Aktuelle Nachrichten – International
03.12.2010
London – Wikileaks gerät von immer mehr Seiten unter Druck. Die Jagd auf den Gründer der Plattform, Julian Assange, nimmt weiter an Fahrt auf. Die schwedischen Behörden haben nach britischen Beschwerden einen neuen, diesmal vollständigen, internationalen Haftbefehl erwirkt. Regierungen und Unternehmen haben es derweil auf die technische Infrastruktur des Portals abgesehen. Durch Verweigerung der Zusammenarbeit oder Löschung der Dienste, wollen sie den Internetnutzern den Zugriff auf die Wikileaks-Seite verweigern.
Assanges Anwältin bestätigte, dass sich der Australier in Großbritannien aufhält, doch bis Freitag sei ihr noch kein Haftbefehl zugestellt worden. Doch auch seine Verhaftung werde die weitere Veröffentlichung von diplomatischen Dokumenten durch Wikileaks nicht verhindern, hatte Assange in der Vergangenheit mitgeteilt. Hunderte zensierte Dokumente seien bereits auf der ganzen Welt publiziert worden und tausende Menschen hätten bereits den gesamten Bestand in stark verschlüsselten Dateien auf ihre Festplatten heruntergeladen.
Er deutete an, dass, sollte ihm etwas zustoßen, das Passwort zu diesen verschlüsselten Dateien veröffentlicht würde und die gesamten Dokumente damit für alle Welt verfügbar wären. In einem Chat auf den Seiten der britischen Zeitung "Guardian", die an der Organisation der Verbreitung der Dokumente beteiligt war, schrieb Assange am Freitag, "die Geschichte wird siegen. Die Welt wird zu einem besseren Ort werden. Werden wir überleben? Das hängt von euch ab."
Die französische Regierung begann unterdessen damit, die Enthüllungsplattform Wikileaks von inländischen Servern zu verbannen. Es sei inakzeptabel für französische Server, die Internetseite vorzuhalten, sagte Industrieminister Eric Besson. Wikileaks habe "gegen die Geheimhaltung diplomatischer Beziehungen verstoßen und Menschen, die durch diplomatische Geheimhaltung geschützt werden, in Gefahr gebracht", sagte Besson.
Die internationale Webadresse der Enthüllungsplattform Wikileaks war bereits am späten Donnerstagabend abgeschaltet worden. Grund ist, dass der amerikanische Verwalter von wikileaks.org, das Unternehmen EveryDNS, die Bearbeitung von Anfragen für die Website eingestellt hat. Wikileaks war aber weiter über die deutsche Domain wikileaks.de oder die Schweizer Adresse wikileaks.ch erreichbar. Dort sind auch die veröffentlichten Dokumente einsehbar. Der Schweizer Domain-Name gehört zwei Firmen, einer schwedischen und einer französisch.
Der Chef des französischen Unternehmens hat am Freitag bestätigt, dass Wikileaks von seiner Firma gehostet werde. Am Donnerstag habe ein Kunde nach einem "eigenen Server gefragt, der gegen Angriffe geschützt ist", sagte Octave Klaba. Die Frage, ob Wikileaks legal sei, müsse ein Gericht klären, sagte er zu Bessons Vorstoß. "Es steht nicht in der Macht der Politiker, die Schließung von Internetseiten zu verlangen. Das ist Aufgabe der Gerichte", sagte Klaba.
EveryDNS erklärte, die Abschaltung der Webadresse sei notwendig geworden, da es wiederholt zu Angriffen auf die Adresse gekommen sei, was die gesamte Infrastruktur des EveryDNS-Netzwerkes gefährdet habe. Das Internet-Versandhaus Amazon, das auch Hosting-Dienste anbietet, warf die Wikileaks-Dateien bereits am Mittwoch mit Hinweis auf eine Verletzung der AGBs von seinen Servern.
Wikileaks-Unterstützer haben unterdessen selbst die Initiative ergriffen. So gab die deutsche Piratenpartei bekannt, dass sie auf ihren Internetseiten eine Unterdomain eingerichtet habe, über die Wikileaks erreichbar sei. "Im Moment findet ein Cyberkrieg statt", teilte der Vorstand Wolfgang Dudda mit. "Es werden alle technischen Register gezogen, um Wikileaks mundtot zu machen."
Während einer Fragerunde mit Wikileaks-Gründer Julian Assange ist die Website der britischen Zeitung "Guardian" am Freitag zusammengebrochen. Ob ein Hackerangriff Ursache für die Überlastung der Seite war, war zunächst nicht bekannt. Assange hat sich seit fast einem Monat nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt, aber über das Internet mit Journalisten kommuniziert. Der 39-jährige Australier wird in Schweden wegen Vorwürfen der Vergewaltigung und sexuellen Belästigung gesucht. Die Wikileaks-Seite war bereits mehrfach Ziel von sogenannten Denial-of-Service-Attacken.
(dapd)
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