Phuket/Mainz – Bei dem Flugzeugabsturz auf der thailändischen Ferieninsel Phuket hat es möglicherweise ein zweites deutsches Todesopfer gegeben. Das rheinland-pfälzische Innenministerium teilte mit, das Schicksal einer 28-Jährigen aus Mainz sei unklar. Die Frau habe auf der Passagierliste von Flug OG269 der One-Two-Go-Airline gestanden. Bis Dienstag waren 70 der 89 Todesopfer identifiziert.
Der Pilot der Unglücksmaschine missachtete nach Behördenangaben bei der Bruchlandung am Sonntag eine Warnung des Towers vor gefährlichen Scherwinden. Der indonesische Pilot Areef Mulyadi habe sich dennoch zur Landung entschlossen, sagte der Leiter der thailändischen Luftverkehrsbehörde, Chaisak Ungsuwan, am Montagabend. Das letzte Wort des Piloten im Funkkontakt mit dem Tower habe gelautet: „Landing“ (Wir landen).
Allerdings arbeiteten zum Zeitpunkt des Unglücks auf dem Flughafen Phuket nur die Hälfte der Systeme, mit denen die gefährlichen Fallwinde entdeckt werden können. Drei von sechs Geräten hätten keinen Strom gehabt, teilte das thailändische Verkehrsministerium mit. Das habe es dem Piloten möglicherweise erschwert, die Situation richtig einzuschätzen. Die Scherwinde genannten Böen sind bei der Landung gefürchtet, da sie das Flugzeug plötzlich nach unten drucken können.
Der Präsident der Orient-Thai Airlines, der Muttergesellschaft des Billigfliegers One-Two-Go, Kajit Habnanonda, sagte der „Bangkok Post“, der bei dem Unglück getötete Pilot sei einer der besten seines Unternehmens gewesen. Kajit beschrieb ihn als erfahren, geduldig und entschlussfreudig. Die am Montag geborgenen Flugschreiber sollten zur Untersuchung in die USA gebracht werden.
Das Auswärtige Amt ging den Hinweisen auf ein zweites deutsches Todesopfer nach. Bestätigen konnte ein Ministeriumssprecher allerdings nur ein deutsches Todesopfer, einen 29 Jahre alten Mann aus Rheinland-Pfalz, und vier Verletzte. Die insgesamt 89 Todesopfer kamen aus mindestens zehn Ländern, unter anderem aus Thailand, dem Iran, Israel, Großbritannien, Frankreich und den USA.
Bei der Identifizierung der Opfer arbeiteten Vertreter der verfeindeten Staaten Israel und Iran auf Phuket zusammen. „In solchen Situationen vergisst man das Trennende“, sagte der israelische Polizeichef für Südostasien und den Pazifik, Yaki Oved, und schüttelte dem Diplomaten Safdar Schafiee von der iranischen Botschaft in Bangkok die Hand. „Die Hauptsache ist zu helfen. Man denkt nicht an Politik.“
„Es liegt in der menschlichen Natur, dieses Problem so schnell wie möglich zu lösen“, sagte Schafiee. Er befürchte, dass eine iranische Familie – die Eltern mit ihren beiden Kindern – unter den Opfern sei. Sie gehörten offenbar einer 24-köpfigen Reisegruppe an, von denen 18 getötet wurden.
41 Passagiere überlebten das Unglück. Sechs Schwerverletzte – zwei Iren, zwei Israelis, ein Brite und ein Thailänder – sollten am Dienstag mit Transportflugzeugen nach Bangkok ausgeflogen werden. Viele der Toten aus Thailand wurden mit Linienflügen in die Hauptstadt gebracht.
Buddhistische Mönche, muslimische Imame und ein katholischer Priester beteten am Morgen für die Toten. Angehörige, Gerichtsmediziner und Journalisten drängten sich in einem Hangar des Flughafens, wo die Leichen identifiziert werden sollten. Viele brachten dort Bilder von Vermissten an. (AP)



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