Aktuelle Nachrichten – Universum
18.01.2007
Köln – Astronaut Thomas Reiter würde am liebsten alle Menschen an seinen Erlebnissen und Eindrücken an Bord der internationalen Raumstation ISS teilhaben lassen. „Es wäre eigentlich fantastisch, wenn man irgendwann einmal eine Reise in den Orbit so buchen könnte wie heute eine Urlaubsreise – auch zu ähnlichen Preisen“, sagte der 48-jährige Deutsche am Donnerstag im Europäischen Astronautenzentrum in Köln.
Knapp einen Monat nach seiner Rückkehr von der fast sechsmonatigen Mission auf der ISS wirkt Reiters Enthusiasmus ansteckend. Auch dass er vor rund elf Jahren schon einmal ein halbes Jahr in der Umlaufbahn verbrachte, damals an Bord der russischen Station „Mir“, tut der Begeisterung keinen Abbruch. Im Gegenteil: „Ich habe bei weitem noch nicht die Nase voll“, sagte Reiter. Er würde gern ein drittes Mal fliegen, auch wenn ihm klar sei, dass er sich nun hinter einer langen Reihe anderer europäischer Astronauten einreihen müsse, die ebenfalls auf ihren Einsatz warteten.
Es seien vor allem die unvergleichlichen Blicke auf die Erde und die Sterne, erzählt Reiter, die den Reiz des Raumfluges ausmachten. „Das ist eine Sache, die einem unter die Haut geht. Das vergisst man nicht so schnell.“ Zwar komme es ihm vor, als sei seit seiner Landung im amerikanischen Weltraumzentrum Cape Canaveral Rückkehr am 22. Dezember nicht ein Monat sondern schon ein Jahr vergangen. Wenn er aber die selbst geschossenen Fotos und Videos sehe – alle habe er noch gar nicht betrachten können – komme es ihm vor, als sei er aus einem Traum erwacht.
Unter solchen Eindrücken wiegen nicht einmal die Risiken und körperlichen Beschwerden des Raumfluges schwer, wie Reiter deutlich macht. Nach 172 Tagen in der Schwerelosigkeit sei die Landung an Bord der US-Raumfähre „Discovery“ zwar durchaus angenehm gewesen, viel sanfter als der Aufprall mit der russischen Sojus-Kapsel nach dem ersten Flug. Das gute Gefühl habe aber nur angehalten, bis er versucht habe, aufzustehen. „Man glaubt, der Körper sei tonnenschwer.“ Er hätte gern mit den anderen Besatzungsmitgliedern zusammen nach der Landung den traditionellen Rundgang um die Raumfähre unternommen. Allein – es sei unmöglich gewesen.
„Die Stunden nach der Landung sind kein Vergnügen“, räumte Reiter ein. „Man fühlt sich wirklich nicht gut.“ Am nächsten Tag habe er aber immerhin schon wieder einigermaßen gehen können. Das zeige den Erfolg des täglichen Trainings auf den speziell entwickelten Geräten an Bord der ISS. Zwei Tage nach der Landung habe das Rehabilitationsprogramm begonnen, zunächst mit Schwimmen, Aquajogging und Gleichgewichtsübungen, dann Tag für Tag gesteigert bis zum normalen NASA-Fitnessprogramm. Inzwischen sei er nur noch wenig von seiner alten Kondition entfernt.
Nach dem Raumflug steht nun die Auswertung der 19 wissenschaftlichen Experimente an, die Reiter während seiner Mission abwickelte. Er sei sehr gespannt auf die Ergebnisse, sagte der Astronaut. Zum anderen richteten sich aber nun alle Aktivitäten auf den für den Herbst geplanten Start des europäischen Raumlabors „Columbus“. Es soll an die ISS angekoppelt werden und dann wesentlich mehr Forschungsarbeiten in der Schwerelosigkeit ermöglichen als bisher. „Wir wollen so schnell wie möglich in die Nutzungsphase einsteigen“, betonte Reiter.
Der 48-Jährige hofft aber auch, durch sein Beispiel weiteres Interesse für die Raumfahrt zu wecken. Er selbst habe sich schon als kleiner Junge dafür begeistert, mit elf Jahren die erste Mondlandung im Fernsehen miterlebt. Das habe ihn dazu bewogen, sich in der Schule „etwas mehr für Mathe und Physik und für Naturwissenschaften im allgemeinen zu interessieren“. Er würde sich freuen, wenn das pädagogische Programm während seines ISS-Fluges, mehrere Videoschaltungen zu Schulklassen auf der Erde, „den gleichen Effekt bei den Kindern und Jugendlichen hätte“. Auch wenn nicht jeder Astronaut werden könne, so gebe es doch viele hochinteressante Berufe im Bereich der Raumfahrt.
(AP)