Brüssel – Harte Einschränkungen für die deutschen Ostsee-Fischer: Die EU hat die Fangquoten für Hering und Dorsch deutlich gesenkt. Die Fischerei-Minister der 27 Mitgliedstaaten beschlossen am Montagabend in Luxemburg, die Fangquoten für Hering in der westlichen Ostsee um 39 Prozent zu kürzen, für Dorsch um 15 Prozent. Der Umweltschutzverband WWF nannte die Kürzung unzureichend: Sie sei zwar eine „verdammt bittere Pille für die Fischer“, aber „ein schwacher Rettungsanker für den Hering“, erklärte WWF-Expertin Karoline Schacht.
Für den östlichen Teil des Meeres wurde die Fangquote für Hering nur um sechs Prozent gesenkt, für Dorsch wurde sie sogar um 15 Prozent angehoben. Vor der polnischen Küste hätten sich die Dorsch-Bestände deutlich erholt, erklärte die französische EU-Ratspräsidentschaft.
Die EU-Kommission hatte für Hering sogar eine Kürzung der Fangquoten um 63 Prozent gefordert, stieß damit aber bei der Bundesregierung auf Widerstand. Nach Erkenntnissen des Internationalen Rats für Meeresforschung und anderer Wissenschaftler haben die Heringe seit Jahren Nachwuchsprobleme. Offenbar sterben zahlreiche Fischlarven nach nur wenigen Tagen ab, die Gründe dafür sind bislang unklar. Vermutet wird unter anderem, dass die Jungtiere die Erwärmung der Meere nicht vertragen.
„Kostspieliger Bumerang“
Der WWF kritisierte, die Missachtung der wissenschaftlichen Empfehlungen bedrohe die Stabilität der Heringsbestände und könnte damit langfristig auch das Aus für die Heringsfischer bedeuten. „Europas Fischereiminister riskieren die Zukunft des Herings und damit die Zukunft vieler Fischer“, erklärte WWF-Expertin Schacht. Die Entscheidung könnte sich deshalb „als kostspieliger Bumerang“ erweisen. (AP)



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