Hamburg – Neutrale Finanzberatung gegen Honorar ist im Kommen. Zwar werben Banken mit kostenloser und individueller Beratung, doch dafür kassieren sie bei einem Abschluss in aller Regel auch Provisionen. Und deshalb ist ihr Rat nach Erfahrung von Verbraucherschützern nur selten wirklich objektiv und orientiert sich oft an hauseigenen Produkten. Honorarberater kassieren zwar Geld, dafür aber keine Provisionen. „Anleger dürfen daher objektive Empfehlungen erwarten“, sagt Karin Baur vom Magazin „Finanztest“ der Stiftung Warentest.
Und die unabhängige Beratung ist gefragt, wie der Verbund Deutscher Honorarberater (VDH) bestätigt. „Die Nachfrage auf Kundenseite steigt stetig, und seit 2005 hat sich die Zahl unserer Berater auf derzeit rund 1.000 jährlich verdoppelt“, sagt VDH-Geschäftsführer Dieter Rauch. Alle Experten haben mindestens eine dreijährige Ausbildung als Finanzfachwirt absolviert. Besonders gefragt ist die unabhängige Beratung zu Bereichen wie Altersvorsorge, Versicherungen und Wertpapieranlage. Auch die jüngste Diskussion um den Sinn von Riester-Rentenversicherung habe die Nachfrage nochmals steigen lassen, sagt Rauch.
Billig sind die Experten aber nicht: Der Stundensatz liegt zwischen 100 und 150 Euro, und für eine detaillierte Altersvorsorge-Beratung müssen acht bis zehn Stunden veranschlagt werden. „Dafür erhalten die Kunden aber auch eine wirklich individuelle und neutrale Dienstleistung, denn an einem Abschluss verdient der Berater nichts“, betont der Experte.
Seit November 2007 gelten für die Banken neue Richtlinien für die Anlageberatung. Sie müssen detailliert über die Höhe der Provisionen informieren, die finanzielle und persönliche Situation des Kunden erfragen und ein detailliertes Beratungsprotokoll erstellen.
Der Nutzen der Regelungen ist unter Experten jedoch umstritten. Es sei fraglich, ob die Informationen eine kundengerechte Beratung ermöglichten, und ein ausführliches Protokoll sei bei den Banken schon aus zeitlichen und ökonomischen Gründen in der Regel nicht möglich, sagt Dietmar Vogelsang, Sachverständiger und Betreiber des Info-Portals „Berater-Lotse“. Eine Gefahr sieht Vogelsang zudem im Datenmissbrauch. Es lasse sich nicht ausschließen, dass ein Berater die gewonnenen Information für eigene Verkaufszwecke ausnutze, etwa für völlig andere Produkte des Hauses.
Nach Ansicht von „Finanztest“-Expertin Baur können Kunden bei der Honorarberatung durchaus eine bessere Qualität als bei herkömmlicher Finanzplanung erwarten. „Ein Berater, der unabhängig von Provisionen ist, verkauft das geeignete Produkt und nicht das, an dem er am meisten verdient“, sagt Baur. Schließlich werde er vom Kunden bezahlt und nicht vom Anbieter.
Nach Qualifikation und Know-how fragen
Wer eine Honorarberatung wählt, der sollte auf eine umfassende Qualifikation achten und sich die vom Berater auch bestätigen lassen. Auch sollte der Experte eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung haben, die den Schaden einer Falschberatung ersetzt. Und schließlich gehören Berechnungsprogramme und Info-Datenbanken ebenso zum Handwerkszeug eines kompetenten Beraters wie das Know-how in Steuerfragen. Und wenn er nicht nur Honorar nehme, sollte der Kunde darauf bestehen, dass er seine Provisionen offenlegt, betont Baur.
Finanzberatung bieten auch die Verbraucherzentralen: Das Angebot reicht von der Altersvorsorge über Versicherungen und den Wertpapierkauf bis zur Baufinanzierung. Die Gebühren betragen laut Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) je nach Aufwand und Beratungsstelle zwischen 15 und 200 Euro. Einfachere Fragen werden auch per E-Mail beantwortet. Bei der persönlichen Beratung nach Voranmeldung müssen sich die Kunden jedoch auf längere Wartezeiten einstellen.
http://www.berater-lotse.de
http://www.finanztest.de
http://www.verbraucherzentrale.de
http://www.verbund-deutscher-honorarberater.de (AP)



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