Aktuelle Nachrichten – Unternehmen
23.06.2010
Foto: Virginia Mayo/AP Photo
Brüssel (apn) Kloschüsseln, Waschbecken und Badewannen sind für Millionen EU-Bürger jahrelang überteuert gewesen. Die EU-Kommission hat am Mittwoch eine Strafe von 622 Millionen Euro gegen ein Kartell von 17 Badeinrichtern verhängt, das von 1992 bis 2004 illegal Preise abgesprochen hat. Deutschland war die Hochburg des Kartells, dort trafen sich Vertreter der Firmen mehr als 100 Mal.
Unter den beteiligten Unternehmen ist das Who is Who der deutschen Sanitäreinrichter: Villeroy & Boch, Dornbracht, Duravit, Grohe, Hansa und Kludi. Das höchste Bußgeld unter ihnen muss V&B zahlen, 71,5 Millionen Euro. Die Firma prüft ebenso wie Grohe, gegen die Kommissionsentscheidung zu klagen.
„Das Kartell hat Bauunternehmern, Installateuren, aber letzten Endes auch zahlreichen Familien geschadet“, sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Es war neben Deutschland in Österreich, Italien, Belgien, Frankreich und den Niederlanden aktiv. Die konspirativen Treffen wurden unter dem Deckmantel der nationalen Dachverbände abgehalten. Dabei wurden Preiserhöhungen, Mindestpreise und Rabatte für die gesamte Badeinrichtung festgesetzt und vertrauliche Geschäftsinformationen ausgetauscht.
Almunia beklagte „sehr schwere Verstöße gegen die EU-Wettbewerbsregeln“. Neben den genannten Firmen waren den Angaben zufolge rund 70 Subunternehmen verstrickt. Mehr als die Hälfte der Gesamtbuße wurde gegen das US-Unternehmen Ideal Standard verhängt, 326 Millionen Euro. Unter den deutschen Firmen trifft es Grohe am zweithärtesten, das Düsseldorfer Unternehmen soll 54,8 Millionen Euro zahlen. Weil beide Firmen, Grohe und Ideal Standard, bei den Ermittlungen mit der Kommission kooperierten, wurden ihre Geldbußen um 30 Prozent gemindert.
Dennoch würden derzeit juristische Schritte „einschließlich der Option eines gerichtlichen Vorgehens gegen die Bußgeldentscheidung“ geprüft, sagte ein Grohe-Sprecher. Das Unternehmen habe zwar Rückstellungen für das erwartete Bußgeld gebildet, dennoch werde die Höhe der Strafe Auswirkungen auf künftige Investitionsentscheidungen haben. Die heutigen Besitzer und das heutige Grohe-Management hätten mit den damaligen Vorfällen nichts zu tun, betonte der Sprecher. Grohe war im Juli 2004 übernommen worden.
Bei Villeroy & Boch hieß es, man werde den Bußgeldbescheid prüfen und voraussichtlich Rechtsmittel einlegen. Eine angemessene Rückstellung werde im Halbjahresabschluss gebildet. Von den übrigen deutschen Kartellmitgliedern trifft es Dornbracht mit 12,5 Millionen, Duravit mit 29,3 Millionen, Hansa mit 14,7 Millionen und Kludi mit 5,5 Millionen Euro.
Im Rahmen der Kronzeugenregelung der Kommission wurde der amerikanischen Firma Masco die Geldbuße vollständig erlassen, da sie als erste auspackte. Die Strafen für fünf Unternehmen wurden ermäßigt. Die betreffenden Firmen wären vermutlich nicht in der Lage gewesen, die volle Geldbuße zu bezahlen, erklärte Almunia. Das Ziel der Kartellbekämpfung bestehe nicht darin, den Niedergang von Unternehmen mit finanziellen Schwierigkeiten zu beschleunigen. Insgesamt hätten zehn Kartellmitglieder angegeben, das Bußgeld würde sie in den Ruin treiben. (AP)
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