München (apn) Der gängige Körper-Masse-Index (BMI) eignet sich nicht zur Prognose von Herzkreislauf-Erkrankungen wie Infarkt oder Schlaganfall. Eine Studie zeigt, dass nicht die absolute Menge des Körperfetts die Krankheitsgefahr beeinflusst, sondern vielmehr dessen Verteilung. Demnach ist vor allem Speck am Bauch schädlich. Daher fordern die Forscher der Universität München, den BMI durch den sogenannten WHtR-Wert (Waist-to-Height-ratio) zu ersetzen, bei dem der Taillenumfang durch die Körpergröße geteilt wird.
Studien zufolge sind 75 Prozent der deutschen Männer und fast 60 Prozent der Frauen übergewichtig. Um die Folgen von Korpulenz abzuschätzen, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Körper-Masse-Index. Dessen Nutzen ist allerdings umstritten. „Der BMI spielt keine Rolle für das Schlaganfall-, Herzinfarkt- oder Todesrisiko eines Menschen“, betont Harald Schneider von der Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität.
In der Studie beobachteten Mediziner um Schneider die Entwicklung von fast 11.000 Teilnehmern drei bis acht Jahre lang. Ob ein Mensch einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall bekam, hing am ehesten vom Verhältnis zwischen Taille und Körpergröße ab, wie die Forscher im „Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism“ berichten. „Je höher der WHtR, desto größer das Risiko“, erklärt Schneider. Der BMI war dagegen nicht aussagekräftig. Speck um die Taille kann schädliche Fettsäuren abgeben und Entzündungen fördern. Fettpolster an Hüfte, Oberschenkel und Gesäß steigern das Risiko für Gefäßerkrankungen dagegen offenbar nicht.
(Quelle: „Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism“, Online-Vorabveröffentlichung) (AP)
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