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LOREENA MCKENNITT IM INTERVIEW

Eine musikalische Reise

Steffen Munter
Epoch Times Deutschland
19.06.2008

Loreena McKennitt ... (Quinlan Road/Canada)
... spielt neben Harfe und Klavier ... (Quinlan Road/Canada)
... auch noch Akkordeon. (Quinlan Road/Canada)
Die kanadische Sängerin und Komponistin Loreena McKennitt ist ihre eigene Managerin, Produzentin und Leiterin ihrer eigenen international erfolgreichen Plattenfirma Quinlan Road. Zu ihren weltweit fast 13 Millionen verkauften Platten kommen mehrfache Gold- und Platin-Auszeichnungen. Ihr Song „The Mummers’ Dance“ war 1998 in den USA ein großer Radio-Hit. Sie erhielt zahlreiche Ehrungen, u.a. den Juno-Award in der Kategorie „Best Roots/Traditional Album“. Ihren künstlerischen und finanziellen Erfolg setzt sie in mehreren, teils von ihr selbst gegründeten gemeinnützigen Projekten ein. (Quinlan Road/Canada)
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Wer Musik erleben will, muss sich Zeit dafür nehmen, aussteigen aus der Hektik des Alltags. Auch heute noch gibt es hier und da Musiker, die ihren Beruf als Berufung erkennen, den Menschen von Zeiten und Geschichten zu erzählen, so wie Loreena McKennitt, hier im Interview mit Epoch Times Deutschland:

ETD: Vor langer Zeit hast Du Deine Platten vom Küchentisch aus verkauft, hast auf der Straße vorgespielt und hast dein erstes Album „Elemental" verkauft. Die Zeiten sind vorbei. Kannst Du Dich noch an diese Zeit und an die Scheune inmitten des Sonnenblumenfeldes erinnern?

Mc Kennitt: Oh, ja, und wie gut ich mich daran erinnern kann! Dieses Studio, in dem wir „Elemental" aufgenommen haben, ist nicht weit von dort, wo ich wohne. Oder meinst du, ob ich mich an die Zeit erinnern kann, in der alles noch so einfach gewesen ist? Ja ... aber weißt du, das Leben geht weiter. Manchmal bläht es sich auf, manchmal schrumpft es zusammen, das Leben ist wie ein lebender, dynamischer Organismus.

Ich mag es, eine Varietät an Dingen mit einfließen zu lassen. Bei Auftritten beispielsweise ist es angenehm, eher komplexe Songs zu spielen mit den anderen Musikern. Aber es ist auf der anderen Seite auch ziemlich nett, etwas einfachere Lieder singen zu können...

ETD:
Auf Deinem dritten Album „Parallel Dreams" gibt es ein instrumentelles Stück, „Huron ‚Beltane‘ Fire Dance". Dieses Lied ist auch eine Zugabe auf dem Album „The Nights from the Alhambra". Welche Idee steckt dahinter, die einheimische amerikanische Kultur mit der keltischen Kultur zu verbinden?

Mc Kennitt: Es war so um 1998, als ich über verschiedene Zeremonien mit Bezug zum Feuer in verschiedenen Kulturen nachgedacht habe. Ich lebe in Süd-Ontario, in der Nähe vom Huronsee. Wir haben auch eine Vielzahl von Eingeborenen, die in der Nähe wohnen. Ich habe es immer gemocht, verschiedene Kulturen und Traditionen zu studieren, was für Ähnlichkeiten sie haben, und worin die charakteristischen Unterschiede zwischen ihren Zeremonien liegen. In dieser besonderen Situation war ich also gerade dabei, über die Kelten und die Huronen nachzudenken - es ist zwar nicht akademisch, weißt Du, es ist eine Art von Reisen, Schreiben von Thrillern ...

ETD: Und was weißt Du über die Kultur der Indianer?

Mc Kennitt: Nun ja, ich weiß etwas darüber. Sie ist sehr, sehr reichhaltig, und ich bin der Meinung, dass die meisten Leute nicht annähernd genug über sie wissen. Wenn man über die Eingeborenen spricht, dann gibt es sehr viele Stämme und Nationen, und sie alle haben ihre eigenen Rituale. Jedoch, der Ethos, der allen gemeinsam zu Grunde liegt - nach meinem Verständnis ist es sehr umfangreich, aber es hat immer mit der natürlichen Welt zu tun - ist etwas, das ich zutiefst respektiere und aufrichtig schätze.

ETD: War es ähnlich wie bei den Sonnenblumenfeldern in
Süd-Ontario?

Mc Kennitt: Ich denke, dass es als das gesehen werden kann. Ich habe auf jeden Fall weiter auf einem Bauernhof in Süd-Ontario gelebt und habe weiterhin ein ländliches Leben geführt. Ich hatte immer meinen eigenen Garten, und so kam es, dass ein Teil meiner Persönlichkeit immer eng mit dem Ländlichen verbunden war. Also sage ich, dass ich, obwohl ich mich ziemlich in meine Karriere vertieft habe, mich immer noch empfinde als... - du weißt, Süd-Ontario ist mein Zuhause, und ich schätze die einfacheren Dinge, die sichere Sachen sind, mit den Begriffen der natürlichen Welt gesprochen.

ETD: Dein letztes Projekt nach dem Album „An Ancient Muse" war die DVD-Sammlung „Nights from the Alhambra". Worin besteht das Wesentliche von diesem Live-Konzert?

Mc Kennitt: Als ich für „The Mask & The Mirror" recherchiert habe, hat es mich nach Spanien geführt, und ein Ergebnis meiner Nachforschungen war, dass es Kelten in der nördlichen Ecke Spaniens gegeben hat, in Galizien. Zu dieser Zeit wusste ich noch sehr wenig über die spanische Geschichte, genauso wie über die Geschichte der Kelten.

Als ich in Spanien ankam, war ich etwas verwirrt angesichts der Szenen und Ideen, die alle nichts oder zuviel mit der keltischen Geschichte gemein hatten. Aber das hat mich nicht gekümmert. Ich bin an meine Musik immer als an eine freie Form von Reise-Schreiben herangegangen, und wenn man sich auf ein Thema stürzt und es einen an Orte führt, man sich mit diesen identifiziert, dann kann es sein, dass es einen plötzlich an solche Orte führt, die man vorher nie hätte ahnen können. Und als ich mich auf spanische Gesichte konzentriert habe, war dies natürlich unmöglich, ohne dass mein Weg die Alhambra kreuzen würde. Und ich habe sofort gefühlt, das da etwas in der Alhambra ist, das von weit her kommt. Vielleicht sind es Dinge, von denen man vieles lernen könnte. Wie es auch sei, haben wir uns angesichts eines solch außergewöhnlichen historischen Schauplatzes entschieden, dass es eine gute Idee wäre, hier ein Konzert aufzuführen. Wir hielten auch Ausschau nach verschiedenen anderen historischen Sehenswürdigkeiten. Ich wollte aber an solch einem Ort auftreten, der Verbindung zu meinen Nachforschungen gehabt hat. Also war es die Alhambra, auf die wir uns geeinigt haben.

Aber ich liebe es zu reisen, und ich liebe Abenteuer viel mehr als klassischen Urlaub. Also, weißt Du, wenn ich über meine Nachforschungen für „Parallel Dreams" (Parallele Träume) nachdenke, ich bin sogar in die Mongolei und nach China gereist.
Daher denke ich, dass es Dinge gibt, die man über sich selbst entdeckt, wenn man gelegentlich alleine reist und gelegentlich auch an sehr fremde Orte. Es ist freilich kaum stets konstant oder auch nur vorhersehbar, aber ich würde sagen, dass es immer eine Herausforderung darstellt, solange man gesund denkt.

ETD: Nach Deiner Tour „The Book of Secrets" bist Du in China gelandet - ein Fahrrad fahrend... Das ist doch eine weite Strecke!

Mc Kennitt: Das war auch eine sehr lange Strecke! Mit so viel Arbeit, die ich da hineingesteckt habe... Zu dieser Zeit habe ich gerade angefangen, die Einflüsse der Kelten im Osten zu erkunden.

ETD: China ist das Zuhause einer 5.000 Jahre alten Kultur, aber in unserer Zeit, unter einem kommunistischen Regime, sehen wir Taten wie die Invasion in Tibet, die „Kulturrevolution", das Tiananmen-Massaker, die Falun Gong-Verfolgung. Olympia 2008 in Peking lässt sich mit dem von Hitler 1936 in Berlin vergleichen. Was denkst du über das moderne China und den Geist der Olympischen Spiele?

Mc Kennitt:
Weißt du, manchmal, nur weil man so berühmt ist, heißt das noch lange nicht, dass man seinen nächsten Geburtstag noch erleben wird ... [lacht]. Ich habe großes Interesse an der chinesischen Geschichte und wie sie mit den Kelten im Zusammenhang steht. Es ist mir sehr angenehm, über dieses Thema zu sprechen... Ich meine, dass es trotz allem sicher ist, zu sagen, dass die Welt ein sehr komplexer Ort ist, und dass wir alle versuchen, unseren eigenen Weg durch die sehr speziellen Herausforderungen unserer Zeit zu schlagen. Menschenrechte sind selbstverständlich eine dieser Angelegenheiten. Aber ich würde sagen, es ist immer auch mit einer Gefahr verbunden, was man schreibt vor der Öffentlichkeit richtig und einfach zu positionieren. Ich denke, dass Situationen äußerlich komplex sind, manchmal mehr, als wir uns vorstellen können. Aber es ist auch oft das Resultat einer langen Geschichte, aus der wir hervorgegangen sind.

ETD: Auf der Webseite von „The Book of Secrets" habe ich ein Zitat des alten chinesischen Daoisten Laotse gefunden, das Du in „Nights from the Alhambra" verwendet hast: „Ein guter Reisender hat keine festgelegten Pläne, und hat auch nicht das Bestreben, irgendwann ankommen zu wollen."

Mc Kennitt: Nun, ich denke, dass die externen Reisen immer auch zugleich innere Reisen sind. Man denkt darüber nach, wer man eigentlich ist, woher man kommt... Also denke ich, dass die innere Reise bei mir parallel zu meinen gleichzeitigen äußeren Reisen verläuft. Ich denke nicht, das sich die beiden gegenseitig ausschließen würden.

ETD: Bist Du damit zufrieden, wenn die Leute Deine Musik als World Music bezeichnen?

Mc Kennitt: Ich denke, dass es den Leuten nicht wirklich viel ausmacht, unter welchem Namen meine Musik auftaucht. Ihnen geht es in erster Linie darum, ob sie etwas finden können, das ihnen gefällt. Meiner Meinung nach ist die Kategorisierung der Musik etwas, das von kommerziellen Firmen initiiert wurde, um den Verkauf von ihren Produkten in der Verkaufsumgebung zu vereinfachen, sei es eine virtuelle oder eine gewohnte Verkaufsumgebung ... So wird alle Musik schließlich kategorisiert. Wenn ich das jetzt gesagt habe, denke ich, dass meine Musik eine große Breite von Instrumenten umfasst. Ich denke, dass es als eine Interpretation von World Music gesehen werden kann.

Für einige bedeutet World Music eine reinere und originellere Form von Musik, und für andere wiederum bedeutet es eine Art von Fusion. Ich denke, dass meine Musik eher dem Letzteren entspricht. Ich denke auch, dass sie in eine neue Epoche der Musik passt, in eine mit mehr Ambiente.

Tourdaten:

28.06. Hamburg (Stadpark), 01.07. Berlin (Zitadelle), 02.07. Hannover (Gilde Parkbühne), 04.07.Wiesbaden (Konzertplatz im Kurpark), 05.07. Köln (Tanzbrunnen), 06.07.Erfurt (Stausee Hohenfelden), 08.07. Dresden (Elbufer), 09.07. München (Tollwood Festival), 10.07. Stuttgart (Freilichtbühne Killesberg)

Erschienen in The Epoch Times Deutschland Nr. 25/08


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