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Wölfisch für Hundehalter

Wölfe: gelassen und sozial

Von Alpha, Dominanz und anderen populären Irrtümern

Heike Soleinsky / Epoch Times Deutschland
Epoch Times Deutschland
17.05.2010 23:05

Günther Bloch und sein Hund Timber auf Augenhöhe: Dem Menschen als „Leitwolf“ bricht in den Augen des Hundes kein Zacken aus der Krone, wenn er sich beim Spielen oder Kuscheln auf die Ebene des Hundes oder sogar mal unter ihn begibt. Für Respekt bedarf es keines Dominanzgehabes, sondern Vertrauen. Foto: Ulla Bergob/Kosmos Verlag


Was Wölfen nicht alles nachgesagt wird: Angeblich will jeder Wolf ein Alphatier sein. Und um ihren Status zu unterstreichen, würden ranghöhere Tiere die rangniedrigeren stets unterbuttern. Das sind gängige Vorurteile, die Hundehalter sich gegenseitig erzählen - verbunden mit Ratschlägen, wie man sich daraus folgernd seinem Hund gegenüber zu verhalten hat, damit Bello weiß, dass der Mensch das Alphatier ist. Ob der Hund nun beim Gassi gehen freudig vorausläuft oder sich Körperkontakt suchend auf Frauchens Fuß setzt, der Mensch dem gesagt wurde, er müsse nach angeblicher Wolfsart seine Alpha-Position behaupten, deutet all dies als Dominanzgehabe und steuert dagegen an. Und so zwingt mancher seinen Hund, stets hinter ihm zu gehen. Es soll sogar Menschen geben, die vor ihrem Hund in den Garten gehen und selbst überall hin „markieren" um zu zeigen, wer der Herr im Haus ist.

Kein Rudel, sondern Familienverband

Verehrte Hundehalter, bitte entspannen Sie sich. Manche dieser Empfehlungen wurden zwar tatsächlich von Wolfsbeobachtungen abgeleitet, doch stammen diese  vermeintlichen Erkenntnisse aus der Observierung von Wölfen in Gehegen.

Wie sieht es bei den Wölfen in der Freiheit aus? „Füreinander einstehen, sich gegenseitig unterstützen, wenn es einmal eng wird, Zusammenhalt unter Beweis stellen - all dies ist absolut wolfstypisch", erzählen Elli H. Radinger und Günther Bloch in ihrem Buch „Wölfisch für Hundehalter". Sie beobachten seit 20 Jahren wilde Wölfe in Kanada und Amerika und räumen mit etlichen geläufigen Missverständnissen über Wölfe und Hunde auf.

In der Fachwelt redet man schon lange nicht mehr von „Alpha-", sondern vom „Leittier" und nicht mehr vom „Rudel" sondern vom „Familien- oder Gruppenverband".

Der Leitwolf ist ganz entspannt

Statt sich ständig für die Karriere im Rudel zu zanken, genießt ein Leitwolf genug Autorität, um entspannt für Harmonie in der Gruppe zu sorgen. Selbst alte und verletzte Leittiere verwenden oft nur einen Blick und es kehrt Ordnung im Familienverband ein. Ein Leitwolf zu sein, ist offenbar weniger Privileg als ein verantwortungsvoller Job. Und den macht nicht der, der andere knüppelt, sondern der, der es aufgrund seiner Erfahrung und Führungsqualitäten am besten kann.

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Jedem Wolfsklan seine Rabenfamilie. Raben warnen vor Gefahr, sie spielen mit den Welpen und dürfen sich an der Beute mit bedienen. Foto: Peter A. Dettling/Kosmos Verlag
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Respekt- und liebevoller Zusammenhalt

Gemäß den Horrorgeschichten, die sich Menschen über Wölfe erzählen, würden alte und verletzte Tiere im „Rudel" verstoßen oder gar getötet werden - insbesondere, wenn es ein „Alpha" ist, dessen Status die anderen Wölfe gern hätten. Radinger und Bloch haben das Gegenteil beobachtet: „Ist ein Wolf leicht verletzt, nimmt aber noch an gemeinsamen Revierausflügen teil, legen die Leittiere lange Ruhepausen ein, bis das Gruppenmitglied sich erholt hat. Sieht es richtig böse aus, wird ein Nahrungstransport organisiert." Für besonders geschwächte Tiere wird die Nahrung sogar vorgekaut hervorgewürgt, wie sie es für Welpen tun. Sie lecken die Wunden, geben körperliche Nähe und lassen den Verletzten nicht allein.

Dabei sein ist alles

Wölfe bilden nicht bloß Jagdgemeinschaften, wie behauptet wird, sondern sind hochsoziale Wesen, die sich ausgiebig miteinander beschäftigen: zusammen dösen, sich gegenseitig pflegen und einfach herumalbern. „Immer wieder kann ich in Yellowstone beobachten, wie die Wölfe einen schneebedeckten Hügel hinauflaufen, sich oben auf die Seite oder den Rücken rollen und den Berg hinunterrutschen. Dann geht es wieder hinauf und die fröhliche Schlittenfahrt wird fortgesetzt."
Sicher wird auch für den Hund nicht bloß Jagen und Fressen das Höchste im Leben sein, sondern dass er ein wichtiges Mitglied der Mensch-Hund-Familie ist, der Schutz, Geborgenheit und körperliche Nähe erfährt und im Alltag dabei ist.

Es bedarf also keines Imponiergehabes, damit der Hund seinen Menschen als Leittier akzeptiert. Eher eine gefestigte Persönlichkeit, die dem Hund Sicherheit gibt.

Radinger und Bloch verstehen ihr Buch nicht als Erziehungsratgeber, sondern sehen sich als Dolmetscher. Dennoch enthält das Buch neben wunderschönen Anekdoten  aus dem Wolfsalltag auch viele Tipps für den Umgang mit dem Hund. Und wetten, dass die Erziehung und Beziehung besser gelingen, wenn man wölfisch versteht?

 

Wölfisch für Hundehalter
Von Alpha, Dominanz und anderen populären Irrtümern
von Günther Bloch & Elli H. Radinger
Erschienen im Kosmos Verlag
ISBN: 978-3-440-12264-8

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