Magdeburg (apn) Mit 87 soll nun Schluss sein. Gisela Lauenroth legt Mikrofon und Kopfhörer beiseite. Deutschlands älteste DJ geht in Rente. Doch so richtig, hat man das Gefühl, kann sich die quirlige Rentnerin nicht mit dem Gedanken anfreunden. Ihre DJ-Karriere begann sie mit 50 vor 37 Jahren.
Damals arbeitete die gelernte Gutsmamsell in Hannover als Wirtschafterin. Als eines Tages in der Zeitung ein DJ gesucht wurde, ermunterten Freunde sie, sich zu melden. „Ich habe immer im privaten Kreis aufgelegt“, erzählt Gisela Lauenroth. „Das hat mir Spaß gemacht, und ich wusste, das ist was für mich.“ Also packte sie ihre Schallplatten in einen Koffer und ging zum Vorspielen. „Zwei Platten habe ich aufgelegt, die dritte brauchte ich nicht, da war ich schon engagiert“, erinnert sie sich.
Fortan lud sie zum Tanztee für Ältere. Dreimal pro Woche legte DJ Lady Gisela in der Gaststätte „Im fröhlichen Weinberg“ zu Hannover auf. „Das war meine Heimat. Die Leute haben auf mich reagiert, ich habe sie verheiratet, bin dazwischengegangen, wenn sie sich gestritten haben“, schwärmt Lauenroth. Gespielt habe sie „alles, was sich tanzen ließ“. Deutsche Schlager, Rock und Pop, aber auch Walzer gehörten zu ihrem Repertoire.
Als sie vor zehn Jahren in ihre Geburtsstadt Magdeburg zog, pendelte sie weiter drei Mal wöchentlich nach Hannover. In Magdeburg putzte sie Klinken, fragte nach, ob ihre Dienste irgendwo gebraucht würden. Und legte schließlich für Gesellschaften und bei Tanztees auf. „Ich habe so viel Schönes erlebt“, schwärmt DJ Lady Gisela und schwelgt in Erinnerungen. „Ich habe Andy Borg getroffen und Tokio Hotel, war bei Harald Schmidt und Johannes B. Kerner.“ Ihre treuesten Anhänger haben sich in zwei Fanclubs organisiert.
„Mal was Positives“
Vor zweieinhalb Jahren ging Gisela Lauenroth selbst ins Tonstudio, spielte ihren ersten eigenen Schlager ein. „Magdeburg, mein Augenstern“ ist eine Hommage an ihre Heimatstadt. „Mein Freund Hansi Feller hat den Titel für mich geschrieben. Er lebt in Ostfriesland“, erklärt sie dazu. „Und weil Magdeburg immer nur im Zusammenhang mit Arbeitslosigkeit und rechten Übergriffen in den Medien erschien, meinte er, wir müssten mal was Positives machen.“
Nun also hat sich Gisela Lauenroth von den Tanzböden dieses Landes zurückgezogen. Im November hatte sie ihren letzten Auftritt. Dass dieser Abschied endgültig ist, mag man indes nicht so recht glauben. Zu stark spürt man die Sehnsucht der quirligen 87-Jährigen nach Trubel und Tanzmusik.
Wer sie kennt, der weiß, dass sie manchmal auch zur Umkehr neigt. Als Gisela Lauenroth im vergangenen Jahr entschieden hatte, ins Seniorenheim zu ziehen, hielt sie es dort auch nur eine Nacht aus. Am nächsten Morgen zog sie mit ihren Möbeln, Sack und Pack wieder zurück in ihre Wohnung. „Es hat mir dort nicht gefallen“, sagte sie schmunzelnd. „Aber es war ein teurer Spaß. Und mein Enkel hat mich gefragt, wann ich denn endlich erwachsen werde.“
Also gibt es vielleicht auch eine Rückkehr an die Musikanlage? „Also, wenn mich jemand bittet, dann sage ich bestimmt nicht Nein“, räumte sie ein. Zwar ist die Plattensammlung verkauft. „Aber mein Standardprogramm habe ich ja noch.“ (AP)



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