Festungen dienen der Abwehr feindlicher Angriffe. Von ihrer Stärke und Uneinnehmbarkeit hingen oft Wohl und Wehe ganzer Städte und Landstriche ab. So auch von der Festung „Suomenlinna" vor der Hafeneinfahrt der finnischen Hauptstadt Helsinki, die im Verlauf der Geschichte ihre Schutzfunktion voll erfüllte und daher heute wie ein Nationalheiligtum verehrt wird. Nicht aus respektvoller Ferne, sondern - vor allem in den warmen und hellen Sommermonaten - aus allernächster Nähe.
Regelmäßig entlädt die in Helsinki ablegende Personenfähre unzählige Besucher vor dem Eingangstor der weitläufigen Festung. Zielstrebig verteilen sie sich im Inneren der Anlage entsprechend ihren Interessen und Vorlieben, weit entfernt von den bedrohlichen Herausforderungen früherer Zeiten, die viel mit soldatischer Tugend, wenig aber mit Freizeit und Entspannung zu tun hatten. So jedenfalls zeigt es das Festungsmuseum, das auch einen realistischen Eindruck vermittelt von den dunklen und rauen Wintermonaten jener Zeit.
Heute jedoch haben die kalten Felsenkeller der Bastionen ihren Schrecken weitgehend verloren. Nur die rund um die Festung herum verteilten langen Kanonenrohre erwecken noch einen nachhaltigen Schauder, indem sie an ihre eigentliche Aufgabe erinnern. Doch nun zählt die Gegenwart. Und die spielt sich vor allem am Strand ab, zu dem man über rund geschliffene Felsformationen hinab steigt, um sogleich in den kühlenden Fluten der Ostsee zu versinken.
Oder aber, so wie ich an diesem Wochenende, inmitten der malerischen Schärenlandschaft mit Freunden zu plaudern und die sich dem Westen zuneigende Nachmittagssonne zu genießen. Hatte man anderswo das Umschmieden von Schwertern zu Pflugscharen im Sinn, so ist es in „Suomenlinna" die Umfunktionierung der ganzen Festung zur Badeidylle. Welch symbolischer Charakter in der Stadt der „Helsinki-Konferenz", bei der im Jahr 1975 der Welt umspannende Ost-West-Konflikt in einem umfassenden Vertragswerk einen großen Teil seiner Bedrohlichkeit einbüßte.
Nicht alle touristischen Ziele sind in der Erinnerung gleichrangig. Besonders bleiben die Orte in der Erinnerung haften, die auf irgendeine Weise auch die Seele des Reisenden erreicht haben - Orte des Wohlfühlens und des persönlichen Erlebens.
In der Reihe Lieblingsplätze - Orte, an denen die Seele baumelt - stellt unser Autor Bernd Kregel in lockerer Folge solche Orte des positiven Erinnerns vor.
01. Piazza San Marco, Venedig / Italien
02. Kathedralenplatz, Santiago de Compostela / Spanien
03. Montmartre, Paris / Frankreich
04. Münsterkreuzgang, Bonn / Nordrhein-Westfalen
05. Ohlsdorfer Parkfriedhof, Hamburg
06. Suomenlinna, Helsinki / Finnland
07. Askona, Lago Maggiore / Italien
08. Oriental, Bangkok / Thailand
09. Santorin, Ägäis / Griechenland
10. Piazza Navona, Rom / Italien
11. Four Seasons Hotel, Amman /Jordanien
12. Puente la Reina, Navarra / Spanien
13. Dubrovnik, Adria / Kroatien
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