Wohnen - Aktuelle Nachrichten – Auszeitwohnung bei Knatsch in der Beziehung – Lars Rischke
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Aktuelle Nachrichten – Wohnen

Riesaer Wohnungsbaugesellschaft Auszeitwohnung bei Knatsch in der Beziehung

Lars Rischke

30.07.2010

Riesa (apn) Finanzielle Hilfe beim Umzug, kräftige Mietnachlässe und Concierge-Service: Wenn es darum geht, Mieter anzulocken und an sich zu binden, sind viele Wohnungsgesellschaften insbesondere in den neuen Bundesländern angesichts des dort hohen Leerstandes ideenreich und mitunter äußerst spendabel. Etwas Neues hat sich nun im sächsischen Riesa die städtische Wohnungsgesellschaft WGR einfallen lassen.

Sie bietet ihren Mietern seit ein paar Wochen mitten in der eine Autostunde von Dresden entfernten Elbestadt eine „Auszeitwohnung“ an. Gedacht ist das vollmöblierte Etablissement für Leute, bei denen es zu Hause kriselt und die erst einmal nicht mehr unter einem Dach zusammenleben wollen. WGR-Geschäftsführer Roland Ledwa sagt, in der Vergangenheit habe es immer mal wieder Anfragen von Mietern gegeben, die nach einem Streit vorübergehend eine Bleibe suchten und nicht ins Hotel oder zu den Eltern wollten.

Zwar hat der kommunale Vermieter bereits mehrere Gästewohnungen, die Mieter für Besucher reservieren können. Diese sind aber vor allem an Wochenenden oft belegt. „Das war für uns der Auslöser, eine solche spezielle Wohnung einzurichten und bereitzustellen“, sagt der Manager. Die neue Auszeitwohnung kann für ein paar Tage oder auch mehrere Wochen genutzt werden.

Manchmal, so wirbt der städtische Großvermieter auf seiner Webseite, könne eine längere räumliche Trennung bei der Lösung von Familienproblemen nützlich sein. „Helle Farben und eine geschmackvolle Einrichtung vermitteln eine sehr angenehme Wohnatmosphäre, in der es auch gelingt, die privaten Sorgen für kurze Zeit zu vergessen.“

Erster Nutzer bereits eingezogen

Die Zwei-Zimmer-Wohnung ist knapp 60 Quadratmeter groß und – vom Eierbecher bis zur Waschmaschine – komplett ausgestattet. Wer Stress mit dem Partner hat, kann sie für 25 Euro pro Tag buchen. Ledwa sagt, natürlich gehe es bei dem Angebot auch um wirtschaftliche Aspekte. Schließlich könne so eine ansonsten leerstehende Wohnung bewirtschaftet werden. Das Unternehmen macht auch kein Hehl daraus, dass man Mieter möglichst dauerhaft an sich binden will.

Die Rechnung scheint aufzugehen: Bereits kurz nachdem die Wohnung fertig war, zog – mit wenig Gepäck und einem großen TV-Gerät – bereits ein Mann ein, der sich mit seiner Partnerin verkracht hatte. Mehr will der Vermieter nicht verraten. Diskretion sei selbstverständlich, heißt es.

Die WGR denkt darüber nach, weitere Auszeitquartiere zu schaffen. Ledwa sagt, die Entscheidung solle nach einer Testphase fallen. Genug Platz ist da. Denn nach den Angaben steht mehr als jede zehnte der insgesamt 3.500 kommunalen Wohnungen in Riesa leer. Das Hauptproblem ist der rapide Rückgang der Bevölkerung. Besonders betroffen sind davon die Wohnungsgesellschaften im Osten.

Tatsächlich liegt die Leerstandsquote in Ostdeutschland seit Jahren deutlich über der im Westen. Nach Angaben der Wohnungswirtschaft steht dort im Schnitt trotz staatlich geförderter Abrissprogramme mehr als jede zehnte Wohnung leer. Als normal gilt ein Leerstand von drei Prozent. (AP)

 

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