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HOFVERKAUF UND EDELRESTAURANTS

Feinschmecker-‌Garnelen vom Viehzüchter

Landwirt aus Niedersachsen baut erste Zuchtfarm in Deutschland auf – Kochshows im Fernsehen brachten ihn auf die Idee

Zacharias Zacharakis
AP
07.02.2010

"Jacques" die Garnele braucht ständigen Wasseraustausch und viel Pflege. Foto: Lars Kunze/Pixelio

Affinghausen (apn) Gut 100 Kilometer von der Nordseeküste entfernt auf dem platten Land zwischen Hannover und Bremen tut ein früherer Viehzüchter das, was vor ihm in Deutschland noch niemand getan hat: Er züchtet tropische Großgarnelen. Heinrich Schäfer, 60 Jahre alt, von kräftiger Statur, steht in seiner alten Traktorenhalle und blickt über die vielen Zuchtbecken, die auf fünf Etagen bis fast unter die Decke reichen. „Die Tiere brauchen 31 Grad Wassertemperatur“, erklärt Schäfer nüchtern, während draußen im deutschen Winter die Eiszapfen am Hallendach hängen.

170.000 Jungtiere haben Heinrich Schäfer und sein Sohn Marco Anfang November des vergangenen Jahres in die Becken eingesetzt. Sie wurden aus Florida in etlichen Plastiksäcken angeliefert. In den letzten Wochen sind die Tiere herangewachsen auf eine stattliche Größe von etwa 15 Zentimeter, es fehlen noch zehn, bis sie etwa im März erntereif sind. Bei einem Blick in die Becken erkennt man fast nicht wieder, was viele Menschen in Deutschland schon als Selbstverständlichkeit auf ihrem Speiseplan begreifen. Die White Tiger Prawns zappeln grau und glitschig durch die Becken; später in der Pfanne wechseln sie die Farbe und werden rosa-orange.

Tiere auf deutschen Tellern aus asiatischen Zuchtfarmen

Doch wie kommt ein früherer Viehzüchter aus dem knapp 900-Seelen-Ort Affinghausen dazu, es jetzt mit Garnelen zu versuchen? Normalerweise stammen die auf deutschen Tellern landenden Tiere aus Zuchtfarmen in Asien oder Lateinamerika. In Europa gibt es nur wenige solche Monokulturen etwa in Griechenland und anderen Mittelmeerländern, allerdings unter freiem Himmel.

„Mit der normalen Landwirtschaft war hier schon vor 20 Jahren kein Geld mehr zu verdienen, da haben wir auf Dienstleistungsbetrieb umgestellt und die Felder der umliegenden Höfe mit unseren Maschinen bearbeitet“, erklärt Schäfer. Doch auch das habe sich in den vergangenen Jahren immer weniger gelohnt, so dass der Landwirt eine Menge Geld in die Hand nahm und eine große Biogasanlage zur Stromerzeugung aufgebaut hat. Betrieben wird sie mit Mais.

Abwärme aus Biogasanlage für Garnelen

„Dann haben wir uns überlegt, was wir mit der ganzen Abwärme anfangen sollen, die die Anlage produziert“, sagt Schäfer. Fernwärmeleitungen in Affinghausen oder angrenzende Orte zu verlegen und die Nachbarn mit günstiger Wärme zu versorgen, das hätte zu hohe Investitionen erfordert. „Eines Abends saßen meine Frau und ich dann vor dem Fernseher, haben eine dieser Kochshows angesehen und uns gefragt, wo eigentlich all die Garnelen herkommen, die in Deutschland mittlerweile jeder isst.“ So sei die Idee allmählich entstanden. Denn um eine Farm in diesen Breitengraden zu betreiben, braucht man vor allem eines: Wärme. Und die hatte Schäfer zur Genüge.

Kein Antibiotikum wie in asiatischer Ware

Was aber noch fehlte, war die Expertise zum Aufbau und Betrieb einer derartig komplizierten Aquakultur. Da auch Sohn Marco – der 35-Jährige ist gelernter Konstruktionsmechaniker – von der Idee überzeugt war, fuhr er für einige Wochen auf eine Shrimpsfarm in die USA und ließ sich alles erklären, was man in der Kürze über Garnelenzucht lernen kann. Die Planung der Anlage überließen die Schäfers dann einem Ingenieurbüro für Energie- und Umwelttechnik aus Bremen.

Vieles musste dabei bedacht werden: Der ständige Wasseraustausch, der Salzgehalt muss konstant bei 2,5 Prozent liegen, zudem sind Monokulturen für Garnelen anfällig für Krankheiten, weshalb die Tiere aus den asiatischen Farmen häufig vor Antibiotikum strotzen. „Das gibt es bei uns nicht“, sagt Schäfer. Gefüttert würden die Tiere mit einer Getreidemischung aus Weizen, Soja und Erbsen. Die tierärztliche Hochschule in Hannover führe regelmäßige Kontrollen durch.

Verkauf an Feinschmecker-Restaurants

Eine Frage in der außergewöhnlichen Geschichte von Schäfers Farm ist noch nicht abschließend geklärt: Wer eigentlich soll die ganzen Garnelen essen? Schließlich hat der frühere Landwirt etwa 700.000 Euro investiert. Viele Bankangestellte hätten ihn damals ausgelacht, als er um den Kredit gebeten habe. „Wir wollen vor allem Restaurants in der Region von Bremen, Hamburg und Hannover direkt beliefern“, erklärt Schäfer. Der Preis: 35 bis 40 Euro pro Kilo. 75 davon pro Tag müsse er absetzen, damit sich das Modell rechne. Interessenten habe er bereits viele, da es schließlich keine Konkurrenz für fangfrische Garnelen aus heimischer Züchtung gebe. Er wolle Hofverkauf machen, eben nicht mit Eiern oder Milch, sondern mit Edelgarnelen. (AP)

 

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