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RATGEBER

Zehn Gebote gegen Jobfrust

Häufig ist der Umgang mit dem „psychologischen Arbeitsvertrag“ das Problem – Tipps für ein besseres Miteinander

Daniel Rademacher
AP
30.12.2009

Frankfurt/Main (APD) Klaus von Bödefeld ist wirklich ein armer Tropf. Dabei klingt die Aufgabe, die ihm sein Chef per E-Mail aufträgt, nicht sonderlich schwierig: Für eine Pressekonferenz zum Firmenjubiläum soll der Mitarbeiter dem Vorgesetzten eine Rede schreiben und die Geschäftsentwicklung in diesem Jahr mit einfließen lassen. Es folgen ellenlange Mail-Wechsel, zahllose Telefonate und ein handfester Krach mit dem Boss, weil der eine den anderen nicht versteht. Wie kommt es, dass man im Berufsleben immer wieder aneinander vorbeiredet und sich damit großen Frust einbrockt?

Diese Frage hat die Sachbuchautoren Volker Kitz und Manuel Tusch beschäftigt. Klaus von Bödefeld ist ihre Schöpfung. Der fiktive Fall steht sinnbildlich für das, was bestimmt viele Mitarbeiter in zahlreichen Betrieben tagtäglich denken: „Wenn nur der liebe Chef nicht wäre...“

Tusch und Kitz, mit ihrem Ratgeber-Bestseller „Frustjobkillerbuch“ bekanntgeworden, legen nun nach und sezieren in ihrem neuen Werk „Ohne Chef ist auch keine Lösung. Wie Sie endlich mit ihm klarkommen“ das delikate Verhältnis zwischen Angestellten und ihren Vorgesetzten. Man sollte den Titel aber nicht allzu wörtlich nehmen. Denn auch die Chefs bekommen bei der Analyse der Jobexperten ihr Fett weg.

Dialog zwischen „Brötchen-Gebern und -Nehmern“ ermöglichen

Auf Krawall sind die beiden aber keineswegs gebürstet, vielmehr wollen sie den „Dialog zwischen beiden Seiten ermöglichen“, wie sie sagen. Dafür nehmen Tusch und Kitz ihre Leser auf einen Trip mit und zeigen den „Brötchen-Gebern“ unter ihnen die Welt der „Brötchen-Nehmer“ und umgekehrt. In „zehn Geboten“ geben Sie beiden Seiten Tipps für ein besseres Miteinander in der Zukunft. Typische Szenen, auf die Spitze getriebene Konflikte und witzige Wortwechsel sollen dies unterstützen.

„Viele Missverständnisse ergeben sich aus dem sogenannten psychologischen Arbeitsvertrag, der zwischen Unternehmen und Arbeitnehmern existiert“, erläutert Manuel Tusch. Tatsächlich ist diese Vereinbarung nirgendwo schriftlich festgehalten. Es geht vielmehr darum, was gerade nicht im Arbeitsvertrag steht – noch nicht einmal im Kleingedruckten: unausgesprochene Hoffnungen, Wünsche und Erwartungen beider Parteien. Denn neben vertraglich festgeschriebenen Rechten und Pflichten zu Gehalt, Arbeitszeit und Urlaub gibt es zwischen „Brötchen-Gebern“ und „Brötchen-Nehmern“ noch viele (gegensätzliche) Interessen, die jeder aus seiner Sicht ohne weiteres für selbstverständlich hält.

Dieser „psychologische Arbeitsvertrag“ erklärt auch, warum sich mancher Arbeitnehmer beispielsweise dazu entschließt, einen Kugelschreiber oder „etwas“ Kopierpapier aus dem Büro mitgehen zu lassen, und dafür dann möglicherweise in große Schwierigkeiten gerät. Manuel Tusch erklärt es so: „Manche Arbeitnehmer nehmen sich einfach das Recht zur Selbstjustiz und handeln nach dem Motto: 'Ich habe mich in der letzten Zeit so reingehängt, da kann ich jetzt auch mal zugreifen. Das steht mir schlicht und einfach zu.'“

Simpler Mechanismus mit frustrierenden Folgen

Genauso denkbar wäre eine Situation, in der der Vorgesetzte den „psychologischen Arbeitsvertrag“ nach seinen Vorstellungen auslegt. Dahinter steckt nach Einschätzung der beiden Autoren ein simpler Mechanismus: „Wenn eine Partei glaubt, der Kontrakt sei aus dem Gleichgewicht geraten, reagiert sie entsprechend“, erläutert Tusch. Die Folge ist dann häufig eine Spirale mit jeder Menge Frust.

Ihre Schlussfolgerungen stützen die beiden Job-Fachleute auf eine Vielzahl von Zuschriften auf das „Frustjobkillerbuch“ und mehrere Hundert Fragebögen, die sie in ihrer Eigenschaft als Berufscoaches ausgewertet haben. Dabei haben beide auch aufs Internet gesetzt und online Reaktionen eingesammelt. „Häufig hieß es: 'Lesen Sie den Chefs in Ihrem nächsten Buch einmal ordentlich die Leviten'“, berichtet Volker Kitz. Oder von Chef-Seite wurde erbost zurückgetönt: „Geht's noch? Fragen Sie die Mitarbeiter mal, was die sich eigentlich denken!“.

Die beiden Autoren gehen davon aus, dass sich Probleme zwischen Vorgesetzten und Angestellten im Zuge der Wirtschaftskrise deutlich verschärft haben. „Natürlich sind die Probleme nicht neu“, gibt Manuel Tusch zu bedenken, ergänzt aber: „Sie kommen jetzt häufiger vor und in anderen Kontexten.“ Ziel müsse es sein, einzuüben, immer wieder „in den Schuhen des anderen“ zu gehen. Das steigere das gegenseitige Verständnis ungemein. (AP)

(Campus, August 2009, ISBN 3593387891, 226 Seiten, 19,90 Euro)

 

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