Frankfurt/Main (apn) Er wurde wie ein Erlöser gefeiert, aber auch als Hochstapler kritisiert: Robert Koch, der am 27. Mai 1910 in Baden-Baden starb, wurde als Vater der Bakteriologie weltberühmt und musste andererseits dagegen kämpfen, von der Politik vereinnahmt zu werden. Er war überzeugt vom Ende der Infektionskrankheiten. Doch 100 Jahre nach seinem Tod dauert der Kampf gegen todbringende Seuchen wie Aids und Tuberkulose noch immer an.
Fast zwei Millionen Menschen, darunter mehrere Hundert in Deutschland, sterben heute pro Jahr an Tuberkulose, deren Erreger Koch 1882 entdeckte. Experten warnen, dass die Medizin in ein paar Jahren vor denselben Problemen stehen wird wie Koch am Ende des 19. Jahrhunderts. Dringend gebraucht werden neue Medikamente gegen multiresistente Tuberkulosestämme, fordert die Robert-Koch-Stiftung.
Robert Koch ist es zu verdanken, dass die tödlichen Feinde des Menschen ein Gesicht bekamen. Als Erster hatte er bewiesen, dass die Ursache von verheerenden und ansteckenden Krankheiten wie Cholera, Milzbrand, Tuberkulose, Malaria und der Pest, denen die Ärzte bis dahin völlig machtlos gegenüber standen, spezielle Bakterien sind.
Erstes Studienobjekt Kochs war 1876 der Milzbrand bei Rindern, mit dem er als Landarzt häufig konfrontiert war. In mühsamen Experimenten in einem notdürftig ausgestatteten Labor in seinem Wohnhaus im heute polnischen Wollsztyn entdeckte er den Erreger, schreibt Barbara Rusch in ihrem neu herausgegebenen Buch „Robert Koch. Vom Landarzt zum Pionier der modernen Medizin“.
Dazu hatte Koch die Milzbrand-Bakterien auf einem Nährboden isoliert gezüchtet. Seitdem ist diese Methode Bestandteil jeder bakteriologischen Forschung. Noch in Wollsztyn gelang es Koch, Bakterien bildlich darzustellen, indem er sie einfärbte und auf Mikrofotografien bannte.
Weltruhm erlangte Koch 1882 mit der Entdeckung des Tuberkulose-Erregers, für die er 1905 den Nobelpreis erhielt. Damals arbeitete er bereits als Regierungsrat am Kaiserlichen Gesundheitsamt in Berlin. Als erster hatte er damit die Entstehungsweise einer menschlichen Infektionskrankheit, die damals für etwa ein Fünftel der Todesfälle im Deutschen Reich verantwortlich war, nachgewiesen.
Eine bis dahin beispiellose Karriere zum Superstar der Wissenschaft begann: 1885 ernannte ihn Kaiser Wilhelm I. zum Ersten Professor für Hygiene. Sechs Jahre später wurde er Direktor des Königlich Preußischen Instituts für Infektionskrankheiten. Koch, der zweimal verheiratet war und eine Tochter hatte, leitete das spätere Robert-Koch-Institut bis 1904.
Kurze Zeit nach seiner sensationellen Entdeckung des Tuberkulose-Erregers begann Koch seine Expeditionen zur Erforschung der Cholera in Ägypten und Indien sowie der Malaria und der Schlafkrankheit in Ostafrika. Seine Reiseberichte wurden in deutschen Tageszeitungen abgedruckt und von der Öffentlichkeit begeistert aufgenommen.
Nach der erfolgreichen Cholera-Expedition, bei der Koch den Erreger nachgewiesen hatte, stürzte er sich in die Suche nach einem Tuberkulose-Heilmittel. Die Erwartungen der Öffentlichkeit waren so hochgeschraubt, dass Koch nach Angaben der Buchautorin Rusch übereilt einen Impfstoff präsentierte. Das Tuberkulin war zwar wertvoll als diagnostisches Hilfsmittel, aber wirkungslos als Heilmittel.
Koch forschte ohne Erfolg bis zu seinem Lebensende weiter an dem Heilmittel. Doch bis heute wird mit dem Tuberkulin-Test bei Patienten geprüft, ob sie mit Tuberkulose infiziert sind oder waren.
Für Koch waren die Menschen Infektionskrankheiten weitgehend hilflos ausgeliefert. Doch das stimmt nicht, wie Professor Stefan Kaufmann vom Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in seiner Laudatio zur Verleihung des Robert-Koch-Preises im vergangenen Jahr betonte: Ein Drittel der Menschen auf der Erde seien mit dem Tuberkulose-Erreger infiziert, doch nur zehn Prozent von ihnen erkranken.
Gesunde Menschen sind kaum gefährdet, denn die körpereigene Abwehr hält die Erreger in Schach. Nur bei Armut, unhygienischen Bedingungen und schlechter Ernährung werden die Mikroben gefährlich.
Koch, der sich zeitlebens mit gefährlichen Erregern beschäftigt hatte und daran nicht erkrankt war, starb an einem Herzinfarkt. Wie es sich für einen Hygieniker gehört, hatte er die Einäscherung seiner Leiche verfügt. Die Urne wurde in einem Mausoleum im heutigen Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin bestattet.
Dort ist sie noch heute untergebracht. Anlässlich seines 100. Todestages öffnet das RKI das kleine Museum und das Mausoleum nun regelmäßig jeden Montag. Außerdem stehen seine gesammelten Werke jetzt der Öffentlichkeit im Internet zur Verfügung.
http://www.rki.de/ (AP)
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