Aktuelle Nachrichten – Panorama
20.02.2011
Bucklebury – Ein ehrfürchtiges Raunen macht sich breit, als John Haley die weiße Einladung mit Goldprägung präsentiert. Der Besitzer des gemütlichen Pubs "Old Boot Inn" unweit von Bucklebury ist einer von 1.900 Gästen, die zur Hochzeit des britischen Prinzen William und seiner Verlobten Kate Middleton am 29. April eingeladen wurden. Das wichtige Schriftstück ging ihm gerade erst per Post zu und löst allgemeines Entzücken aus. Um Haley haben sich Teilnehmer der ersten geführten Bustour ins "Kate-Middleton-Land" versammelt, wie sie der findige Reiseveranstalter Mortons Travel getauft hat.
Haleys Pub ist die zweite Station des Premieren-Ausflugs am Sonntag. Und das aus gutem Grund: Die Middletons sind nicht nur regelmäßige Besucher des kleinen Lokals aus dem 18. Jahrhundert, auch Prinz William war schon da.
"Die beiden saßen hier am Feuer", sagt Morton über den ersten Besuch des Thronfolgers in seinem Lokal vor ein paar Jahren und deutet auf einen Platz am Kamin, an dem es sich nun drei Senioren – ebenfalls Tourteilnehmer – gemütlich gemacht haben. "Wir wussten damals, dass William kommen würde und waren ziemlich nervös, aber er war sehr nett, sehr normal", betont der Wirt, der es vorzieht, nicht fotografiert zu werden. Haley wird die Trauung in der Westminster Abbey live verfolgen, dann in sein Pub westlich von London zurückfahren und dort abends das Ereignis mit seinen Gästen bei einer großen Party feiern. "Es ist fabelhaft", freut er sich über die königliche Einladung.
Es ist eine idyllische, ländlich verträumte Gegend, aus der Kate Middleton stammt. Nur rund 2.000 Einwohner zählt ihre Heimatgemeinde Bucklebury in der Grafschaft Berkshire. Und ohne die berühmte Einwohnerin würde eine Bustour hierhin wohl kaum das Interesse der internationalen Presse wecken. Knapp zwei Monate vor der großen Hochzeit aber ist alles anders: In dem kleinen Reisebus sitzen mehrheitlich Medienvertreter, rund 20 Fotografen und Reporter – aus den USA, Deutschland, Dänemark und Großbritannien. Immer wenn Reiseleiterin Charmiane Griffiths (65) etwas über "unsere Freundin" Kate erzählt, sind mehrere Kameras, unter anderem der US-Sender CBS und NBC, auf sie gerichtet. "Endlich berühmt!", freut sie sich.
Amüsiert verfolgen dieses Spektakel auch die regulären Teilnehmer der Tour, etwa zehn ältere Herrschaften aus der Region. "Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht so viele Journalisten gesehen", staunt etwa Tony Riddell (73). Er sei öfter bei einem der örtlichen Ausflüge unterwegs. Vor allem interessiert ihn und seine beiden Begleiterinnen die Gegend – und dann auch der Kate-und-William-Aspekt. "Ich mag die beiden, sie wirken sehr sympathisch und auf dem Boden geblieben." Dass er im Pub auf dem Platz des künftigen Königs gesessen hat, werde er auch sicherlich seinen Nachbarn erzählen, betont er und grinst.
Die Middleton-Tour führt die Teilnehmer zunächst in die St. Andrews Schule, die Kate ab dem Alter von etwa acht Jahren besucht hat. Vor dem Gebäudekomplex aus rotem Backstein darf allerdings nicht angehalten werden, da es sich um Privatgrund handelt. "Hier hat Kate einen wichtigen Teil ihrer Erziehung genossen", erklärt Griffiths.
Die bürgerliche Millionärstochter Middleton ist nicht nur in Bucklebury und Umgebung aufgewachsen und zur Schule gegangen, sie hat hier bis vor wenigen Wochen auch noch im Unternehmen ihrer Eltern für Kinderparty-Zubehör gearbeitet und wohnt auch jetzt noch teilweise bei ihrer Familie.
Das alles war für den geschäftstüchtigen Busunternehmer Adrian Morton, der selbst aus der Region stammt, Grund genug, seine Tour – nach seinen Worten die erste dieser Art – anzubieten. "Wir haben sogar Anrufe von der Presse aus Japan bekommen", sagt er. Sein Bruder, der in Amerika lebe, habe ihn auf die Idee gebracht, dass ein solcher Themenausflug zu den Middletons viele Menschen interessieren könnte. Morton plant weitere Touren, "etwa drei im Monat", wie er sagt.
Hierzu hat allerdings David Townsend etwas zu sagen: Er lebt ganz in der Nähe des "Oldboot Inn" und appelliert an Morton: "Bitte überfluten Sie den Ort nicht." Der 62-Jährige kennt die Familie Middleton sehr gut und mag sie, wie er betont. Vor Jahren seien Kates Eltern sogar an demselben Haus interessiert gewesen, in dem er heute lebe. "Wir haben schon überlegt, einmal ein Schild anzubringen: 'Die Königin von England hätte beinahe hier gelebt'", scherzt Townsend. Und bevor die Reisegruppe ihren Ausflug fortsetzt, verrät er noch, das auch der örtliche Postbote eine Hochzeitseinladung bekommen habe.
Weitere Stationen der Kate-Tour sind eine zweite Schule, ein College, das sie kurz in Cold Ash besucht hat, die mittelalterliche Kirche St. Andrew's in Bradfield, in der Kate Anfang der 80er Jahre getauft wurde, und natürlich ihr Elternhaus. Dieses liegt allerdings so gut hinter einer Baumlandschaft versteckt, dass man nur einen kurzen Blick auf das moderne große Backsteingebäude im Vorbeifahren erhaschen kann.
Von der Spurensuche rund um das royale Paar zeigen sich an diesem Tag vor allem die Journalisten begeistert. Auf die Frage, was ihm an der Tour besonders gefallen habe, sagt der einheimische Terrence Hewlett: "Die vielen Kameras, ich bin selbst an Fotografie interessiert." Dem Brautpaar wünschen alle Beteiligten aber nur das Beste: "Ich denke, sie wird ihre Sache gut machen", sagt etwa Jean Barron (74) über Kates Heirat in die königliche Familie. "William und Kate sind ganz anders als Charles und Diana."
(dapd)
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