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UMSTRITTENES STAUDAMMPROJEKT

Megabauwerk in Brasilien

Brasilien plant drittgrößten Staudamm der Welt – Naturschützer und Indianer protestieren

Alan Clendenning
AP
12.06.2008

Eine Frau wäscht Geschirr am Ufer entlang des Xingu Flusses nahe Altamira in Brasilien. Mit dem geplanten Bau des Belo-Monte-Staudamms sind gravierende ökologische und soziale Konsequenzen verbunden. (Andre Penner/AP)

Amazonas/Brasilien – Kanus gleiten still über den Xingu-Fluss, Bauern bestellen am Ufer ihre Maniok-Felder, und hinter einer kleinen Siedlung erstreckt sich kilometerweit nichts als unberührter Dschungel. Diese Idylle soll sich nach dem Willen der brasilianischen Regierung schon bald grundlegend verändern: Die florierende Wirtschaft macht den Bau eines gigantischen Staudamms möglich, der rund 6,3 Prozent des Strombedarfs Brasiliens decken soll. Hunderte Amazonas-Indianer fürchten um ihre Lebensgrundlage und ihre Heimat.

Schon seit der ersten Planung vor Jahrzehnten wurde der Belo-Monte-Staudamm scharf kritisiert. 1989 sorgten weltweite Proteste – unterstützt von Popstar Sting – dafür, dass das Vorhaben zunächst auf Eis gelegt wurde. Nun scheint es, als solle das Megaprojekt tatsächlich realisiert werden. Die umgerechnet rund vier Milliarden Euro teure Anlage soll ab 2014 vor allem die Industriegebiete im Südosten und die Küstenregionen im Nordosten Brasiliens mit Strom versorgen.

„In Sachen Energie und Wirtschaft ist diese Anlage extrem wichtig“, sagt Marcio Zimmerman vom Energieministerium. Der See wird voraussichtlich ein 45.000 Hektar großes Gebiet fluten und nach dem Drei-Schluchten-Damm in China und dem Itaipu an der Grenze zwischen Brasilien und Paraguay das weltweit drittgrößte Stauprojekt sein.

Die Indianer organisierten zuletzt im Mai einen fünftägigen Protest gegen das geplante Megabauwerk. 16.000 Menschen würden vertrieben, warnte einer ihrer Häuptlinge. Ein Ingenieur wurde mit Macheten-Hieben verletzt, als er einen Vortrag darüber hielt, warum Brasilien das Staudamm-Projekt brauche.

Schwerlastverkehr durch den Dschungel

Dabei ist der Belo Monte nur eines von vielen geplanten Projekten. Allein in den kommenden zwei Jahren will Brasilien umgerechnet rund 200 Milliarden Euro für Wasserkraftwerke, Überlandstraßen und andere Infrastrukturmaßnahmen ausgeben. Unter anderem ist geplant, eine bisher unbefestigte Straße, die quer durch den brasilianischen Regenwald führt, zu asphaltieren, um den Schwerlastverkehr Richtung Peru und somit auch zum Pazifik hin zu erleichtern. Solche Großinvestitionen sollen zu einem noch stärkeren Wirtschaftswachstum führen, Arbeitsplätze schaffen und Brasilien zu einer Wirtschaftsmacht von Weltrang werden lassen.

Nicht nur angesichts der Diskussion über die Zerstörung des Regenwaldes stößt Brasiliens Hang zu baulichen Großprojekten jedoch auf scharfe Kritik. Es scheint fraglich, ob tausende Kilometer Stromkabel durch bisher unberührten Dschungel verlegt und ganze Landstriche für den Bau hydroelektrischer Kraftwerke geflutet werden müssen.

Edivaldo Juruna, ein Bauer und Fischer, der in einem baufälligen Holzhaus auf einer Sandbank des Xingu lebt, hat vor allem Angst vor der Überflutung seiner Heimat: „Jeder redet davon, dass Arbeitsplätze geschaffen werden und dass Strom erzeugt wird. Aber niemand redet über die negativen Auswirkungen.“

Kritiker: Fluss verkümmert zu stehenden Lachen

Es ist unbestritten, dass mit dem Belo-Monte-Staudamm gravierende ökologische und soziale Konsequenzen verbunden sind. Regenwald und die Häuser von rund 15.000 Menschen werden überflutet. Auf 140 Kilometern Länge wird der Xingu nach Angaben von Kritikern zu stehenden Lachen verkümmern, Fische werden verschwinden und die Tümpel zu Brutstätten für Mücken werden, die Krankheiten wie Malaria verbreiten.

In der Gegend um Altamira leben mehrere tausend Indios in einfachen Pfahlbauten. Ein Frisch- oder Abwassersystem gibt es hier nicht. Die wenigen geteerten Straßen gehen schon wenige Kilometer nach der Stadtgrenze in schmutzige Feldwege über. „Wenn sie den Damm bauen, dann werden wir noch mehr leiden als bisher“, sagt Diane Fereira Barbosa, eine zweifache Mutter aus Altamira. Und obwohl die Regierung verspricht, nachteilige Auswirkungen so gering wie möglich halten zu wollen, werden die Proteste in den von der Überflutung bedrohten Gebieten immer lauter.

Der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva ist dennoch der festen Überzeugung, dass die positiven Aspekte eines Staudammbaus überwiegen. Megaprojekte wie der Belo-Monte-Staudamm seien notwendig, um die Zukunft Brasiliens zu sichern, sagt der Staatschef. Und: „Wir sollten das Amazonasgebiet nicht als reines Heiligtum betrachten.“ (AP)

 

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