Foto: Porzellan-Manufaktur Meissen
Das erste Hartporzellan stammt aus China. Viele andere Länder waren wissbegierig etwas über die Rezeptur zu erfahren. Doch das Geheimnis konnte nicht gelüftet werden. Seit dem Anfang des 13. Jahrhunderts importierten europäische Fürstenhöfe zu horrenden Preisen das wundervolle und begehrte Porzellan aus Ostasien. Vielerorts entstand der Wunsch, die Zauberkraft zum Herstellen des Porzellans selbst zu besitzen.
August den Starken, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, ereilte das Glück. Am 28. März 1709 meldete Johann Friedrich Böttger in einem Memorandum an seinen Kurfürsten, dass das „Weiße Gold“, „sambt der allerfeinsten Glasur“ erfunden sei.
Im Januar 1710 teilte die sächsische Hofkanzlei in einem „allerhöchsten Dekret“ in lateinischer, französischer, deutscher und holländischer Sprache mit, dass eine Porzellan-Manufaktur gegründet wurde. Die Errichtung der Königlich-Polnischen, Kurfürstlich-Sächsischen Porzellan–Manufaktur erfolgte auf der Albrechtsburg in Meißen.
Somit begann die Erfolgsgeschichte des Meissner Porzellans. Jedes Unikat erhält seit 1722 die aus dem kursächsischen Wappen stammenden „Gekreuzten Schwerter“ als unverwechselbares Warenzeichen.
Förderung der weißen Erde
Unweit von Meißen befindet sich das kleinste und älteste Bergwerk Europas. In ihm wird das zu Tage gebracht, was bei der Herstellung des hochwertigen Meissner Hartporzellans die Stabilität schafft, das Kaolin.
Der Abbau des Seilitzer Kaolins begann im 18. Jahrhundert in mehreren Tagebauen. Den ersten Tagebau legte ein Blaumaler der Manufaktur an. Bald darauf waren auch Gutsbesitzer des Seilitzer Landes dabei Kaolin abzubauen und es an die Königliche Porzellan-Manufaktur zu verkaufen. Bei der Anlegung dieser Tagebaue wurden die über dem Kaolin liegenden Schichten, bestehend aus Muttererde und Lehm auf Flächen von etwa 10 Quadratmetern abgetragen. Das Heraustragen des Kaolins in Weidenkörben erfolgte damals über notdürftig angelegte Treppen.
1814 erwarb die Königliche Porzellan-Manufaktur Meissen das alleinige Abbaurecht, indem sie Verträge mit den Gutsbesitzern abschloss. Seit 1825 bis heute wird das Kaolin aus größerer Tiefe gefördert. Es hat sich erwiesen, dass die dort lagernde „weiße Erde“, die mit 65% an der Rohmasse des Porzellans beteiligt ist, den Bedürfnissen der Manufaktur am besten entspricht. Sie gewährleistet, dass die zu verarbeitenden Porzellanmassen einen hohen Weißgrad und gute Bildsamkeit bei gleichzeitig hoher Standfestigkeit im Brand haben.
Die Bergleute führen u.a. das Brechen, Zerkleinern, Verlesen und Fördern des Rohkaolins aus. Nachdem die Porzellanerde in der Manufaktur angeliefert wurde, erfolgt die Aufbereitung der Porzellanmassen. Dazu gehört neben anderen wichtigen Arbeiten das Mischen des Kaolins mit gemahlenem Quarz und Feldspat.
Erst danach beginnt der Porzellangestalter die formlose Masse mit Geschick und hoher Kunsthandwerklichkeit in Meissner Porzellan zu verwandeln.
Foto: Ingrid Wittig/The Epoch Times
Die Porzellan-Manufaktur Meissen
Eine edle Weihnachtsüberraschung gehört auf jeden Gabentisch. Meissner Porzellan ist der Inbegriff für ein begehrtes kostbares Geschenk für hohe Ansprüche mit ästhetisch kunstvoller Ausstrahlung. Den Mädchen aus Sachsen wurden früher – und werden manchmal heute noch – zu allen Geburtstagen oder Weihnachten Teile von einem Service aus Meissen geschenkt als Anteil ihrer Aussteuer für einen eigenen Haushalt.
Die Porzellan-Manufaktur Meissen befindet sich nicht mehr in der Albrechtsburg, sondern in einem eigens dafür erbauten Gebäudekomplex mit Betriebsstätte, Porzellan-Museum, das als Schauhalle mit Schauwerkstätten, wechselnden Sonderausstellungen, Besucherzentrum, Restaurant und Cafe auf seine Besucher und Kunden wartet.
Die öffentlich zugängliche Schauhalle bietet ein prachtvolles Bild ausgewählter Stücke aus 300-jähriger Entwicklung Meissner Porzellans. Aus dem umfangreichen Bestand der historischen Sammlungen von etwa 20 000 Porzellanen sind etwa 3 000 zu sehen. Die ausgestellten Stücke sind chronologisch geordnet. Ein abwechslungsreicher Rundgang durch die Stilgeschichte bis zur Gegenwart ist möglich.
Ob Skulptur, prunkvolle Vase, festliche Leuchter, Service mit klassischem und modernen Dekor, Kerzenständer, Engelsfigur, exotisches Tier, Wandteller, Obstschale oder Fabelwesen, jedes der Porzellane erzählt eine individuelle kleine Geschichte.
Die Vielgestaltigkeit der Porzellane spiegelt die Kreativität, das hohe handwerkliche und künstlerische Geschick der Künstler des Hauses wider und macht Handwerkskunst, Tradition und Tafelkultur hautnah erlebbar. Die Sammlung wird ständig durch ausgewählte Stücke aus der traditionellen Fertigung ergänzt.
Eine Festtafel im ersten Obergeschoß ist für 12 Personen mit einem hochwertigen Meissen-Service gedeckt. In regelmäßigen Abständen wird ein anderes Service den Besuchern präsentiert. Zum heutigen Sortiment gehören nach wie vor die weltbekannten Klassiker „Zwiebelmuster“, „Meissner Rose“ und der berühmte „Rote Hofdrache“, der bis 1918 ausschließlich für den königlichen Hof reserviert war.
Die Porzellanmanufaktur passte ihre Tischkultur auch der aktuellen Zeit und den Wünschen ihrer Kunden an. So entstanden auch exklusive Arrangements für Sushi, Pasta und Espresso.
Im zweiten Obergeschoß kommt man in einen eindrucksvollen Kuppelraum, in dem ein imposanter Tafelaufsatz mit einer Höhe von 3,56m steht. Er wurde für Friedrich August III. hergestellt und ist das bisher größte Stück, das in der Manufaktur erschaffen wurde.
Schauwerkstätten
In den Schauwerkstätten wird anschaulich gezeigt, wie Meissener Porzellan entsteht. Erfahrene Mitarbeiter der Manufaktur zeigen das Drehen und Formen einer Tasse und das Ausformen eines Figurenteils, das Zusammenfügen einzelner Figurenteile zu einer Gesamtplastik in der Bossiererei, die Unterglasmalerei beim Entstehen eines Zwiebelmusters und die Aufglasmalerei am Beispiel der bunten Blumen-Malerei.
In der Malerei werden Metalloxydfarben eingesetzt, die aus dem eigenen Farblabor stammen. 1000 über Generationen sorgfältig gehütete Farbrezepturen ermöglichen es, vielfältige Malereien aus drei Jahrhunderten authentisch aufzubereiten. Brillanz, Farbechtheit und Farbreinheit sind unverwechselbare Qualitätsmerkmale. Bemerkenswert ist, dass die Farbtöne ihre volle Schönheit erst nach dem Brennvorgang entwickeln. So wird erstaunlicherweise aus einem dunklen Braun ein leuchtendes reines Gold.
Foto: Ingrid Wittig/The Epoch Times
Das weltbekannte und geliebte Zwiebelmuster
Nach ostasiatischem Vorbild erschuf vor 270 Jahren die Porzellan-Manufaktur Meissen das Zwiebelmuster. In China befanden sich Pfirsich, Granatapfel und Zitrone als gesegnete Früchte auf den Scherben. Das Zwiebelmuster entstand in der Meissner Porzellan-Manufaktur, weil diese Früchte den damaligen Malern fremd waren.
Kein anderes Dekor ist weltweit so viel kopiert worden, wie das Zwiebelmuster. Etwa 50 Firmen produzieren es maschinell. Die Porzellan-Manufaktur Meissen malt es nach wie vor mit der Hand. Wie zu Zeiten seiner Entstehung auf den porösen, bei 900 Grad C verglühten Scherben. Da muss jeder Pinselstrich sitzen. Nichts ist zu korrigieren oder wegzuwischen. Die zunächst unscheinbare wässrige graugrüne Farbe dringt tief in das noch saugfähige Porzellan ein. In das Glasurbad getaucht, verschwindet die Malerei völlig unter einer milchig-weißen Schicht. Diese wird im Glasurbrand bei 1450 Grad C glasklar. Nun ist der Dekor in seiner ganzen brillanten Schönheit sichtbar.
Das Meissner Zwiebelmuster ist jung geblieben und wurde 2004 mit einem weiteren Dekor ergänzt. Das Sortiment der Manufaktur umfasst zur Zeit mehr als 750 verschiedene Artikel, die mit dem Zwiebelmuster bemalt werden.
Der Meissner Porzellan-Zoo für Kinder
Eine von sieben Sonderausstellungen zum 300-jährigen Jubiläum im kommenden Jahr ist der Porzellan-Zoo, der vom 23. Januar bis 31. Dezember 2010 in der Schauhalle gezeigt wird. In der Barockzeit war die Haltung von exotischen Tieren ein sehr kostspieliger Luxus, den sich nur Adlige leisten konnten. Die Tiere verstarben meist früh. So lag es nahe, sich Nachbildungen exotischer Tiere aus Porzellan zu wünschen. Die Meissner Porzellanfiguren haben naturgetreuen Charakter und viele von ihnen sind bezaubernde Wesen.
Sie werden zur Ausstellung auf kleinen Sockeln stehend, im hellen Lichterglanze auf ihre Besucher warten. Viele große und kleine Gäste werden an ihnen ihre Freude haben und vielleicht auch ihre Sammlerleidenschaft entdecken.