TOP-STORY – Atomkraftwerke bleiben endgültig abgeschaltet – Nicole Scharfschwerdt
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Bundesnetzagentur Atomkraftwerke bleiben endgültig abgeschaltet

Nicole Scharfschwerdt

31.08.2011

Als sogenannte Kaltreserve hat die Bundesnetzagentur das Großkraftwerk 3 in Mannheim, das Kraftwerk 2 Mainz-Wiesbaden, Block 3 des Kraftwerks in Ensdorf sowie das Kraftwerk Freimann in München bestimmt. Foto: Torsten Silz/dapd Photo
Als sogenannte Kaltreserve hat die Bundesnetzagentur das Großkraftwerk 3 in Mannheim, das Kraftwerk 2 Mainz-Wiesbaden, Block 3 des Kraftwerks in Ensdorf sowie das Kraftwerk Freimann in München bestimmt.

Foto: Torsten Silz/dapd Photo

Berlin – Die acht stillgelegten Atomkraftwerke bleiben endgültig abgeschaltet. Die Bundesnetzagentur will keines dieser Kraftwerke zur Überbrückung möglicher Stromengpässe im Winterhalbjahr nutzen. Dies teilte der Präsident der Behörde, Matthias Kurth, am Mittwoch in Berlin mit. Stattdessen sollen mehrere konventionelle Kraftwerke den Energiebedarf in kalten Wintern decken.

Als sogenannte Kaltreserve hat die Bundesnetzagentur das Großkraftwerk 3 in Mannheim, das Kraftwerk 2 Mainz-Wiesbaden, Block 3 des Kraftwerks in Ensdorf sowie das Kraftwerk Freimann in München bestimmt. Auch die Mineralölraffinerie Oberrhein in Karlsruhe könne als Standort genutzt werden, teilte die Behörde mit. Den Bedarf zusätzlicher Kapazitäten an grauen und windstillen Wintertagen beziffert die Bundesnetzagentur auf rund 1.000 Megawatt.

Mit den nun genannten Gas- und Kohlekraftwerken stehen Reservekapazitäten von 1.009 Megawatt zur Verfügung. Zudem könnten auch Reserveleistungen in Österreich mit einer Kapazität von 1.075 Megawatt genutzt werden. Kurth versicherte jedoch: "Wenn wir einen milden Winter bekommen, wird vielleicht kein einziges dieser Kraftwerke laufen müssen."

Kurth wirbt für Netzausbau

Sicher ist schon jetzt, dass Block 3 des Kraftwerks Ensdorf künftig Strom liefern soll. Der Saarbrücker Energiekonzern VSE AG hatte dieses erst im vom Essener Stromversorger RWE Power übernommen und an Saarstahl verpachtet, um die Stromversorgung für die Stahlproduktion zu sichern. Die Bundesnetzagentur erklärte dazu, der Verkauf sei erst nach den Berechnungen der Behörde erfolgt. Damit sei die ursprünglich berechnete Stromlücke kleiner geworden, es handle sich also um das erste Reservekraftwerk, das in Betrieb genommen werde.

Grund zur Entwarnung gibt es nach Einschätzung Kurths nicht. "Unstrittig ist, dass mit der Anordnung des Reservebetriebs noch immer Risiken für die Versorgungssicherheit verbleiben", sagte er. Kurth appellierte insbesondere an die Atomkraftgegner, für mehr Akzeptanz in der Bevölkerung für den Bau neuer konventioneller Kraftwerke und den Ausbau der Stromnetze zu sorgen. "Die beiden Dinge gehören ebenso wie das Abschalten der Kernkraftwerke zum Thema Energiewende. Sonst wird sie in Deutschland nicht gelingen."

Kelber attestiert FDP Niederlage

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler begrüßte die Entscheidung der Bundesnetzagentur. Dies sei "ein wichtiges Signal für die Unternehmen, dass diese sich auch in den kommenden Wintern auf eine gesicherte Versorgung mit Strom verlassen können", erklärte der FDP-Politiker. Zugleich müsste aber auch der Ausbau der Netze müssten vorangetrieben werden, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Umweltverbände äußerten sich zurückhaltend. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) begrüßten zwar, dass sich die Bundesnetzagentur gegen den Reservebetrieb eines Atomkraftwerks entschieden habe, wiesen aber auch auf die CO2-Belastung von Kohlekraftwerken hin. Sie forderten den zügigen Ausbau erneuerbaren Energien, verstärkte Anstrengungen zum Energiesparen und die Nutzung effizienter Gaskraftwerke.

SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber sprach von einer Niederlage für die FDP, die im Zuge der Energiewende auf ein Reserve-AKW gedrängt hatte. Die Bundesnetzagentur habe deutlich gemacht, "dass ein Atomkraftwerk als Kaltreserve überflüssig, gefährlich und zu teuer ist", sagte Kelber. Die energiepolitische Sprecherin der Linken, Dorothee Menzner, warnte davor, "die abgeschalteten Atomkraftwerke jetzt dauerhaft durch Kohle" zu ersetzen.

(dapd)

 

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