Foto: ddp images / dapd/dapd
Berlin – Erneut ist ein Baby in einem Krankenhaus mit einem Darmkeim infiziert worden und an den Folgen gestorben. Der schwer kranke Säugling steckte sich in der Berliner Charité an, wo er zunächst behandelt wurde, wie eine Sprecherin des Klinikums am Samstag mitteilte. Anschließend wurde er im Deutschen Herzzentrum operiert und fiel dort nach erfolgreichem Eingriff einer Blutvergiftung zum Opfer. Es handelt sich nach Charité-Angaben aber nicht um multiresistente Keime, denen in Bremen mehrere Frühchen erlegen waren.
Vor knapp zwei Wochen wurde am Campus Virchow der Charité eine Häufung sogenannter Serratien-Erreger festgestellt. Diese Bakterien gehörten nach Angaben der Sprecherin bei vielen Menschen zur Darmflora, stellten in der Regel kein Risiko dar und seien mit Antibiotika gut behandelbar. Bei Patienten mit eingeschränkter Immunabwehr und bei extrem unreifen Frühgeborenen oder schwerstkranken Neugeborenen könnten sie allerdings Infektionen verursachen.
Schutzmaßnahmen eingeleitet
Nach dem am 8. Oktober festgestellten Ausbruch wurden laut Charité umgehend Schutzmaßnahmen eingeleitet und alle Patienten der Neonatologie auf die Erreger untersucht. Derzeit gebe es sieben kranke Babys, deren Zustand sich durch die Therapie aber stabilisiert und verbessert habe, sagte die Sprecherin. Bei weiteren 15 Frühchen wurde der Keim nachgewiesen, ohne dass es zu einer Erkrankung kam. Die Frühchenstationen am Campus Mitte sind nicht betroffen.
Erstmals in diesem Jahr war der Keim im Juli bei einem Frühchen in der Charité nachgewiesen worden. Das Kind sei behandelt worden und inzwischen gesund, sagte die Sprecherin dapd. Ob es einen Zusammenhang mit der jetzigen Häufung gibt, werde noch untersucht.
Czaja nimmt Vorgänge ernst
Die Charité stoppte inzwischen die Aufnahme für zwei Frühgeborenenstationen am Virchow-Klinkum. Diese vorbeugende Maßnahmen solle weitere Infektionen verhindern, sagte die Sprecherin. Das Gesundheitsamt sei umgehend durch die Krankenhaushygiene des Klinikums informiert und die kranken Patienten seien isoliert worden. Außerdem wurde die Händedesinfektion weiter verstärkt und die übliche desinfizierende Reinigung zwei Mal täglich auf den Stationen durchgeführt.
Die Charité bildete ein Team mit einem festen Ansprechpartner der Klinik für Neonatologie, das in engem und täglichem Kontakt mit der Senatsverwaltung für Gesundheit steht. Für die psychologische Betreuung der Eltern der betroffenen Kinder stehe ein Oberarzt zur Verfügung.
Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) hatte sich am Freitagabend bei einem Treffen mit allen beteiligten Seiten über den aktuellen Stand informiert, sagte seine Sprecherin Franciska Obermeyer auf dapd-Anfrage. Der Senator nehme die Vorfälle "sehr ernst" und lasse sich ständig unterrichten.
dapd
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