Aktuelle Nachrichten – International
28.11.2008
Bombay – Am dritten Tag der Terrorwelle in der indischen Finanzmetropole Bombay haben sich noch immer Attentäter verschanzt. Allerdings erklärte Generalleutnant N. Thamburaj am Freitag, der Antiterroreinsatz stehe kurz vor dem Abschluss. Die Suche nach den restlichen Kämpfern, die noch immer in zwei Luxushotels und einem jüdischen Zentrum vermutet wurden, sollte in einigen Stunden abgeschlossen sein. Die Zahl der Todesopfer stieg auf 119.
Zahlreiche ausländische Geiseln wurden aus dem Hotel Oberoi befreit. Unter den Geretteten waren rund 20 vor allem westliche Mitarbeiter von Fluggesellschaften, darunter auch der Lufthansa. Sie wurden in Bussen von dem Hotel weggebracht. Zuvor waren bereits etwa zwei Dutzend Menschen aus dem Gebäude gerettet worden. Unter ihnen waren Amerikaner, ein Brite, zwei Japaner und mehrere Inder. Ein Mann trug ein Baby auf dem Arm.
Zur gleichen Zeit griffen indische Spezialeinheiten ein jüdisches Zentrum an, in dem sich mutmaßlich muslimische Extremisten mit mehreren Geiseln verschanzt haben sollen. Soldaten seilten sich von einem Hubschrauber ab und begannen damit, von Zimmer zu Zimmer, von Etage zu Etage das fünfstöckige Gebäude zu durchkämmen.
Die Sicherheitskräfte hatte am Donnerstagabend rund 400 Menschen aus dem Hotel Taj Mahal geführt und danach erklärt, im Inneren hielten sich keine Attentäter mehr auf. Am Freitagmorgen erklärten Militärsprecher, drei bewaffnete Männer in dem Hotel seien getötet worden, aber drei weitere hielten sich dort mit rund 15 Zivilpersonen weiter verschanzt. Wenige Stunden später, nachdem erneut Explosionen und Schüsse zu hören waren, hieß es, es sei noch ein Attentäter am Leben.
In den Hotels Taj Mahal und Oberoi waren am Mittwochabend Hunderte Gäste in den Gewaltstrudel koordinierter Angriffe mehrerer schwer bewaffneter Angreifergruppen geraten. Nach amtlichen Angaben wurden mindestens 119 Menschen getötet und 288 verletzt, unter den Toten war auch ein deutscher Geschäftsmann.
Die mutmaßlich muslimischen Extremisten hatten Augenzeugenberichten zufolge vor allem Amerikaner, Briten und Juden im Visier. Getötet wurden aber zum überwiegenden Teil Inder und ausländische Touristen, die in den Kugelhagel gerieten. Die Angreifer waren nach Polizeidarstellung mit AK-47-Sturmgewehren und Handgranaten bewaffnet und kannten sich in den Hotels sehr gut aus.
Die Anschlagswelle belastet die indisch-pakistanischen Beziehungen. Der pakistanische Verteidigungsminister Ahmed Mukhtar sagte der Nachrichtenagentur AP in Islamabad, Pakistan sollte „nicht wie in der Vergangenheit“ für Anschläge in Indien verantwortlich gemacht werden. Der indische Ministerpräsident Manmohan Singh hatte am Donnerstag zwar keine direkten Vorwürfe gegen Pakistan erhoben, wohl aber erklärt, die Angriffe seien von militanten Extremisten außerhalb Indiens vorbereitet worden. Das wurde in Islamabad als Vorwurf einer pakistanischen Verwicklung aufgefasst.
Eine Verschlechterung der Beziehungen der beiden Atommächte, die seit 1947 wegen des Streits um die Himalaya-Region Kaschmir drei Kriege führten, würde die vom künftigen US-Präsidenten Barack Obama geplante amerikanische Südasienpolitik erschweren. Obama setzt auf eine Normalisierung des indisch-pakistanischen Verhältnisses als Grundlage für seine Initiative zur Stabilisierung Afghanistans. (AP)
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