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HAARSTRÄUBENDER MISSBRAUCH - MOTIV UNBEKANNT

Schockierende Folgen von "Sparhysterie" in Pflegeheimen

Konsequenzen gefordert – Zunehmender Ersatz von Fach- durch Hilfspersonal aus Spargründen scharf kritisiert - Ende der "Sparhysterie" gefordert

AP
25.02.2009

Zürich – Pflege- und Heimfachverbände haben am Mittwoch schockiert auf Nacktvideos und Misshandlungen von Demenzkranken im Zürcher Pflegeheim Entlisberg reagiert. Ein so abscheulicher Vorgang sei weder nachvollziehbar noch entschuldbar und ein Alarmzeichen: Denn wegen der Sparhysterie fehle zunehmend qualifiziertes Personal.

Die Hintergründe müssten sorgfältig untersucht und die fehlbaren Pflegenden zur Verantwortung gezogen werden, forderte der Schweizer Berufsverband der Pflegefachfrauen und -männer (SBK). Der mit 26.000 Mitgliedern grösste Berufsverband im Gesundheitswesen sieht im Fall Entlisberg aber auch ein Alarmzeichen, zeige er doch die ungesunde Entwicklung im Versorgungssystem auf: So werde insbesondere im Langzeitbereich aus Spargründen immer weniger qualifiziertes Pflegefachpersonal eingesetzt und durch Hilfspersonal ersetzt. Ungenügend ausgebildete Pflegende seien jedoch bei den immer komplexeren Pflegesituationen von hochbetagten, gebrechlichen und mental eingeschränkten Heimbewohnerinnen und -bewohnern schnell überfordert. Damit steige die Gefahr von Fehlhandlungen. Gemäss verschiedener Studien seien Komplikations- und Sterberaten umso tiefer, je höher der Anteil des diplomierten und qualifizierten Personals in Pflegeteams sei. Der SBK fordert deshalb die politischen Verantwortungsträger auf, der „Sparhysterie“ bei der Pflegefinanzierung ein Ende zu setzen.

Die Schweizerische Alzheimervereinigung erinnert, dass in der Schweiz zurzeit 102.000 Menschen mit Demenz lebten, ungefähr 40 Prozent davon in Altersheimen. Für diese müsse eine optimale Lebensqualität gewährleistet sein. Für das Pflegepersonal sei deshalb eine demenzspezifische Ausbildung zentral.

Der Verband Heime und Institutionen Schweiz, CURAVIA, der landesweit rund 1.500 Alters- und Pflegeheime mit rund 100.000 Mitarbeitenden vertritt, reagierte empört und betroffen. Das Pflegeheim Entlisberg sei zwar nicht CURAVIVA-Mitglied, die dortigen Vorfälle schadeten aber der ganzen Branche und müssten sofort und kompromisslos geahndet werden. Auch wenn bei Entlisberg von einem „unentschuldbaren Einzelfall“ auszugehen sei, werde CURAVIVA die Themen Gewalt und Missbrauch in seinen Aus- und Weiterbildungsprogramm künftig noch intensiver thematisieren.

Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat, wie berichtet, ein Strafverfahren gegen fünf Mitarbeitende des Pflegeheims eröffnet und mehrere von ihnen am gestrigen Dienstagmorgen vorübergehend festgenommen und bei Hausdurchsuchungen verbotene Videoaufnahmen sichergestellt. Es geht im weiteren um Diebstahl, Körperverletzung und Tätlichkeiten. Bezüglich der verbotenen Aufnahmen – gab es laut Staatsanwaltschaft teilweise Geständnisse. (AP)

 

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