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HOCH VERSCHULDETE EU-MITGLIEDSLÄNDER

Staatsbankrott in EU-Ländern befürchtet

AP
01.03.2009

Brüssel – Im Zuge der Finanzkrise wächst in Europa die Sorge, dass ganze Staaten zahlungsunfähig werden könnten. Experten nennen dabei neben Island auch Spanien, Griechenland, Italien und Irland sowie die baltischen Staaten, Rumänien und Bulgarien.

Einige dieser Länder sind schon seit Jahren hochverschuldet: Die Gesamtverschuldung Italiens etwa beträgt über 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Italien hat also mehr Schulden, als seine jährliche Wirtschaftsleistung beträgt. Andere gerieten wegen der Finanzmarktkrise so heftig ins Schleudern, dass sie jetzt zu einer hohen Schuldenaufnahme gezwungen sind: Für Irland wird dieses Jahr mit einem Haushaltsdefizit von mehr als zehn Prozent des BIP gerechnet.

Da in der aktuellen Krise alle Marktteilnehmer den Ausfall weiterer Kredite fürchten, werden Staaten mit hohen Schulden mit großem Misstrauen betrachtet. Auch Länder wie Bulgarien, in denen die Korruption grassiert, gelten plötzlich als riskant. Die Ratingagenturen haben deshalb die Kreditwürdigkeit mehrerer Länder herabgestuft. Die Folge: Die betroffenen Staaten müssen für die Aufnahme neuer Schulden deutlich höhere Zinsen zahlen als finanziell gesunde Länder, das wiederum erhöht das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit.

Auch mit Hilfe der zehnjährigen Credit Default Swap Prämie (CDS), einer jährlich zu zahlenden Versicherungsprämie gegen das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit, lässt sich das Pleite-Risiko von einzelnen Staaten innerhalb der nächsten zehn Jahre ausdrücken. In Europa liegen dabei Lettland, Island und Litauen an der Spitze, bei denen die Wahrscheinlichkeit eines Staatsbankrotts zuletzt jeweils über 80 Prozent lag.

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger betont allerdings, diese Indikatoren spiegelten vor allem eine „Überreaktion der Märkte“ wieder. Staatsbankrotte zumindest innerhalb der Währungsunion hält er für ausgeschlossen. „Solange die Europäische Zentralbank (EZB) bereit ist, Anleihen dieser Länder als Sicherheit zu akzeptieren, kann ein solches Land nicht insolvent werden“, sagte Bofinger der AP. Mit Blick auf die übrigen EU-Staaten forderte der Volkswirtschaftler eine Devisenmarktintervention der EZB, um einen weiteren Verfall osteuropäischer Währungen gegenüber dem Euro zu verhindern. (AP)

 

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