Berlin – Julian (Robert Stadlober) ist überzeugt, die Schwerkraft überwinden zu können. Doch bei dem Versuch, über ein fahrendes Auto zu springen, fand sein bester Freund den Tod. Er selbst wurde schwer verletzt. Jetzt plagt Julian, der inzwischen in der Psychiatrie ist, ein schlechtes Gewissen. Als er hört, dass der Vater des Toten im Sterben liegt, fasst er den Plan, ihn per Fernheilung zu kurieren. Julian reißt aus der Klinik aus und begibt sich auf einen Fußmarsch von Berlin nach Stuttgart. Unterwegs trifft er auf drei Menschen, die sich ihm anschließen.
Als der US-Regisseur David Lynch vor ein paar Jahren das Drama „The Straight Story“ herausbrachte, wurde es als Ode an die Langsamkeit gefeiert. Ein einfacher Farmer fährt in dem beschaulichen Film auf einem Rasenmäher quer durch die USA, um einem todkranken Freund die letzte Ehre zu erweisen.
„Der Mann, der über Autos sprang“ ist sozusagen das deutsche Pendant. In der Titelrolle ist sich Robert Stadlober („Crazy“) sicher, einem herzkranken Mann durch einen Fußmarsch helfen zu können. Das klingt ein wenig abstrus. Doch die Handlung hat einen realen Ursprung. 1974 marschierte der Autorenfilmer Werner Herzog von München nach Paris, weil er glaubte, dadurch den Tod der schwer kranken Filmhistorikerin Lotte Eisner verhindern zu können. In dem Tagebuch „Vom Gehen im Eis“ brachte er seine Erlebnisse zu Papier.
Dem Film von Regisseur Nick Baker-Monteys eine esoterische Botschaft zu unterstellen, liegt auf der Hand. Immerhin geht es vordergründig um Fernheilung und die Überwindung der Naturgesetze. Wobei es sich wie selbstverständlich versteht, dass der Versuch, über ein Auto zu springen, am Ende des Films noch mal wiederholt wird.
Baker-Monteys scheint in seinem Film allerdings ganz irdische Aussagen treffen zu wollen. Insgesamt vier Wanderer reißt er aus ihrem gestressten und gehetzten Alltag. Er entschleunigt sie für ein paar Tage, damit sie über ihr Leben sinnieren können. So spielt Jessica Schwarz („Kammerflimmern“) neben Stadlober eine junge Ärztin, die an ihrer Partnerwahl zweifelt. Doch sie fand bisher nie die Zeit, sich über ihren Verlobten ernsthafte Gedanken zu machen.
Beinahe ebenso ergeht es einem von Martin Feifel („Buddenbrooks“) gespielten Polizisten und einer von Anna Schudt („Gespenster“) verkörperten Mutter, die sich Julian ebenfalls anschließen. An ihnen ist das Leben in den vergangenen Jahren förmlich vorbei gerast. Sie funktionieren nur noch anstatt zu leben.
„Der Mann, der über Autos sprang“ ist ein Aufruf, in sich hineinzuhorchen und die Umwelt bewusst wahrzunehmen. Das ist ein ehrenwerter Ansatz. Ob diese Botschaft allerdings in eine derart konstruiert wirkende Rahmenhandlung verpackt werden muss, sei dahingestellt. Das US-Vorbild von David Lynch wirkt in diesem Zusammenhang zumindest bodenständiger und dadurch authentischer.
(„Der Mann, der über Autos sprang“, Drama, Deutschland 2010, 112 Minuten, FSK: 6, Verleih: Alamode, Regie: Nick Baker-Monteys, Darsteller: Robert Stadlober, Jessica Schwarz, Martin Feifel, Anna Schudt u.a.)
Kinostart: 9. Juni 2011
(dapd)
Hier können Sie sich im Newsletter eintragen.
Globales Tagebuch über einen Tag im Sommer 2010
(05.06.2011)
Echos für Peter Fox und Rosenstolz
(21.02.2009)
Wenn Pinguine das Fracksausen kriegen
(10.09.2007)
(09.02.2007)