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PATENTABLAUF DER MEDIKAMENTE

Fusionskarussell in der Pharmaindustrie dreht sich immer schneller

Erich Reimann
AP
09.03.2009

Schering-Plough Corp., Headquarters in Kenilworth, N.J. (AP Photo/Mel Evans, file)

Düsseldorf – Die weltweite Konjunkturkrise scheint die Pharmaindustrie bisher kalt zu lassen. Noch immer prägen Rekordgewinne und Megadeals das Bild der Branche. Doch der erste Eindruck täuscht – auch in der Gesundheitsbranche mehren sich die Krisensignale. Nicht zuletzt deshalb dreht sich das Übernahmekarussell zurzeit immer schneller.

Die meisten Unternehmen vom amerikanischen Marktführer Pfizer, über den Schweizer Pharmariesen Novartis bis zum deutschen Gesundheitskonzern Fresenius melden nach wie vor üppige Gewinne, teilweise sogar Redkordzahlen. Und die gut gefüllten Kassen erlauben den Unternehmen nach wie vor spektakuläre Einkaufstouren.

So kündigte Pfizer im Januar die 68 Milliarden Dollar (54 Milliarden Euro) teuere Übernahme des Konkurrenten Wyeth an. Der Baseler Pharmakonzern Roche will sich die vollständige Übernahme der US-Biotechnologietochter Genentech mehr als 45 Milliarden Dollar (35,7 Milliarden Euro) kosten lassen. Und jetzt will der US-Pharmakonzern Merck & Co den Konkurrenten Schering-Plough übernehmen, zum Kaufpreis von rund 41 Milliarden Dollar (32,6 Milliarden Euro).

Patentablauf bedroht üppige Gewinne

Doch das Übernahmekarussell wird nicht nur von der Finanzkraft der Branche angetrieben, sondern auch von der Angst vor einem drohenden Niedergang. Vielen Pharmariesen droht in den nächsten Jahren ein deutlicher Gewinneinbruch. Bis 2012 werden nach einer Schätzung der Marktforschungsgruppe IMS Health Originalmedikamente mit einem Umsatzvolumen von 139 Milliarden Dollar ihren Patentschutz verlieren. Danach können Konkurrenten mit billigeren Nachahmerprodukten, sogenannten Generika, erfahrungsgemäß einen großen Teil des Geschäfts übernehmen.

Schlimmer noch ist: neue Medikamente mit ähnlichen Absatzchancen zu entwickeln, fällt den Unternehmen immer schwerer. Trotz steigender Forschungsausgaben sinkt die Zahl der erfolgreichen Neuentwicklungen seit Jahren.

Weltmarktführer Pfizer etwa droht ab 2011, wenn der Patentschutz des weltweit meistverkauften Medikaments, des Cholesterinsenkers Lipitor, ausläuft, ein Umsatzeinbruch von fast 25 Prozent. Mit der Übernahme des Konkurrenten Wyeth will der Konzern deshalb seine Abhängigkeit von einigen wenigen Blockbuster-Präparaten verringern und zugleich auf dem Impfstoffmarkt verstärkt Fuß fassen.

Elefantenhochzeit macht Merck weltweit zur Nummer zwei

Auch Merck & Co muss in absehbarer Zeit den Patentablauf zweier Erfolgsmedikamente, des Blutdrucksenkers Cozaar und des Asthma-Medikaments Singulair, verkraften. Die Übernahme von Schering-Plough soll dies erleichtern. Durch den Zusammenschluss entsteht der weltweit zweitgrößte Anbieter von verschreibungspflichtigen Medikamenten. Die Konzerne ergänzten sich hervorragend, lobte Merck-Chef Richard Clark im Gespräch mit AP. Mercks Forschungspipeline werde deutlich vergrößert. Die Zahl der Medikamente in der letzten Entwicklungsphase verdoppele sich auf 18.

Doch nicht alle Pharmakonzerne sehen in Elefantenhochzeiten die Antwort auf die Branchenprobleme. Andere – wie Sanofi, Novartis oder Bayer – setzen auf Diversifizierung. Sie bauen nicht mehr allein auf das ertragsstarke, aber riskante Geschäft mit neuentwickelten Medikamenten, sondern mindern ihre Abhängigkeit von Forschungserfolgen durch den Ausbau des Geschäfts mit rezeptfreien Arzneimitteln oder Generika.

Mit Aspirin

Novartis erwarb schon vor einiger Zeit den deutschen Generikahersteller Hexal und erweiterte sein Geschäftsfeld mit der Übernahme des Impfstoffhersteller Chiron. Der französische Pharmakonzern Sanofi-Aventis übernahm den tschechischen Generikahersteller Zentiva.

Der Leverkusener Bayer-Konzern puffert in seiner Gesundheitssparte die Risiken des Pharmageschäfts ab durch das zwar weniger margenstarke, aber verlässliche Geschäft mit verschreibungsfreien Arzneien vom Kopfschmerzmittel Aspirin bis zum Fußpilz-Medikament Canesten.

Bayer steht im Moment ohnehin gut da. Die Forschungspipeline des Konzerns gilt als ungewöhnlich gut gefüllt. Vor allem das neuentwickelte Thrombose-Medikament Xarelto hat nach Überzeugung des Konzerns das Zeug zum Kassenschlager. Mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz jährlich traut Bayer dem Medikament zu. (AP)

 

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