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KINDERARBEIT

Tausende von Kindern schuften in afrikanischen Goldminen

Schweiz als Drehscheibe für Gold aus Kinderarbeit

Rukmini Callimachi und Bradley Klapper
AP
11.08.2008

Ein 7-jähriges Mädchen verkauft Gold für 5.000 Guinesische Francs (ca. 1 Dollar) an einen Käufer in der Nähe der Fatoya Mine in Guinea, Westafrika. (AP Photo/Rukmini Callimachi)

Tenkoto/Genf – Tausende von Kindern arbeiten in west- und zentralafrikanischen Goldminen und ruinieren dabei ihre Gesundheit. Manche von ihnen sind erst vier Jahre alt. Auf verschlungenen Wegen gelangt ein grosser Teil des Goldes in die Schweiz, wo es mit Gold aus legitimen Quellen gemischt und zu Luxusgütern verarbeitet wird.

Das Gold liegt unter den ausgedehnten trockenen Wiesen einiger der ärmsten Länder der Welt verborgen. Bei grossen Vorkommen wird das Edelmetall in industriellen Minen gewonnen, sonst wird die Erde von Armen gesiebt. Es gibt Tausende von Buschminen in Afrika, Südamerika und Asien. Gemäss UN-Berichten stellen sie einen Fünftel des gesamten Goldes der Welt her.

Unter den Not leidenden Arbeitern befinden sich Tausende von Kindern. Eines dieser Kinder ist der zwölfjährige Saliou Diallo, der gemeinsam mit zwei Freunden im senegalesischen Bergbaudorf Tenkoto arbeitet. Sie durchsuchen die bereits nach Goldklumpen gesiebten Säcke mit Erde nach übrig gebliebenen Krümeln und riskieren bei der Arbeit mit Quecksilber schwere Gesundheitsschädigungen. Während den Kindern zwei Dollar pro Tag versprochen wurde, bieten die Goldhändler ungefähr 19 Dollar pro Gramm Gold. Das Edelmetall verkauft der Chef von Saliou einem Händler namens Yacouba Doumbia. Doumbia sagt, dass er mehr als einen Monat benötigt, um knapp ein Kilogramm Gold zu sammeln. Von Tenkoto gelangt das Gold in Malis Hauptstadt Bamako.

Aus Hunderten von Buschminen wird das Gold ins Stadtzentrum gebracht, wo es in Form gegossen wird. Der Preis für Gold aus Tenkoto beträgt 22,40 Dollar je Gramm. In Mali und Senegal gibt es Hunderte von umherziehenden Goldkäufern und fünf grosse Händler. Aber es gibt nur einen Mann, der das Geld und die Verbindungen hat, um das Buschgold nach Europa zu exportieren: Abou Ba. Im Gespräch gibt Ba an, dass all sein gekauftes Gold aus Buschminen stammt. „Wir leben nicht im Busch, also haben wir mit Kinderarbeit nichts zu tun“, reagierte der 50-Jährige gereizt auf die Frage nach Kinderarbeit.

Beinahe alles gekaufte Gold exportiere er in die Schweiz, erklärte Ba. Später legt einer seiner Schweizer Kunden eine schriftliche Aussage von Ba vor, wonach er 90 Prozent seines Goldes in andere westafrikanische Länder verkaufe. Ba hält dagegen an seinen Angaben fest. Seit mindestens 2003 brächten er und seine Kollegen Buschgold nach Genf. Gemäss Angaben Malis transportiert Ba dabei jeweils drei bis vier Kilos. „Ich kann Ihnen versichern, dass die Menge, die er deklariert, nur einen Bruchteil seiner Ausfuhren ausmacht“, sagte Bassirou Keita vom zuständigen malischen Departement.

Gemäss den Aufzeichnungen des malischen Zolls hat Ba zwischen 2003 und 2008 über 800 Kilogramm Gold im Wert von ungefähr 22 Millionen Dollar in die Schweiz gebracht. Die Aufzeichnungen des Schweizer Zolls sind vertraulich, aber die Zollaufzeichnungen in Mali zeigen, dass seit 2003 96 Prozent des von Ba exportierten Goldes von zwei Genfer Firmen gekauft worden war. Die Decafin SA hat beinahe einen Fünftel davon gekauft, der Rest wurde vom Monetary Institut des ehemaligen Decafin-Geschäftsführers Judah Leon Morali gekauft. „Ich bin nur ein kleiner Fisch“, sagte Morali. Er gab an, das Büro von Ba in Bamako besucht zu haben. Er habe nie ein Kind arbeiten gesehen, sagte Morali, gab aber zu, nie in den Minen gewesen zu sein.

Der Chef von Decafin, Marc Arazi, stritt zunächst Geschäfte mit Ba ab. Später bestätigte ein Rechtsanwalt der Firma, Marc Oederlin, die Geschäftsbeziehung. Gemäss Oederlin ist Decafin zwar besorgt über Kinderarbeit, gesetzlich sei man aber nicht verpflichtet, den Abbau des Goldes zu untersuchen. Decafin vertraue Ba und sei sich sicher, dass dessen Gold nicht das Produkt von Kinderarbeit sei, fügte der Rechtsanwalt an. Früher in diesem Jahr hatte Decafin der AP auf gerichtlichem Wege erfolglos zu verbieten versucht, den Namen des Unternehmens zu erwähnen.

Gemäss den beiden Importeuren wird das Gold in Schweizer Schmelzereien verarbeitet. Das Gold von Decafin wird zu einer der weltgrössten Schmelzereien gebracht, der Valcambi SA, wie Olivia Berger, eine der Anwältinnen des Importeurs sagte. Danach werde es durch die Grossbank UBS verkauft. Sein Unternehmen wolle das mit Kinderarbeit gewonnene Gold weder unterstützen noch akzeptieren, sagte Valcambi-Chef Michael Mesaric. UBS-Sprecherin Rebeca Garcia wollte sich mit Hinweis auf das Bankgeheimnis nicht zu Decafin äussern. In seiner Klage gegen die AP macht der Importeur aber geltend, dass die Grossbank in Folge der Nachforschungen sein Edelmetall-Konto geschlossen habe.

Nicht bekannt ist die Schmelzerei von Monetary. Er habe sein Gold früher an Metalor Technologies gesandt, aber 2007 das Unternehmen gewechselt, sagte der Morali. Den Namen der neuen Schmelzerei wollte er nicht nennen.

„Wollen Sie den Weg des Goldes verstehen?“, frage Morali. „Es kommt aus Afrika und gelangt zu den Schweizer Banken. Das ist alles, was Sie zu wissen brauchen.“ Metalor verneint, jemals Geschäfte mit Monetary gemacht zu haben. Das Unternehmen habe aber 1999 und 2000 direkt von Ba importiert, sagte Nawal Ait-Hocine, Chefin der Metalor-Rechtsabteilung. (AP)

 

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