Sechs Monate lang wurde die Eingangssequenz für das Fantasyepos „Die Legende von Aang" einem Militäreinsatz gleich geplant, berichtet Regisseur M. Night Shyamalan (u.a. „The Sixth Sense" und „The Village") auf einem special screening der Paramount Pictures mit anschließender Interviewrunde in der Berliner Filmlounge Astor.
Gedreht wurde in Grönland, das Equipment war auf 15 Container verteilt. Das Team musste warten, bis der Weg von Packeis frei war, dann wurde unter äußerst harten Bedingungen und hohen Sicherheitsmaßnahmen gedreht.
Inspiration hierfür sei die Eingangssequenz des ersten Star Wars Films gewesen, der 1977 unter ähnlich widrigen Bedingungen in der Wüste Tunesiens gedreht wurde.
Die Rechnung geht an dieser Stelle auf: verbunden mit digitalen Zaubereien aus der Effektschmiede Industrial Light and Magic von George Lucas entsteht die perfekte Illusion einer anderen Welt.
Die dem Film zugrunde liegende Geschichte „Avatar - Der Herr der Elemente" erzählt die Geschichte einer fantastischen Welt, deren Bewohner mittels körperlicher und mentaler Übungen die Elemente zu beherrschen lernen. Die sogenannten „Bändiger" verstehen es, jeweils ein Element zu beherrschen. Dem entsprechend leben in dieser Welt vier Völker: Die Menschen der Wasserstämme, der Luftnomaden, der Feuernation und des Erdkönigreiches.
Nur der Avatar, der in regelmäßigen Abständen wiedergeboren wird, um den harmonischen Einklang der Elemente miteinander zu wahren, kann es lernen, alle Elemente zu beherrschen. Er entstammt dem Volk der Luftnomaden.
Seit der letzte Avatar im Alter von zwölf Jahren aus dem nördlichen Lufttempel verschwand, ist ein Krieg unter den Völkern der Elemente ausgebrochen, angezettelt von der aggressiven und imperialistischen Feuernation. Hundert Jahre sind vergangen, da taucht ein Junge im Eisland der südlichen Wasserstämme auf. Er trägt die Zeichen des Avatars.
Interessanterweise bedient sich die aus den USA stammende Geschichte zwar durchgehend sowohl traditioneller asiatischer Elemente als auch Versatzstücken und Erzählweisen der modernen japanischen Mangakultur, stützt sich in ihrer Grundkonstruktion jedoch auf das altgriechische Modell der vier Elemente anstelle des chinesischen fünf-Elemente Modells.
Avatar oder Avatar?
Der Originaltitel der Mangaserie lautet „Avatar - the last Airbender". Wir wollten von Produzent Marshall und Regisseur Shyamalan wissen, wie sie reagierten, als sie davon hörten, das James Cameron zeitgleich mit ihnen an seinem Filmprojekt „Avatar" arbeitete. Die beiden schauen sich an, lachen kurz. „Möchtest Du darauf antworten?" fragt Marshall. Shyamalan zuckt lächelnd mit den Schultern: „Es gab für uns da gar keine Frage, da gab es keine Grauzonen, kein 'was können wir jetzt machen'. Wir konnten nur kaum glauben, dass er so hartnäckig war und bereits seit zehn Jahren an seinem Film arbeitete. Der Fall war ganz klar: Er war uns sechs Jahre voraus, wir waren mit dem Namen zu spät, also machten wir aus 'Avatar - the last Airbender' einfach 'The last Airbender', da gab es kein Vertun."
Visuell opulent, ...
Gestalterisch stark und überzeugend wird diese Welt in Szene gesetzt: der Design Crew um Philip Messina und Kostümdesignerin Judianna Makovsky ist es gelungen, eine komplett eigenständige und stark asiatisch inspirierte Kunstwelt zu schaffen, wobei Anleihen und Inspirationen aus allen Völkern und Zeiten zu Rate gezogen worden waren. So verbinden sich in der bösartigen Feuernation, dominiert von feurigen Rot- und bedrohlichen Schwarztönen, laut Aussagen der Ausstatter, sowohl Elemente der Kultur der Samurai als auch Anleihen aus dem kommunistischen China.
Die Luftnomaden erinnern sehr stark an die chinesischen Shaolin Mönche, die Völker der Erdbändiger dagegen wirken sehr einfach und erinnern an mongolische Volksstämme die Bauten und Kostüme der Wasserstämme sind angelehnt an die slawische und die persische Kultur.
Jeder Volksstamm verfügt über andere Techniken um ihr Element zu bändigen, die jeweils den verschiedenen Spielarten des Wushu entlehnt sind: die Wasserbändiger nutzen Tai Chi, die Luftbändiger Baguazhang, Hung Ga die Erdbändiger und die Techniken der Feuernation erinnern an das nördliche Shaolin Kung Fu.
Industrial Light and Magic zauberte die visuellen Effekte, und mit Kameramann Andrew Lesnie konnte der Mann gewonnen werden, der mit seiner Arbeit in der Filmtrilogie „Der Herr der Ringe" ein neues Kapitel der Filmgeschichte aufgeschlagen hatte.
Inhaltlich schwach
Das großartige Aufgebot an technischer Zauberei hilft nicht darüber hinweg: Der Film hält nicht, was seine Geschichte und seine Ausstattung versprechen. Dialoge und Charaktere sind flach und trotz der aufwendigen Aufmachung will keine Atmosphäre entstehen.Offen bleibt, ob es an dem jungen Zielpublikum liegt, deren Vorlieben versucht wurden einzufangen oder der schieren Herkulesaufgabe, eine 61 Episoden umfassende, episch erzählte Geschichte in drei Kinofilmen zusammenpressen zu wollen. „Die Legende von Aang" ist der Auftakt einer Trilogie.
Dargestellte große Gefühle wirken gequält und erzwungen und stehen in keinem Verhältnis zu der gedachten Größe des Gezeigten, wie zum Beispiel das Opfer von Prinzessin Yue, dargestellt von Seychelle Gabriel, oder die Abschiedsszene von ihrem Geliebten Sokka, ebenso sperrig wie hölzern gespielt von Mädchenschwarm Jackson Rathbone („Twillight, Bis(s) zum Morgengrauen").
Es sei dem Film zugute gehalten, dass er sich ausgesprochen an ein kindlich- bis pubertierendes Zielpublikum richtet, so muss man sich gleichwohl fragen, ob das im Übermaß gepredigte Credo „Sei wie das Wasser, lass Deinen Gefühlen einfach freien Lauf" überhaupt noch zeitgemäß ist.
Nur Dev Patels (Slumdog Millionaire) Darstellung des in sich zerrissenen und verstoßenen Prinzen der Feuernation wirkt glaubwürdig und ambitioniert.
Der zwölfjährige Noah Richter, der hervorragendes Kung Fu zeigt und die Hauptrolle des Avatars Aang spielt, überzeugt nicht als Weisheitsträger einer ganzen Welt, und die mit dem Film verbundene Vision einer Welt, die einem Kind zu Füßen liegt, spiegelt so auch nur die Anschauung einer Gesellschaft wieder, die sich standhaft weigert erwachsen zu werden.
Es mag sein, dass „Die Legende von Aang" keine Filmgeschichte schreiben wird, gleichwohl zeigt der Film wie kaum ein anderer, was sich in den letzten zehn Jahren im Mainstream des westlichen Filmgeschehens tut, und insbesondere nach den Durchbrüchen der Filme Hayao Miyazakis: Eine starke Öffnung zur asiatischen Ästhetik, deren Themen und Erzählweisen.
Offizieller Kinostart von „Die Legende von Aang" in Deutschland ist der 19. August.
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