonkwo, der sich gegen die in sein Dorf eindringenden Briten zur Wehr setzt und daran zerbricht. Achebe unterzieht beide Kulturen einer schonungslosen Überprüfung: Der Starrköpfigkeit Okonkwos wird die Überheblichkeit der britischen Eroberer gegenüber gestellt.

Einen Ausgleich findet der Autor in seinem Sprachstil, in dem afrikanische Erzählformen und europäische Romanstrukturen miteinander vermischt werden. Diese neue Einheit könnte der Gesellschaft als Beispiel dienen, haben Literaturkritiker immer wieder betont. Bei der Verleihung des Friedenspreises in der Frankfurter Paulskirche hieß es, Achebe sei ständig darum bemüht, „Frieden in Regionen herzustellen, die einem permanenten Kulturkonflikt ausgesetzt sind“.

Der Autor hat mehr als 20 Bücher geschrieben, überwiegend Romane, aber auch Kurzgeschichten, Essays und Gedichte. Darin geht es in der Regel immer um die politischen Verhältnisse in Afrika, die Darstellung Afrikas im Westen und die Folgen der Kolonialisierung für die afrikanische Gesellschaft. Auf Englisch schreibt er nach eigenen Worten, um ein möglichst breites Publikum zu erreichen. Achebe, der seit einem Autounfall 1990 im Rollstuhl sitzt, lebt heute überwiegend in New York und lehrt dort als Literaturprofessor am Bard College.

Der Man Booker Prize ist eine Ergänzung zum renommierten Booker Prize, der alljährlich für ein bestimmtes Buch aus Großbritannien, Irland oder dem Commonwealth vergeben wird. Dagegen wird mit dem Man Booker Prize ein Schriftsteller für sein gesamtes Schaffen ausgezeichnet. Achebe erhält den Preis am 28. Juni in Oxford. Weitere Finalisten waren in diesem Jahr Philip Roth, Margaret Atwood und Ian McEwan. (AP)

 

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