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Merkel betont Bedeutung der Sprache für Abbau von Integrationsdefizit

Deutschkenntnisse entscheidend – Auch von Beust und Müller fordern Engagement von Migranten

AP
16.02.2008

Frankfurt/Main – In der Integrationsdebatte hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Defizite eingeräumt und die Bedeutung von Deutschkenntnissen betont. Kinder mit Migrationshintergrund besuchten seltener das Gymnasium und stellten doppelt so viele Schulabbrecher wie Kinder mit deutschem Hintergrund, sagte Merkel in ihrem am Samstag veröffentlichten Video-Podcast.

Sie sei sich mit dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan darin einig, dass das Erlernen der deutschen Sprache der Schlüssel für die Integration junger Menschen sei. „Wir legen sehr viel Wert darauf, dass dies bereits im Vorschulalter geschieht“, sagte die Kanzlerin. Ohne gute Bildung sei die Berufsausbildung schwieriger und damit die Chance schlechter, „in unserer Gesellschaft einen richtigen Platz zu finden“.

Voraussetzung für die Integration sei, dass „wir uns auf eine gemeinsame Sprache und auf eine gemeinsame Rechtsordnung einigen. Zu dieser gemeinsamen Rechtsordnung gehört zum Beispiel auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau“, erklärte Merkel: „Integration ist keine Einbahnstraße.“

Der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust rief die in Deutschland lebenden Türken zu verstärkter Integration auf. „Bei Beibehaltung der eigenen Kultur die der anderen zu akzeptieren, die Spielregeln zu beachten und die Sprache zu beherrschen – diese Anforderungen stellen wir sehr wohl und zu Recht“, sagte der CDU-Regierungschef der „Welt am Sonntag“.

Sein saarländischer Kollege Peter Müller sagte mit Blick auf die umjubelte Rede von Erdogan vor Wochenfrist in Köln: „Wir müssen uns fragen, ob wir den Menschen, die hier auf Dauer leben, das Gefühl gegeben haben, willkommen zu sein.“ Der CDU-Politiker forderte im „Focus“-Interview, die Zuwanderer müssten sich „selbst offensiv auf den Integrationsprozess einlassen“. Erdogan habe in Köln den Eindruck vermittelt, als gehe es um zwangsweise Assimilierung. Deshalb seien seine Äußerungen mit Blick auf die Bemühungen zur Integration verheerend gewesen.

Der parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion, Norbert Röttgen, sagte der „Berliner Zeitung“: „Mein Eindruck als Fernsehzuschauer war, dass Erdogan einen Anspruch auf Repräsentation und Protektion der in Deutschland lebenden Türken formuliert hat. Das ist nicht akzeptabel.“

KMK-Präsidentin für türkischen Sprachunterricht

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Annegret Kramp-Karrenbauer, nannte es im Deutschlandradio Kultur einen guten Ansatz, türkischen Kindern die Möglichkeit zum Erlernen der beiden Sprachen zu ermöglichen. Die Hauptsprache müsse aber Deutsch sein. Der Erwerb der Muttersprache sei in erster Linie Sache der Eltern, sollte aber „unterstützt werden mit Hilfe des türkischen Staates, entweder innerhalb der Schule oder durch Kurse außerhalb“.

Die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) sagte der „Frankfurter Rundschau“, sie habe aus der türkischen Gemeinschaft immer wieder den Satz gehört: „Wir haben zwei Heimaten: Vaterland und Mutterland.“ Darauf lasse sich aufbauen. Sie hoffe, dass die Brandkatastrophe in ihrer Stadt letztlich positive Folgen für die Integration haben werde. „Durch das Unglück ist allen Beteiligten noch einmal deutlich geworden, wie wichtig es ist, dass wir aufeinander zugehen.“ (AP)

 

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