Aktuelle Nachrichten – Europa
29.05.2011
Foto: AP Photo/Vadim Ghirda
Belgrad – Bei einer Demonstration für die Freilassung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ratko Mladic sind am Sonntag im Belgrad Steine geflogen und Fenster zu Bruch gegangen. Nach Ende eines Umzugs mit etwa 7.000 Teilnehmern kam es vor dem Parlamentsgebäude in der serbischen Hauptstadt zu Auseinandersetzungen zwischen den nationalistischen Teilnehmern der Kundgebung und der Polizei. Die Demonstranten warfen Mülltonnen um, zerstörten Ampeln und setzten Feuerwerk ein. An mehreren Stellen kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei.
Viele der Demonstranten sangen nationalistische Lieder oder trugen Mladic verehrende Spruchbänder. Einige riefen rechtsradikale Parolen oder machten den Hitler-Gruß.
Die Demonstranten protestierten gegen die geplante Auslieferung Mladics an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, wo sich Mladic für die ihm vorgeworfenen Kriegsverbrechen verantworten soll. "Kooperation mit dem Haager Tribunal stellt Hochverrat dar", rief Lidija Vukicevic von einer der radikalen Parteien der Menge zu. "Das ist ein Protest gegen die beschämende Festnahme eines serbischen Helden", hieß es weiter. Die Demonstranten forderten außerdem den Rücktritt von Präsident Boris Tadic, der Mladics Festnahme angeordnet hatte.
Im Osten Bosniens versammelten sich rund 3.000 Unterstützer Mladics in der Stadt Kalinovik um gegen dessen Festnahme zu protestiert. Anschließend machten sich zahlreiche Demonstranten auf den Weg in das Dorf Bozanici, um dort zu jener Hütte zu pilgern, in der Mladic einst geboren wurde. Eine Tante sowie Cousins des unter anderem wegen Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagten Mladic erzählten den Anhängern Geschichten über dessen Kindheit.
Mladic wurde 1995 vom Kriegsverbrechertribunal in Den Haag unter anderem wegen des Massakers von Srebrenica mit 8.000 Toten angeklagt. Es war das schlimmste Massaker auf europäischem Boden seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
(dapd)
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