Gesellschaft - Aktuelle Nachrichten – Auf 137 Ausbildungsfahrten durch Wind und Wetter – Margret Kiosz
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Aktuelle Nachrichten – Gesellschaft

Segelschulschiff „Gorch Fock“ Auf 137 Ausbildungsfahrten durch Wind und Wetter

Margret Kiosz

17.06.2008

An Bord der Gorch Fock auf der Ostsee. Das Segelschulschiff der Deutschen Marine feiert in diesem Jahr seine Indienststellung vor 50 Jahren. (AP Photo/Heribert Proepper)
An Bord der Gorch Fock auf der Ostsee. Das Segelschulschiff der Deutschen Marine feiert in diesem Jahr seine Indienststellung vor 50 Jahren. (AP Photo/Heribert Proepper)
(AP Photo/Heribert Proepper)
(AP Photo/Heribert Proepper)
(AP Photo/Heribert Proepper)
(AP Photo/Heribert Proepper)

Kiel – Ob Kommandant auf einem U-Boot oder Kapitän einer Fregatte – jeder, der heute Rang und Namen in der Deutschen Marine hat, absolvierte seine seemännische Grundausbildung auf dem Schulschiff „Gorch Fock“. 14.000 Offiziersanwärter wurden seit der Indienststellung der Dreimastbark im August 1958 auf 137 Ausbildungsfahrten fit für die hohe See gemacht. In diesem Sommer wird der stolze Rahsegler 50 Jahre alt. Und der runde Geburtstag wird ausgiebig gefeiert.

Wer auf der „Gorch Fock“ ausgebildet wurde, musste bei Wind und Wetter, Sturm und peitschendem Regen in die Takelage, im Ausguck die Positionslichter fremder Schiffe erspähen, Messing putzen und die räumliche Enge in den Schlafsälen ertragen, in denen 30 Mann auf zwölf Quadratmetern in Hängematten übernachten. So wurden aus seekranken Landratten richtige Seeleute gemacht, die Leistungsbereitschaft, Führungsqualität und Teamgeist an Bord lernten. Seit 1997 erhalten auch Seefrauen ihre praktische und theoretische Ausbildung auf dem Segelschulschiff.

Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel am Samstag in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt die 126. Kieler Woche eröffnet, wird die „Gorch Fock“ im Mittelpunkt des Großereignisses in ihrem Heimathafen stehen. Während die Seglerelite auf den Regattabahnen vor Kiel zum letzten internationalen Test vor den Olympischen Spielen in Peking antritt, wird die „Gorch Fock“ als Flagschiff am 29. Juni die Windjammerparade auf der Förde anführen. Im August ist sie dann Star bei den Flensburg Nautics und der 18. Hansesail in Rostock-Warnemünde.

Anlässlich des Geburtstages gibt die Bundesregierung Anfang August eine Sondermünze heraus. Der Finanzminister hat zudem angekündigt, Sonderbriefmarken mit der Abbildung des stolzen weißen Schwans der Marine herauszugeben.

Neuer Satz Segel und neue Kombüse

Für die Feierlichkeiten wurde die 89 Meter lange Bark mit ihren 45 Meter hohen Masten in den vergangenen Monaten kräftig herausgeputzt. Auf einer Werft im niedersächsischen Elsfleth wurde sie im Frühjahr generalüberholt, erhielt einen neuen Satz Segel, moderne Sanitärraume und eine neue Kombüse. „Obwohl unsere Weiße Dame jetzt 50 wird, ist sie nach der Werftliegezeit fast wie neu“, betont Kapitän zur See Norbert Schatz, der zwölfte Kommandant der „Gorch Fock“. 4,5 Millionen Euro ließ sich die Bundesregierung diese Runderneuerung kosten – zum Vergleich: Für den Bau des Schiffes auf der Hamburger Werft Blohm und Voss zahlte man vor einem halben Jahrhundert „nur“ 8,5 Millionen Mark.

Noch immer zählt der majestätische Dreimaster zu den sichersten, aber auch zu den schnellsten Windjammern weltweit. Beim Bau des Schiffes stand nach dem Untergang der „Pamir“ 1957, bei dem 80 Besatzungsmitglieder den Seemannstod fanden, die Sicherheit im Vordergrund. Das Verteidigungsministerium ließ die Baupläne noch einmal überarbeiten und die Sicherheitsstandards verbessern.

Heute ist die „Gorch Fock“ weit mehr als ein reines Ausbildungsschiff, auf dem Kadetten in meist achtwöchigen Kursen hautnah den Kampf mit Wind, Strom und Gezeiten bestehen müssen, bevor sie Führungsaufgaben in der Marine übernehmen können. Als einziges unbewaffnetes Schiff der Deutschen Marine ist sie längst auch zur Botschafterin ihres Landes in aller Welt geworden und repräsentiert den Staat und die Deutsche Marine bei offiziellen Auslandsbesuchen.

Auf ihren Reisen, die sie mit 700.000 Seemeilen umgerechnet 32 Mal um den Erdball führten, war sie bis heute in 57 Ländern zu Gast. So steuerte sie im Mai 1988, quasi als diplomatischer Eisbrecher, den Hafen von Haifa an – erstmals betraten damals deutsche Soldaten israelischen Boden.

Etliche Preise abgeräumt

Auch bei Großseglertreffen und Hafenfesten ist sie ein gern gesehener Gast und hat bei Transatlantik-Regatten schon etliche Preise abgeräumt. Mehrfach lief sie bei der Kolumbusregatta über den Atlantik, bei den jährlichen Tall Ships' Races und bei der Operation Sail als erstes Schiff im Zielhafen ein. Kein Wunder, an den drei Masten kann die „Gorch Fock“ rund 2.000 Quadratmeter Segel setzen, die sie auf einen Höchstgeschwindigkeit von 17 Knoten bringen, was 31,5 Stundenkilometern entspricht.

Auch in Zukunft wird die „Gorch Fock“ als Ausbildungsschiff für Kadetten unverzichtbar sein, ist sich Kommandant Schatz sicher. Auch wenn die Absolventen der Lehrgänge später auf hochgerüsteten Kriegsschiffen, vollgestopft mit Technik und Computern, eingesetzt werden. Nirgendwo sonst könnten Offiziersanwärter den Einfluss des Wetters auf Schiff und Besatzung so intensiv erleben wie auf einem Großsegler. „Die extremen Bedingungen fördern die Teamfähigkeit, man muss zusammenhalten, sonst läuft nichts“, betont der 51-Jährige. (AP)

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