Berlin (apn) Auf den ersten Blick ist es nur ein vergilbtes Stück Papier mit ein paar arabischen Schriftzeichen. Doch bei dem Pergament, das ab Mittwoch im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen ist, handelt es sich um die Hadith-Handschrift aus dem „Kanon der Medizin“. Diese älteste ärztliche Niederschrift der Welt galt mehr als 500 Jahre als das medizinische Standardwerk und Lehrbuch für Ärzte. Niedergeschrieben hatte sie der persische Gelehrte Avicenna im frühen elften Jahrhundert.
Die Handschrift ist Teil der Ausstellung „Schätze des Aga Khan Museums – Meisterwerke islamischer Kunst“, die zum ersten Mal in Deutschland gezeigt wird. Insgesamt werden bis 6. Juni mehr als 200 Meisterwerke aus 1.000 Jahren Kulturgeschichte präsentiert. „Hinter jedem der Ausstellungsstücke verbirgt sich eine Geschichte“, sagte der Direktor des Gropius-Bau, Gereon Sievernich, am Dienstag in Berlin.
So finden sich unter den ausgestellten Kunstwerken eine Doppelseite des „Blauen Korans“ aus dem neunten Jahrhundert, ein sehr gut erhaltenes mongolisches Seidendamastkleid aus dem 13. Jahrhundert und Seiten aus dem persischen Heldenepos „Shahnama“. „Wir hoffen, dass diese Ausstellung Fragen aufwirft und, dass es die Besucher dazu bringt, sich neugieriger mit dem Islam auseinanderzusetzen“, sagte der Generaldirektor des Aga Khan Trust for Culture, Luis Monreal.
Ausstellung in zwei Teile gegliedert
Die Ausstellung ist in zwei Teile gegliedert. Unter „Das Wort Gottes“ werden unter anderem Koranmanuskripte und illustrierte Blätter präsentiert. „Die Route der Reisenden“ zeigt dem Besucher die islamische Welt vom muslimischen Teil der iberischen Halbinsel über Ägypten, Damaskus, Bagdad bis hin zu Zentralasien und Indien. Die ausgestellten Kunstwerke – Gemälde, Zeichnungen, Buchillustrationen, Manuskripte, Inschriften, Metallgefäße, Keramiken und Holzarbeiten – decken einen Zeitraum vom 8. bis zum 18. Jahrhundert ab.
„Der Islam ist die Religion vieler verschiedener Menschen“, sagt Monreal. „Mit der Ausstellung wollen wir die Vielfältigkeit der islamischen Kultur darlegen.“
Eine der wertvollsten Sammlungen
Karim Aga Khan IV ist das geistige Oberhaupt der islamisch-schiitischen Glaubensgemeinschaft der Ismailiten und gilt als direkter Nachkomme des Propheten Mohammed. Seine Sammlung wird als eine der größten und wertvollsten Sammlungen islamischer Kunst angesehen. Die Ausstellung im Gropius-Bau zeigt nur einen Teil der Kunstwerke, die Khan in den vergangenen 30 bis 40 Jahren gesammelt hat. Rund 1.000 islamische Kunstwerke besitze Khan insgesamt, sagte der Kurator der Ausstellung, Benoit Junod. „Die Hälfte davon sind Meisterwerke.“
Die Berliner Ausstellung ist die erste und vorerst auch letzte ihrer Art in Europa. Nach Ende der Ausstellungszeit sollen sich die Kunstwerke auf eine dreijährige Tour durch muslimische Länder begeben, ab 2013 soll die gesamte Sammlung im neuen Aga Khan Museum in Toronto beheimatet sein.
Die Ausstellung in Berlin ist mittwochs bis montags von 10.00 Uhr und 20.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet acht, ermäßigt sechs Euro.
http://www.berlinerfestspiele.de/ (AP)
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