Hamburg – Die Band Wir sind Helden zählt zu den erfolgreichsten Gruppen der deutschen Musikszene. Ihre Songs sind zugleich kritisch und eingängig, Hits wie „Guten Tag“, „Denkmal“ und „Gekommen um zu bleiben“ stürmten die Charts. Die Band erhielt mehrere Auszeichnungen, ihre Konzerte sind meist ausverkauft. Die Höhen – aber auch einige Tiefen – ihrer gemeinsamen Geschichte haben die Musiker in dem Buch „Wir sind Helden“ festgehalten. Ab (dem heutigen) Dienstag ist es auf dem Markt.
Wir sind Helden sind Sängerin Judith Holofernes, Schlagzeuger Pola Roy, Keyboarder Jean-Michel Tourette und Bassist Mark Tavassol. Wer mehr über den Band- und die Künstlernamen erfahren will, sollte in das Buch schauen, das chronologisch den Werdegang der Helden schildert: Von ihren Ursprüngen im Jahr 2000, der ersten Tour (2002) und dem ersten Album „Die Reklamation“ (2003) über weitere Tourneen und das zweiten Album „Von Hier an Blind“ (2005) bis hin zur Geburt von Judiths und Polas Sohn Friedrich und dem dritten Album „Soundso“ im vergangenen Jahr.
Das Buch mit dem Untertitel „Informationen zu Touren und anderen Einzelteilen“ basiert auf dem von Holofernes im Internet geführten Tour-Tagebuch und wurde um aktuelle Interviews ergänzt. „Wir haben alles kommentiert und so Schwerpunkte geschaffen“, sagt Bassist Tavassol im Gespräch mit AP. Ein roter Faden seien die lustigsten Fan-Emails, ein weiterer die absurdesten Angebote, die die Band erhalten habe.
So wollte eine Sportwagen-Firma mit Frontfrau Holofernes einen Werbespot drehen. „Das Schönste war, dass den Leuten meine konsumkritische Haltung sehr wohl bewusst war und sie darauf hinwiesen, dass es ihnen um den 'reizvollen' Kontrast zwischen meiner Überzeugung und diesem hochwertigen Gefährt gehe“, sagt Holofernes und fügt hinzu: „Ich kann nicht mal Auto fahren.“
Auch hätten zu Karrierebeginn die einschlägigen Herrenmagazine angefragt, ob sich die Sängerin fotografieren lasse. Die Band habe stattdessen Keyboarder Jean-Michel angeboten. „Im Feinripp oder auch ohne – aber das wurde abgelehnt“, erzählt Holofernes. Ein sehr rührendes Angebot sei von einer jungen Frau gekommen: Sie schlug vor, Holofernes in der Schwangerschaft zu vertreten. „Wir haben uns dann entschlossen, das Konzept Wir sind Helden auch in dieser Notlage nicht zu verwässern“, sagt die Sängerin.
Die Band legt in dem Buch auch ein Geständnis ab: Die als das „gute Gewissen des deutschen Pops“ bezeichneten Helden haben einmal gelogen. In ihrer Anfangszeit wurden sie als Vorband für Nena angefragt, doch Keyboarder Tourette konnte an diesem Tag nicht. „Wir haben in das Tour-Tagebuch geschrieben, er war krank, und das kräftig ausgeschmückt“, erzählt Holofernes. In Wirklichkeit habe Jean-Michel einen guten Freund nicht hängenlassen wollen, dem er versprochen hatte, bei seinem Abschlusskonzert an der Musikhochschule zu spielen. Die Helden haben bei Nena dann mit einem Ersatzkeyboarder gespielt.
Durch das Buch weiter zusammengewachsen
Für Holofernes ist die Anfangszeit die wichtigste Phase der Bandgeschichte. Damals seien sie noch in verschiedenen Städten gewesen und Mark habe als Arzt in einem Hamburger Krankenhaus gearbeitet. Auch für ihn sei schwierig gewesen, „dass irgend so eine dahergelaufene Band ohne Plattenvertrag und mit einer mickrigen Tour, die in zwei Wochen anfangen sollte, ihm ein Messer auf die Brust setzte und sagte: Willst du jetzt eigentlich Vollzeitmusiker werden oder Arzt oder was?“ Holofernes betont, solche Passagen hätten das Mitgefühl und Verständnis untereinander wachsen lassen.
Auch für Tavassol sind die vier Helden, die tatsächlich „beste Freunde“ seien, durch das Buch weiter zusammengewachsen: „Wir haben zwar schon stressigere Phasen gehabt, wenn wir im Studio vor irgendeiner Deadline standen, aber das Buch hat uns noch mal die ganze Geschichte erzählt.“ Jeder sei an den Anteil der einzelnen erinnert worden und daran, wie gut alles gelaufen sei.
Nun freuen sich die Helden auf ihre Lesereise, sind allerdings auch ziemlich aufgeregt, sagt Holofernes: „Wir sind alle keine Vorleser.“ So soll es eher „eine Rundum-Party“ werden mit Liedern, Filmen und Gesprächen. Die Auftaktveranstaltung am 28. Februar in Berlin ist bereits ausverkauft. Am 15. März sind die Helden in Leipzig, am 17. März in München und am 11. April in Bielefeld.
(Fischer Verlag, 2008, ISBN 978-3-596-17754-7, 416 Seiten, 12,95 Euro)
www.wirsindhelden.de (AP)
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