London – Für den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in England sind offenbar Viren aus einem Labor verantwortlich. Der auf einem Bauernhof südwestlich von London gefundene Erreger ist nach Behördenangaben identisch mit einem Virenstamm, der in einer nur sechs Kilometer entfernten Forschungseinrichtung verwendet wird. Die Regierung sicherte schnelle Maßnahmen zu, die hochansteckende Seuche einzudämmen, und erließ ein Exportverbot. Bei der letzten Epidemie vor sechs Jahren hatte sich die Krankheit rasend schnell ausgebreitet, sieben Millionen Tiere wurden damals getötet.
Der Hinweis, dass der Erreger vermutlich aus einem Labor stamme, wecke Hoffnung, dass die Maul- und Klauenseuche schnell gestoppt werden könne, erklärte ein Vertreter des Veterinärverbandes BCVA. Umweltminister Hilary Benn sprach im Sender BBC von einer „vielversprechenden Spur“. Verdächtige Symptome auf weiteren Höfen seien untersucht worden, es habe jedoch keine Hinweise für weitere Infektionen gegeben.
Der für die Fälle in der Grafschaft Surrey verantwortliche Erreger sei keiner, der in jüngster Zeit bei Tieren gefunden worden sei, räumten die Behörden ein. Der Erregerstamm sei aber sowohl in dem staatlich unterstützten Forschungslabor des Instituts für Tiergesundheit in Pirbright verwendet worden als auch bei der Impfstoff-Herstellung des Unternehmens Merial Animal Health, das das Gelände mitbenutzt.
Das Institut für Tiergesundheit erklärte, der Erreger sei in den vergangenen Wochen in geringem Maße zum Einsatz gekommen. Eine Untersuchung habe jedoch keine Hinweise auf Verstöße gegen die Sicherheit gefunden. Merial Animal Health kündigte an, die Produktion des Impfstoffs vorerst einzustellen. Der Erreger kann über die Luft übertragen werden.
Die britische Chefveterinärin Debby Reynolds weitete die Schutzzone um den betroffenen Hof bei Wanborough auf einen Radius von zehn Kilometern aus. Hoffnung machte den Behörden auch die Tatsache, dass seit Mitte Juli offenbar keine Tiere von der Farm weggebracht wurden.
Die Regierung verhängte ein Exportverbot für lebende Tiere, Fleisch sowie Tierprodukte wie Milch und untersagte landesweit den Transport von Paarhufern wie Rindern, Schafen, Ziegen und Schweinen. Premierminister Gordon Brown brach seinen Urlaub ab, nachdem der Ausbruch der Seuche am Freitag bekannt geworden war. „Unsere Priorität muss schnelles und entschlossenes Handeln sein“, sagte Brown. Der britischen Regierung war 2001 vorgeworfen worden, zu langsam gehandelt und damit die Ausbreitung der Seuche ermöglicht zu haben. Die rund 60 Tiere auf dem Hof bei Wanborough, rund 50 Kilometer südwestlich von London, wurden bereits am Samstag notgeschlachtet.
Schwere wirtschaftliche Schäden befürchtet
Großbritannien drohen infolge der Maul- und Klauenseuche gravierende wirtschaftliche Einbußen. Mit dem freiwilligen Exportverbot kommt die Regierung einem automatischen EU-Einfuhrverbot zuvor. Die USA und Japan erließen am Samstag ein Einfuhrverbot für britische Schweinefleischprodukte – Rindfleisch aus Großbritannien wird bereits seit der BSE-Krise in den 90er Jahren nicht mehr importiert.
Der letzte Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in England 2001 brachte die Landwirtschaft in Existenznot. Auch die Tourismusindustrie brach ein. Schätzungen zufolge beliefen sich die wirtschaftlichen Schäden damals auf rund acht Milliarden Pfund (zwölf Milliarden Euro).
Das Bundeslandwirtschaftsministerium prüft mit Blick auf den neuen Ausbruch der Seuche in England fünf Tiertransporte nach Deutschland. Es handele sich um eine reine Routinemaßnahme, sagte Ministeriumssprecher Hubertus von der Goltz am Sonntag in Berlin. Die untersuchten Tiere stammten aus Ställen, die weitab von dem betroffenen Hof lägen. (AP)



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