Frankfurt – Arbeitslose gehen trotz großen Bedarfs meist nicht zu einer psychologischen Beratung. Bereits die Sorge um den Verlust des Arbeitsplatzes mache viele Menschen psychisch krank, doch eine Betreuung nähmen die wenigsten in Anspruch, heißt es in einer in der Fachzeitschrift „Das Gesundheitswesen“ veröffentlichten Umfrage der Technischen Universität Dresden.
Der wesentliche Grund liege in der Angst, als krank abgestempelt zu werden oder Nachteile bei der Jobsuche zu haben, sagt der Dresdner Medizinsoziologe Hendrik Berth. Die Angst vor dem doppelten Stigma „arbeitslos und psychisch krank“ erkläre, warum die von den Arbeitsagenturen und Krankenkassen angebotenen Betreuungen sehr selten angenommen würden.
Bei der Umfrage unter knapp 400 jungen Erwachsenen aus Sachsen meldeten Arbeitslose sieben Mal häufiger das Bedürfnis nach psychologischem Beistand an als Menschen mit einem Beschäftigungsverhältnis. Auch Menschen, die ihren Arbeitsplatz als unsicher einstuften, äußerten fünf Mal häufiger den Wunsch nach psychologischer Hilfe. Nach Berechnung des Wissenschaftlers sind bis zu drei Viertel der Arbeitslosen und von Arbeitslosigkeit bedrohten Menschen psychisch belastet und betreuungsbedürftig.
Die Experten empfehlen, entsprechende Gesundheitsförderprogramme durch unabhängige Fort- und Weiterbildungsinstitute anzubieten. Ihnen müsste es gelingen, vor allem Langzeitarbeitslose zu erreichen, die sich zunehmend aus dem sozialen Leben zurückzögen. (AP)
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