Frankfurt/Main – Trotz des Organmangels in Deutschland lehnt Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe finanzielle Anreize zur Förderung der Spendebereitschaft strikt ab. Die Organspende sei ein Akt der Nächstenliebe und der Solidarität, sagte Hoppe der Nachrichtenagentur AP: „Geld für das Spenden eines Organs anzubieten, wäre ein fataler Schritt in Richtung Kommerzialisierung der Organspende und würde letztlich auch die Tür zum Organhandel öffnen.“ Auch eine Reform des Transplantationsgesetzes von 1997 lehnte Hoppe ab. Stattdessen forderte er, flächendeckend Transplantationsbeauftragte an den Kliniken einzuberufen.
In Deutschland warten derzeit nahezu 12.000 schwer kranke Menschen auf ein lebensrettendes Organ. Schätzungen zufolge sterben täglich drei Patienten, weil nicht genügend Spenderorgane zur Verfügung stehen. Angesichts dieser Zahlen mehren sich die Rufe nach einer Reform des Transplantationsgesetzes. Zuletzt hatte die Medizinethikerin Alena Buyx von der Universität Münster vorgeschlagen, die Spendebereitschaft über Steuervorteile oder einen Versicherungsbonus für Träger von Spenderausweisen, über Zuschüsse zu Beerdigungskosten oder Zuwendungen an Angehörige zu steigern.
Hoppe kritisierte solche Überlegungen scharf: „Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich auszumalen, wie Menschen durch finanzielle Anreize zu einer Organspende gedrängt werden können.“ Kommerzialisierung als Schlüssel zur Verteilung von Gesundheitsleistungen widerspreche nicht nur dem Solidaritätsprinzip, sondern auch der ärztlichen Überzeugung, dass der menschliche Körper keine veräußerbare Ware sein dürfe: „Finanzielle Anreize sind der falsche Weg“, betonte der Ärztepräsident. Der Schlüssel für eine höhere Organspendebereitschaft sei vielmehr umfassende Information.
Das Transplantationsgesetz habe sich bewährt und die notwendige Rechtsklarheit bewirkt, sagte Hoppe. Es sei kein Organbeschaffungsgesetz und habe nicht den Sinn gehabt, die Zahl der Spenden zu erhöhen: „Das kann nur durch Aufklärung und Überzeugung geschehen.“ Es müsse vielmehr darum gehen, Transparenz zu schaffen und den Menschen zu erklären, nach welchen Kriterien die Organe tatsächlich verteilt würden. Zugleich müssten die Voraussetzungen an den Kliniken verbessert werden. „Wir brauchen flächendeckend Transplantationsbeauftragte in den Krankenhäusern, die darauf achten, dass potenzielle Organspender dem zuständigen Transplantationszentrum gemeldet werden“, forderte der Präsident der Bundesärztekammer. (AP)
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