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KRAUT DES MONATS

Die Brennnessel

Elisabeth Horbach
Epoch Times Deutschland
24.05.2008

Die große Brennnessel (Urtica dioica). (Joe Klamar/Getty)
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Brennnesseln finden wir überall, wo der Boden gut gedüngt oder sogar überdüngt ist. Schmetterlinge fühlen sich sehr wohl in ihrer Nähe. Für die Raupen sind sie ein unentbehrliches Futter. Schon deswegen lasse ich einige der Pflanzen in meinem Garten wachsen.

Die große Brennnessel (Urtica dioica) treibt jedes Jahr neu aus ihrem Wurzelstock, während die kleine Brennnessel eine einjährige Pflanze ist. Ich finde sie zarter und leckerer als ihre große Schwester.

Brennnesselkraut passt im Frühjahr roh und fein gehackt zu Kräuterbutter, zu Salaten oder als Brotbelag. Gekocht zu Spinat, Kräutersuppen und Kräuter-Omelettes. Für die Omelettes erhitzt man etwas Rapsöl in einer Pfanne, lässt die mit einer Schere in Streifen geschnittenen Brennnesseln leicht andünsten und gibt dann erst den Teig drüber. Auch als Gewürz sind die getrockneten und dann zerriebenen Blätter gut zu gebrauchen.

Natürlich schmeckt ein Tee aus frischen Blättern und Blüten duftig nach Frühling und liefert neue Energie. Gut schmeckt auch ein Brennnesselgetränk als Kaltansatz. Dafür einen Stängel mit Blättern in einem Glas kaltem Wasser ein bis zwei Stunden stehen lassen und dann kalt oder angewärmt genießen. Mit einer Kräuterpresse kann aus Blättern und Stängeln frischer Saft gewonnen werden. Und der brennt garantiert nicht. Einfach pur trinken oder für Saucen und Suppen verwenden.

Die grünen Samen schmecken im Sommer als Brotbelag roh oder geröstet. Und wenn sie im Herbst ausgereift sind, haben wir eine feine Leckerei zum Knabbern.

Aber wie ernten wir diese Pflanze, die sich so gut wehren kann? Brennnessel brennen, wenn sie gegen die Wachstumsrichtung ihrer Haare gestrichen werden. Sobald die feinen Härchen brechen, tritt Ameisensäure aus, die an der Luft allerdings schnell ihre schmerzhafte Wirkung verliert. Achtsamkeit ist also angesagt, wenn wir all die wertvollen Vitamine und Mineralstoffe in geballter Form zu uns nehmen wollen. Für Anfänger empfiehlt es sich, Gartenhandschuhe zu tragen oder die Blätter und Stängel gleich in eine Schüssel fallen zu lassen, nachdem man sie mit einer Schere vorsichtig abgeschnitten hat. Ein hohes enges Gefäß ist sinnvoll, wenn man die Blätter gleich darin mit einer Haushaltsschere fein zerschneiden möchte.

Sehr gut wirksam finde ich diese Haarspülung: abends zwei, drei Stängel Brennnessel mit einem Liter kaltem Wasser übergießen. Am nächsten Morgen auf eine angenehme Temperatur erwärmen und nach dem Waschen die Haare damit spülen. Das bringt Glanz und beruhigt die Kopfhaut.

Die Pflanzenfasern lieferten in vergangenen Jahrhunderten Material für Nesselstoff, Stricke und Netze. Daher auch der Name Nessel vom Wortstamm ned, obwohl man nesseln eher mit jucken oder brennen in Verbindung bringt. Inzwischen schätzt man die Brennnessel wieder als Nutzpflanze für feine Stoffe, die einen leichten Seidenglanz besitzen und angenehm zu tragen sind.

Ein Spruch sagt, „dass die Brennnessel längst ausgerottet wäre, wenn die Menschen von ihrem Wert wüssten.". In Kräuterbüchern liest man von ihrer heilsamen Wirkung bei rheumatischen Beschwerden, Gicht, schwachem Immunsystem und sogar schlechtem Gedächtnis. Aber auf jeden Fall lehrt uns die Pflanze Achtsamkeit und Respekt.

Text erschienen in Epoch Times Deutschland Nr. 21/08

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